[0:06]Wohl kein anderer Stoff auf der Welt steht so für Macht und Reichtum wie das Gold. Ob Königskrone oder Oscarstatue, was wichtig und wertig ist, ist golden. Dabei ist es so, würde man alles Gold, dass jemals auf der Erde gefördert und verwendet wurde, einschmelzen und zu einem Würfel gießen, dann hätte dieser Würfel nur eine Kantenlänge von 22,3 m. Man könnte ihn also locker unter den Eiffelturm schieben. Und doch hat dieses Würfelchen aus einem Metall, das hübsch glitzert, über Jahrtausende Herrscher gestützt oder gestürzt. Gold hat die Weltgeschichte beeinflusst. Geht's noch, könnte man fragen, wie kann ein Element eigentlich der ganzen Welt so den Kopf verdrehen?
[1:06]Gold ist auf allen Kontinenten der Erde zu finden, wenn auch sehr ungleich verteilt. Hat eigentlich irgendjemand mal herausgefunden, wie viel Gold insgesamt da ist? Die vielleicht wichtigste Eigenschaft von Gold ist seine Seltenheit.
[1:24]Es wurde bereits in den frühen Tagen der Menschheit gefunden. Man kann davon ausgehen, dass die Gesamtheit des bis heute gewonnenen Goldes 200 000 Tonnen beträgt. Das entspricht in etwa dem Gewicht eines Kreuzfahrtschiffs. Schätzungen zufolge steckt noch ein weiteres Viertel Schiff in der Erde. Die Faustregel lautet, für ein einziges Gramm Gold müssen 250 Tonnen Erdkruste durchsucht werden. Und klar, was so selten ist, ist kostbar. Ups.
[1:59]Also soll ich den irgendwie noch zeigen oder halten?
[2:04]Gold ist eines der schwersten Elemente auf der Erde. Aufgrund seiner enorm hohen Dichte ist es sehr viel schwerer als die meisten anderen Metalle, z.B. wie Eisen oder Silber. Und dann kommt natürlich noch dazu, dass Gold quasi unvergänglich ist.
[2:22]Wenn ich 500 Jahre nach dem Untergang einer spanischen Galeone in der Karibik nach einer nach dem Wrack tauche, dann ist von dem Schiff nicht mehr viel zu sehen. Das Holz ist verrottet, die Kanonen sind verrostet, unbrauchbar. Nur das Gold, das glänzt noch wie neu. Dazu kommt Gold ist nicht farblos, wie etwa Silber oder Eisen. Gold hat eine spezielle Farbe, die uns an die Wärme der Sonne erinnert.
[2:50]Es ist eine spirituelle Farbe. Sie scheint von innen zu leuchten, deswegen wurde Gold über Jahrhunderte für religiöse oder wertvolle Gegenstände verwendet. Hilfreich dabei Gold ist sehr weich und kann sogar kalt geschmiedet werden. Es war eines der ersten Metalle, das Menschen bearbeitet haben. Und das ist das Besondere am alten Ägypten. Hier haben wir es erste Mal damit zu tun, dass Gold in großem Stil eingesetzt wird. Hier wird Gold als Symbol eingesetzt für Unvergänglichkeit, für Göttlichkeit und man hat es geradezu als Fleisch der Götter betrachtet.
[3:26]Bling bling machen durften damals nur Pharaonen und Priester. Ein anderen war so etwas wie ein Goldring am Finger verboten. Das heißt, man hat es innerhalb von Ägypten wegen dieses religiösen Gehalts nicht verwendet. Es war kein Zahlungsmittel, es war kein Geld. Bis heute ist unsere Wahrnehmung von Schönheit und sozialen Status eng miteinander verbunden. Schmuck kann man also auch als Statusbooster verstehen. Als Gold verfügbar wurde, war es besser als Federn oder Muscheln, mit denen man sich vorher schmücken konnte. Manchmal verweist es auf eine besondere Rolle.
[4:06]Hier an der Uni Gießen haben wir diese Kette, die ich Ihnen zeigen kann. Sie darf nur von der Präsidenten getragen werden.
