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Wie man auf Deutsch Feedback gibt und annimmt | German conversation exercise (A1-A2)

Daily German Talks

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[0:00]Hallo und herzlich willkommen. Schön, dass du wieder dabei bist. Heute haben wir ein Thema, das wirklich jeder Mensch kennt. In der Arbeit, in der Schule, zu Hause, in Freundschaften, überall. Hallo zusammen. Schön wieder hier zu sein. Ja, ich glaube, das heutige Thema ist eines, das viele Menschen beschäftigt. Und viele wissen nicht genau, wie sie damit umgehen sollen. Weder beim Geben noch beim Annehmen. Genau. Wir sprechen heute über Feedback. Was ist Feedback? Feedback ist eine Rückmeldung. Man sagt jemandem, was man über seine Arbeit, sein Verhalten oder seine Ideen denkt. Man sagt, was gut war und was vielleicht besser sein könnte. Und das klingt einfach, aber in der Praxis ist es oft sehr schwer. Feedback geben ist schwer und Feedback annehmen ist manchmal noch schwerer. Ja, weil Feedback sehr persönlich ist. Wenn jemand über deine Arbeit spricht, dann fühlt es sich manchmal an, als spreche er über dich als Person. Als würde er sagen, du bist nicht gut genug. Aber das ist meistens nicht so gemeint. Nein, das stimmt. Gutes Feedback spricht über die Arbeit, nicht über den Menschen. Aber das Gefühl, das Gefühl ist trotzdem da. Man fühlt sich bewertet, man fühlt sich unter einem Mikroskop. Das Wort Mikroskop. Das ist das Gerät, mit dem man sehr kleine Dinge ganz groß sieht. Wenn man sich unter einem Mikroskop fühlt, bedeutet das, man hat das Gefühl, dass jeder jeden kleinen Fehler sieht. Dass man sehr genau beobachtet wird. Ja, das ist ein gutes Bild. Und dieses Gefühl macht Feedback so schwierig. Man will nicht gesehen werden mit seinen Fehlern. Man will gut aussehen. Man will, dass andere denken, der macht das gut. Das ist sehr menschlich. Wir alle wollen Anerkennung. Wir alle wollen, dass unsere Arbeit geschätzt wird. Und deshalb ist es so schwer, wenn jemand sagt, das war nicht so gut. Aber ohne Feedback, ohne Rückmeldung kann man sich nicht verbessern. Man macht immer wieder dasselbe. Man sieht seine eigenen Fehler nicht, weil man zu nah dran ist. Man braucht manchmal die Augen von jemand anderem. Das ist ein sehr wichtiger Gedanke. Man braucht die Augen von jemand anderem, weil wir unsere eigenen blinden Flecken haben, Bereiche, die wir selbst nicht sehen können. Blinde Flecken, das ist ein schöner Ausdruck. Ein blinder Fleck ist ein Bereich, den man nicht sehen kann, weil er zu nah ist oder weil man in eine andere Richtung schaut. Im übertragenen Sinne bedeutet es, es gibt Dinge an uns, die wir selbst nicht bemerken, aber andere sehen sie. Ja. Und Feedback ist eine Möglichkeit, diese blinden Flecken zu entdecken. Wenn jemand sagt, ich habe bemerkt, dass du in Gesprächen manchmal sehr schnell sprichst und dann verstehe ich dich schwer, dann ist das eine Information, die man selbst nie hätte bemerken können. Genau und das ist ein Geschenk, auch wenn es sich im ersten Moment nicht so anfühlt. Ich fange mal mit einer eigenen Geschichte an. Ich hatte früher einen Kollegen, der mir Feedback gegeben hat. Wir haben zusammen an einem Projekt gearbeitet und nach einer Präsentation hat er mich zur Seite genommen und gesagt, ich möchte dir etwas sagen, dein Inhalt war sehr gut, aber ich glaube, du hast sehr schnell gesprochen. Ich hatte manchmal Mühe, dir zu folgen. Und wie hast du dich dabei gefühlt? Am Anfang ehrlich gesagt ein bisschen verletzt. Ich habe so viel vorbereitet, ich