[4:19]Deswegen muss ich gut darauf aufpassen. Gold schmückt das Mächtige, das Heilige. Das gilt für Amtsketten, Königskronen, Buddha Statuen, also weltweit. Wie fing das alles an? Heute umgeben uns überall Materialien, die glänzen. Ein polierter Toaster etwa oder eine Stoßstange aus Chrom. Aber wir müssen uns vorstellen, wie unsere Vorfahren Gold gesehen haben. Bei Kerzenschein oder in einer Höhle bei flackernder Beleuchtung spielt das Licht auf seiner Oberfläche. Dadurch stach es hervor und fesselte den Blick. Vermutlich war es aus Gestein ausgewaschenes Gold in einem Fluss, das zuerst unseren Blick gefangen hat. Wenn etwas aus seiner Umgebung heraussticht, eine Kornblume im Weizenfeld etwa, dann nennt die Wahrnehmungspsychologie das ein salientes Signal. Unser Gehirn priorisiert die Verarbeitung solcher Reize. Sie könnten ja überlebenswichtig sein. Mehr noch, es belohnt uns mit Glücksgefühlen, obwohl wir ja nichts gewinnen, sondern nur etwas außergewöhnliches ansehen. Tatsächlich ist die Ausschüttung von Dopamin und anderen Stoffen unseres Belohnungssystems eher damit verbunden, dass wir etwas sehen, dass wir nicht wirklich kennen und eine Möglichkeit sehen, etwas Neues zu lernen. Wenn wir uns z.B. diesen Stein anschauen, dann weiß unser Gehirn, was passieren wird, wenn wir ihn bewegen. Wenn auf der anderen Seite Gold im Licht bewegt wird, glitzert es auf schwer vorhersehbare Weise. Die Möglichkeit zu lernen, wie sich Licht über seine Oberfläche bewegt, ist ein besonderer Anreiz für das visuelle System des Menschen. Wir sind also biologisch so verdratet, Gold besondere Beachtung zu schenken. Und wir haben es über Jahrtausende mit Reichtum, Macht und Ewigkeit assoziiert, wegen seiner besonderen Eigenschaften. Aber warum hat Gold die eigentlich? Also, dann bauen wir doch mal ein paar Atome und gucken uns die an. Wir machen mal ein Eisenatom, dass die blauen hier, das sind die Protonen und die roten, das sind die Neutronen. Eisenatom und dann gucken wir uns mal Gold an, wie das im Vergleich aussieht. Hier haben wir ein bisschen kreativer die Protonen und hier haben wir die Neutronen schön mit gelb, orange und rot. Gold ist deswegen so viel schwerer als Eisen, weil die Goldatomkerne riesige dicke Dinger sind. Die bestehen aus 79 Protonen und 118 Neutronen, also das gibt ungefähr 200 Teilchen zusammen. Während Eisen 26 Protonen und ungefähr 30 Neutronen hat, also man hat dann 56 Teile. Eisen und Gold. Okay, die Eigenschaften von Gold hängen also mit Besonderheiten des Goldatoms zusammen. Schauen wir uns das noch genauer an mit Hilfe einer Zwiebel. Ich fange gleich an zu weinen.
[7:16]Äh, diese HZ Kerne, das gibt's in der Natur bei den Atomen nicht. Ähm, gucken wir uns doch mal diese Zwiebel hier an. Also, hier in der Mitte hat man ja den Kern, das ist unser Goldkern. Da sind super viele Protonen drin und dann gibt's ja noch Elektronen und zwar genauso viele wie es Protonen im Kern hat. Und die fliegen auf Bahnen genauso wie unsere Zwiebelschalen hier. Weil der Kern so viele positive Protonen hat, werden die Elektronen sehr stark angezogen und die Bahnen gestaucht. Die Elektronen nah am Kern müssen schneller kreisen, um nicht hineinzustürzen. Und die werden so dolle beschleunigt, dass sie fast 60 % der Lichtgeschwindigkeit erreichen. Das ist das ist fast unvorstellbar. Wahnsinnig schnell. Und wenn das passiert, dann kommt die spezielle Relativitätstheorie zum Zuge, die beschreibt dann, dass die Masse dieser sehr schnell fliegenden Elektronen effektiv größer wird. Wenn jetzt also die Masse der negativ geladenen Elektronen größer wird, dann werden die natürlich weiterhin und noch mehr von den positiv geladenen Protonen angezogen. Und das passiert also für alle, fast alle