habe so viel Zeit in die Präsentation gesteckt. Und dann kommt jemand und sagt, das war nicht perfekt. Das tut weh. Ja, das verstehe ich gut. Man arbeitet hart an etwas, man gibt sein Bestes und dann kommt Kritik. Das erste Gefühl ist oft Verteidigung. Man denkt sofort, ja, aber ich hatte keine Zeit, das war schwierig. Genau. Man will sich erklären. Man will zeigen, dass man Gründe hatte, man will nicht zugeben, dass etwas nicht so gut war. Das ist ein natürlicher Reflex. Ein Reflex, das ist eine automatische Reaktion. Man denkt nicht darüber nach, es passiert einfach, wie wenn man die Hand wegzieht, wenn etwas heiß ist. Man denkt nicht, man handelt sofort. Ja. Und beim Feedback ist dieser Reflex Verteidigung oder manchmal auch Gegenangriff. Man sagt, ja, aber du machst das auch nicht immer richtig. Man lenkt ab, man greift zurück. Das ist natürlich nicht gut, weil dann wird aus einem Feedback ein Konflikt. Der andere wollte helfen und jetzt streiten wir. Was hat dir dann geholfen, das Feedback anzunehmen? Ich habe eine kurze Pause gemacht. Ich habe tief Luft geholt, also tief geatmet und ich habe mir gesagt, hör erst zu, reagiere nicht sofort. Hör zu und denk dann nach. Das klingt einfach, aber ist in dem Moment sehr schwer. Ja, sehr schwer, weil alles in einem schreit. Sag etwas, verteidige dich, aber ich habe gewartet. Ich habe zugehört und dann nach einer kurzen Pause habe ich gesagt, danke, dass du das sagst, das ist ein guter Hinweis. Ich werde daran arbeiten. Und das war alles? Ja, das war alles. Ich musste nicht lang erklären oder mich entschuldigen. Ich habe einfach zugehört und mich bedankt. Und dann später allein habe ich wirklich darüber nachgedacht. Und ich habe gemerkt, er hat recht, ich spreche wirklich manchmal zu schnell, wenn ich nervös bin. Das ist eine sehr reife Reaktion. Zuhören, danken, nachdenken. Nicht sofort reagieren, nicht sofort urteilen, weder über das Feedback noch über die Person, die es gibt. Und das ist das Wichtigste beim Feedback annehmen, glaube ich. Man muss nicht sofort wissen, ob das Feedback richtig oder falsch ist. Man muss es erst einmal annehmen, reinlassen, drüber nachdenken und dann entscheiden. Ja, manchmal ist das Feedback sehr hilfreich und man ist danach froh, dass man es gehört hat. Und manchmal ist das Feedback nicht so passend und man entscheidet, das trifft auf mich nicht zu. Ich nehme es zur Kenntnis, aber ich ändere mein Verhalten nicht. Genau, nicht jedes Feedback muss man annehmen, aber man sollte es immer erst ernsthaft hören, nicht sofort wegschicken. Ich möchte jetzt über die andere Seite sprechen, über das Feedback geben. Das ist auch eine Kunst. Ich glaube, viele Menschen machen da Fehler, nicht, weil sie böse sind, sondern weil sie es nicht besser wissen. Ja, es gibt verschiedene Arten Feedback zu geben. Manche sind hilfreich, manche sind verletzend. Und manchmal ist der Inhalt gleich, aber die Art, wie man es sagt, macht den großen Unterschied. Das stimmt. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Ich habe früher Feedback gegeben, das eigentlich gut gemeint war, aber es ist sehr schlecht angekommen. Die andere Person war verletzt und ich habe nicht verstanden, warum. Was hast du damals gemacht? Ich war zu direkt, zu schnell. Ich habe einfach gesagt, was ich dachte, ohne zu überlegen, wie es klingt. Zum Beispiel habe ich mal zu einem Kollegen gesagt, das war nicht gut, das musst du besser machen. Das war alles, kein Lob, keine Erklärung, kein Mitgefühl. Nur, das war nicht gut. Und wie hat er reagiert? Er