von diesen Schalen, ähm insgesamt ist dadurch ein Goldatom wesentlich kleiner, als es normalerweise sein würde. Um chemisch mit anderen Elementen zu reagieren, müsste Gold Elektronen für Bindungen zur Verfügung stellen. Aber genau das passiert wegen der engen Bindung an den Kern nur, wenn die andere Seite sehr viel Energie in die Verbindung steckt. Also so gut wie nie. Da kommt nichts, da geht nichts, äh und deswegen äh rostet Gold nicht wie Eisen und andere Elemente, die also da ihre Elektronen frei abgeben können und das lustig finden. Und deswegen ist Gold auch über Jahrhunderte beständig. Aha. Und da ist noch eine andere Eigenschaft, die wir uns unter anderem in der Elektronik zu Nutze machen. Die Atome von Gold halten so stark zusammen, dass sich aus einem Gramm ein Faden von 6 km Länge ziehen lässt. Warum kann Gold das? Gold ordnet sich jetzt also in Würfeln, in so einer Art Würfelform an. Das heißt, man hat immer acht Goldatome, die ein Würfel bilden und das führt dazu, dass es dass man dadurch quasi Schichten hat. Und dann kann man sich ja leicht vorstellen, dass diese Schichten relativ einfach gegeneinander verschiebbar sind und deswegen ist Gold so weich. Ultradünnes Blattgold hat etwa als himmlischer Hintergrund für christliche Heilige in Gemälden fungiert. Zu diesem Zeitpunkt war Gold übrigens längst schon Zahlungsmittel. Revolutionär war wahrscheinlich tatsächlich der Lydia König Krösus, der das erste Mal Gold in feste Größe geprägt hat, daraus Münzen geschaffen hat und einen einheitlichen Wert hergestellt hat.
[10:21]Geld lässt sich zählen. Summen werden vergleichbar. Das macht Dinge wie Schuhe kaufen deutlich einfacher, als es in der Tauschwirtschaft war.
[10:33]Der Schuster will vier Hühner und drei Fische.
[10:40]Es könnte kompliziert werden, bevor ich mein Paar Schuhe kaufen kann. Wenn er hingegen Münzen von mir akzeptiert, kann er sie für alles verwenden, was er haben möchte. Anders als etwa ein Huhn, kann Gold angespart werden. Die Erfindung von Geld ermöglicht modernes Wirtschaften. Das war vielleicht die Erschaffung des Kapitalismus, weil ich mit dem ersparten investieren, in die Zukunft blicken und die Wirtschaft entwickeln kann. Tatsächlich bestanden die ersten Münzen hier im antiken Lydien noch aus Elektron, einer Legierung von Silber und Gold. Aber mit denen gab es ein kleines Problem. Die Lösung hat Archimedes berühmterweise in der Badewanne entdeckt und dabei Heureka gerufen.
[12:46]Als er in die volle Wanne stieg, fiel ihm auf, dass sein Körper ein entsprechendes Volumen Wasser überlaufen ließ. Und er beschloss, das auch mit der Krone auszuprobieren. Weil Gold so dicht ist, hat es bei gleichem Gewicht weniger Volumen als andere Metalle. Archimedes tauchte die gleiche Menge Gold, die auch für die Krone bereitgestellt worden war, in die Wanne. Das Wasser lief über. Er nahm das Gold raus und legte die Krone des Goldschmieds hinein. Noch mehr Wasser läuft über. Das Volumen der Krone ist also größer als jenes des Goldklumpens. Damit ist klar, die Krone ist mit billigen Metallen gestreckt. Das kostet den Goldschmied den Kopf und die Antike ist um eine Anekdote reicher. Eine weitere Sache ist vielleicht, Gold ist schwer und wir verbinden Gewicht mit Wert. Denn Gewicht ist verbunden mit Aufwand und Aufwand ist verbunden mit dem Wert, den wir einer Sache beimessen. Das ist Spekulation, aber vielleicht spielt das auch eine Rolle. Naja gut, dass Gold die logische Wahl für das wertvollste Münzgeld war, das kann man aufgrund seiner Eigenschaften verstehen. Aber das antike Europa fängt sich damit auch ein Problem ein. Denn werden mehr Güter gehandelt oder hat der Staat mehr Bürger, muss auch die verfügbare Geldmenge mitwachsen. Man braucht mehr Gold.
[14:14]Aber das geht nicht so einfach. Obwohl auf der Suche nach Gold während des römischen Imperiums ganze Berge mit Wasserkraft zerlöchert und eingeebnet werden, überschreitet die globale Goldförderung damals kaum 5 Tonnen pro Jahr. Also wie kommt man an mehr? Lässt Gold sich irgendwie herstellen? Die alchemische Recherche hat von der Antike bis hinein ins Zeitalter der Aufklärung gedauert. Alchemisten haben mit den esoterischsten Rezepten versucht, Gold herzustellen. Gold macht vielleicht auch ein bisschen doof, denn künstliches Gold in großen Mengen würde ja den Wert des Edelmetalls senken. Aber egal, über Jahrhunderte wird experimentiert und die Staatslenker sind geneigt sich blenden zu lassen. Der letzte Versuch fand noch im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten statt.
[15:07]Sogar die amerikanischen Finanzbehörden interessierten sich für den Erfinder, der behauptete, er könnte mittels einer Substanz namens Argentum Silber in Gold verwandeln. Natürlich war das ein Abzockversuch. Gold künstlich herzustellen bleibt ein Wunschtraum. Man musste es also weiterhin goldhaltigen Gesteinschichten entreißen. Man braucht Tausende von Arbeitskräften um das zu machen. Man muss eine Infrastruktur aufbauen, um die Menschen zu versorgen, so dass Goldproduktion oder Goldförderung in größerem Stil wahnsinnig aufwendig ist. Und meist geschieht das zulasten der Arbeiter. Das sehen wir im alten Rom. Bergwerkssklaven hatten eine extrem kurze Lebenserwartung. Gold abzubauen ist extrem gesundheitsschädlich. Quecksilber war das Mittel der Wahl, um Gold aus dem Gestein zu lösen. Quecksilber ist hochtoxisch, vergiftet das Wasser, vergiftet die Luft, vergiftet die Arbeiter. Trotz dieser irrwitzigen Anstrengungen im 15. Jahrhundert passt alles jemals geförderte Gold noch in einen Würfel mit nur 2 m Kantenlänge. Zu wenig, um die wirtschaftlichen und politischen Ambitionen der Staaten in Europa zu finanzieren. Die dritte Variante, um an Gold zu kommen, stellt natürlich der Krieg da und Eroberungsfeldzüge wurden oft geführt, um Beute zu machen. Und wir sind uns oft nicht darüber im Klaren, wie bedeutsam es z.B. war, dass Alexander der Große den Schatz von Darius erobert hat, das Perserreich ist. Wie wichtig es war, dass Caesar die Kultstätten der Kelten geplündert hat. Krieg zu führen hat Gold für Soldaten und Ausrüstung gekostet und das alles, um hoffentlich hinterher mehr Gold nach Hause zu tragen. Gold wird deswegen zu einem Treiber der Weltgeschichte. Im Tagebuch von Amerika Entdecker Christoph Columbus taucht das Wort Gold mehr als 60 Mal auf. Es heranzuschaffen war ein großer Teil seiner Mission. Auch der Spanier Cortez fällt bei den Azteken in Mexiko unangenehm mit einer Goldfixierung auf. Bei Ihnen wird Gold nur für Kultgegenstände eingesetzt. Die Eroberer aus Europa schmelzen sie ein und schicken das Gold in Form von Barren übers Meer. Das Gold und Silber, das nach Europa gebracht wurde, förderte das Wirtschaftswachstum. Aber vor allem auch die Inflation, da die Menge an Gold und Silber nicht mehr im Verhältnis zur Realwirtschaft stand. Sie haben damit Kriege geführt, sie haben Luxusgüter aus Flandern und aus England importiert, haben aber selbst kaum irgendwas erzeugt, was dauerhaft Wert schöpfend war. Sieben Mal ist Spanien in Konkurs gegangen, weil sie einfach ihre Verpflichtung nicht mehr erfüllen konnten, obwohl ihn das ganze Gold und Silber aus der neuen Welt zur Verfügung stand. Macht, Krieg, Umweltzerstörung. Der goldene Glanz, der unsere Vorfahren betörte, hat weitreichende Folgen gehabt. Was genau verdreht uns beim Gold nur so die Sinne? Warum ist Gold denn eigentlich Gold und nicht Silber? Die meisten Metalle glänzen ja irgendwie silbrig. Es liegt daran, dass das Goldatom so kompakt ist. Wir müssen also noch mal hinunter auf die atomare Ebene zu den Zwiebelschalen, den Elektronenbahnen. Elektronen können auf einer andere Bahn hüpfen, wenn sie mit der genau passenden Energie dazu angeregt werden. Diese notwendige Energie ist beim Gold kleiner als bei anderen Metallen, weil das Atom so kompakt ist. Die Frage ist, wer bringt die Energie mit? Es ist das Licht. Denn Licht besteht ja aus Photonen. Photonen haben alle möglichen Energien, die blauen haben kürzere Wellenlängen, mehr Energie, die roten Photonen sind die langwelligeren, das ist Wärme. Und die blauen Photonen, das blaue Licht passt also jetzt genau auf diese mit dieser Energie, dieser verringerten Energiedifferenz zusammen. Das heißt, diese Photonen werden von dem Atom verschluckt. Die Elektronen sammeln also quasi die blauen Photonen alle weg. Und das heißt das Licht, was wir da noch sehen ist das gesamte Regenbogenspektrum, minus die ganzen blauen Photonen. Das heißt, es bleibt nur irgendwas gelb, orange, goldiges übrig. Das göttliche Aussehen von Gold ist mit Einsteins Hilfe also als Effekt des großen Atomkerns erklärbar. Eigentlich wird es von der Physik entzaubert. Dass uns das bis heute nicht juckt, kann man bei jedem Juwelier sehen. Gold hat seinen Status bis heute bewahrt. Aber wann hatte es geschichtlich gesehen seine größte Bedeutung? Es beginnt im 19. Jahrhundert, als in Kalifornien, Alaska und Südafrika gewaltige Vorkommen gefunden werden. So kommt mehr Gold in Umlauf. Gleichzeitig treibt die Industrialisierung das Wirtschaftswachstum voran. Mehr Güter werden gehandelt. Zentralbanken werden gegründet, die für noch mehr Geld im System sorgen. Dieses Fascinosum für Gold machen sich natürlich die Banken zu nutze, indem sie Banknoten ausgeben und garantieren, dass man im Tausch gegen die Banknote sofort eine bestimmte festgelegte Menge Gold erhält. Immer mehr Länder koppeln den Wert ihrer Währung an Gold. Das nennt sich Goldstandard. Und dieser Goldstandard hat die erste Welle der Globalisierung, die wir in den 1880er, 1890er Jahren ansetzen können, wesentlich erleichtert. Ist das der Höhepunkt unserer Gold Obsession? Das Metall wird zum internationalen Wertmaßstab, zum Fundament der Weltwirtschaft. Und dafür müssen die Staaten gewaltige Mengen davon vorhalten. Und deshalb hat die Banque de France, wie alle anderen Zentralbanken auch eine extrem geschützte, extrem gesicherte zentrale Goldreserve eingerichtet.
[20:50]Es ist der größte Tresorraum der Welt, einen Hektar groß, 100 m mal 100 m. Dort lagern die Goldreserven Frankreichs, die viertgrößten der Welt. Ab diesem Moment, wo wo die meisten Staaten ihre Währung an das Gold koppelt und dem Goldstandard angehören, fallen natürlich Sorgen wie Wechselkurse, die schwanken, die sich verändern können bei der Berechnung von von Fernehandel weg. Gold wird zum einzig wahren Zahlungsmittel zwischen Staaten. Dafür muss es nicht einmal bewegt werden. Rechnungen können beglichen werden, indem Gold in den Bankenkellern den Besitzer wechselt. Aber wenn das alles so praktisch ist, warum besteht dieses System nicht bis heute? Gold hat zwar den großen Vorteil der Stabilität und Beständigkeit, aber dieser Vorteil kann sich auch gegen es wenden. Es ist etwa so, als würde man einer Person, die noch wächst, eine feste Halskette anlegen. Die Halskette wird die Person irgendwann erwürgen. Dieses Goldcollier wird im ersten Weltkrieg zu eng. Der Goldstandard wird ausgesetzt, damit mit dem Gold aus den Bankenkellern der Krieg finanziert werden kann und später die Kriegsschulden. Der letzte Schlag war der Börsencrash an der Wall Street 1929. Die Bankenpanik übertrug sich auf alle Länder und jedes Land wollte das Gold, dass es den anderen geliehen hatte, zurück haben. Diese Renationalisierung des Goldes führte dazu, dass die Wirtschaft, die auf Vertrauen und der Zirkulation von Gold beruht, alles andere als einfacher wurde, sondern vielmehr zusammenschrumpfte. Die Folgen des Goldvertrauens sind jetzt Chaos, Leid und Arbeitslosigkeit. Nach dem zweiten Weltkrieg ist es nur noch der Dollar, dessen Wert von Gold garantiert wird. 1971 kappt Präsident Nixon auch diese Verbindung. Gold verliert seinen Status als Fundament der Weltwirtschaft. Dennoch glauben wir weiter an den Wert von Gold. So sind wir biologisch und auch kulturell verdrahtet. Wir können seinen Zauber inzwischen ziemlich gut erklären. Von seiner mystischen, himmlischen Herkunft scheint dabei nichts übrig, oder? Naja, aber die Ägypter hatten ja irgendwie recht. Das Gold kommt ja aus dem Himmel. Es kommt aus dem Universum, es wurde in Sternen und anderen Objekten gemacht und ist dann in in die Gaswolken des Universums gesprüht worden. Und so ist es dann irgendwann auch in der Erde gelandet, als ich die Sonne zusammen mit ihren Planeten gebildet hat. Moment, die Alchemisten von einst und sogar die Wissenschaftler von heute scheitern an der Goldherstellung, weil dafür kosmische Kräfte notwendig sind. Alle Elemente kommen ursprünglich aus dem Universum. Wasserstoff und Helium kommt direkt aus dem Urknall, das ist also super alt, 13,8 Milliarden Jahre alt und alle anderen Elemente des Periodensystems, die sind Stück für Stück über 13, irgendwas Milliarden von Jahren in Sternen und anderen Objekten zusammengeköchelt worden. Und das geht eigentlich in Sternen erstmal auf eine relativ einfache Art, nämlich Fusion, wir machen aus kleineren Teilchen größere Teilchen. Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff, all diese Elemente haben ihren Ursprung im Höllenfeuer von Sternen. Weil darin kleine Atome zu größeren verbacken werden, bis hin zu Eisen. Und dann ist Schluss. Wenn man zwei Eisenatome zusammen hauen würde, dann kriegt man das würde Energie kosten. Da würde der Stern keine Energie mehr rausgewinnen, deswegen macht er das nicht. Das heißt, in dem Punkt explodiert der Stern als Supernova und das ist tschüss. Das Ergebnis davon kann ein schwarzes Loch sein oder ein sogenannter Neutronenstern. Denn die leuchten gar nicht, das sind kleine kompakte Bälle 10 km im Durchmesser, also wirklich auch für irdische Verhältnisse super klein. Ähm und das sind einfach nur Neutronen, ganz ganz ganz extrem gepackt unter besonders physikalischen Verhältnissen. Damit Gold entstehen kann, die Erkenntnis ist ziemlich neu, braucht es aber nicht einen solcher kosmischen Extremisten in einem Sternensystem, sondern zwei. Da ist ganz schön außergewöhnliche Physik am Werk. Diese Objekte sind sind wirklich ziemlich cool und wenn man zwei davon hat, die sich umkreisen, was man ab und zu hat, ist ein sehr seltenes Phänomen. Dann tun die das für einige Milliarden von Jahren, aber irgendwann werden sie sich treffen. Und dann wird's gigantisch. Dann gibt es ein riesiges Neutronenfeuerwerk. Unter diesem extremen Teilchenbeschuss entstehen in Sekundenbruchteilen enorm schwere Atomkerne. Die zerfallen und stabilisieren sich und übrig bleiben Elemente wie das Gold. Die alten Ägypter hatten also recht, Gold ist ein himmlisches Material, das nur unter extremen Ausnahmebedingungen entstehen kann. Der Ring an unserem Finger, die Kette sind Produkte einer kosmischen Katastrophe und nicht nur das. Weil Gold praktisch unvergänglich ist und immer wieder eingeschmolzen wird, könnten Ring oder Kette einst schon Teil eines Kultobjekts oder einer römischen Münze gewesen sein. Das ist ja dann doch ziemlich staunenswert. Seine ganze Geschichte lässt das Gold weiter glänzen. Es behält den mythischen Aspekt bei und bleibt trotzdem der ultimative Wertspeicher im Falle geopolitischer Unsicherheiten oder einer hohen Inflation. Ein Hauch Ewigkeit steckt in diesem seltsamen glänzenden Metall, denn Gold spiegelt seit Jahrtausenden unsere Sehnsucht nach Sicherheit, nach dem Zeitlosen, dem beständigen.