war sehr ruhig danach, zu ruhig. Ich habe gemerkt, dass etwas nicht stimmte. Und später hat mir eine gemeinsame Freundin gesagt, er war sehr verletzt. Er hat das Gespräch noch lange mit sich getragen. Das tut mir leid. Aber aber ich glaube, das kennen viele Menschen. Man sagt etwas ohne böse Absicht und trotzdem verletzt man jemanden. Ja, und das hat mich sehr beschäftigt. Ich habe nachgedacht, was habe ich falsch gemacht? Der Inhalt war richtig, die Arbeit war wirklich nicht gut, aber die Art und Weise, die war falsch. Was fehlt, wenn man nur sagt, das war nicht gut? Sehr viel fehlt. Erstens fehlt das Lob. Man sagt nicht, was gut war, aber fast immer gibt es etwas, das gut war. Und wenn man nur das Negative nennt, dann fühlt sich die andere Person wie ein Versager. Als ob nichts an ihr gut ist. Ja, und ja, das Wort Versager ist sehr hart. Es bedeutet, jemand, der immer scheitert, der nichts richtig macht. Und kein Mensch ist ein Versager. Aber wenn man nur Kritik hört und nie Lob, dann kann man sich so fühlen. Genau. Und deshalb ist es so wichtig, Feedback mit Lob zu beginnen. Man sagt zuerst, was gut war, und dann sanft und klar, was besser sein könnte. Das nennt man auf Deutsch auch die Sandwich Methode, weil man das Feedback wie ein Sandwich baut. Oben ist Lob, in der Mitte ist die Kritik und unten ist wieder etwas Positives. Das Positive umhüllt die Kritik, wie Brot das Füllung umhüllt. Das Bild mag ich sehr. Ein Feedback Sandwich, oben Lob, Mitte Kritik, unten wieder Positives. So fühlt sich die andere Person nicht angegriffen. Sie hört, du machst Dinge gut, hier ist ein Bereich zum Verbessern und ich glaube an dich. Ja, das letzte positive Element ist besonders wichtig. Es sagt, ich kritisiere dich, weil ich glaube, dass du es besser machen kannst, nicht, weil ich denke, dass du schlecht bist. Genau. Gutes Feedback kommt immer aus einem Ort des Respekts und des Wohlwollens. Man will der anderen Person helfen, nicht sie kleiner machen. Das Wort Wohlwollen ist schön. Es bedeutet, man will das Gute für jemanden, man wünscht ihm etwas Gutes. Feedback aus Wohlwollen ist sehr anders als Feedback aus Frustration oder Ärger. Ja, Feedback, das aus Ärger kommt, klingt meistens wie ein Angriff. Man sagt dann Dinge, die man vielleicht nicht so meint, aber in dem Moment kommen sie heraus. Und die andere Person hört nicht das Feedback, sie hört nur den Ärger. Deshalb ist es so wichtig, Feedback nicht in einem aufgewühlten Moment zu geben. Wenn man wütend oder frustriert ist, dann ist es besser zu warten, bis man ruhiger ist, bis man klar denken kann. Ja, erst kurz durchatmen, einen Moment warten und dann sprechen, in einem ruhigen, klaren, freundlichen Ton. Lass uns jetzt über konkrete Sätze sprechen. Also, wie gibt man auf Deutsch Feedback, was für Sätze kann man benutzen? Gerne, also ein sehr guter Einstieg ist, ich möchte dir kurz eine Rückmeldung geben. Das ist ein freundlicher, klarer Einstieg. Man sagt, ich möchte sprechen. Man gibt der anderen Person eine Sekunde sich vorzubereiten. Dann für das Lob kann man sagen, ich fand das wirklich gut, wie du, zum Beispiel, ich fand das wirklich gut, wie du das Problem erklärt hast. Oder das hast du sehr klar gemacht. Und dann für die Kritik gibt es sehr sanfte Formulierungen. Zum Beispiel, ich glaube, man könnte das noch verbessern, indem man, das ist keine direkte Kritik, es ist ein Vorschlag. Man sagt, hier ist eine Möglichkeit, es besser zu machen. Oder was ich mir noch gewünscht hätte, wäre. Das ist auch sehr sanft. Man sagt nicht, das war falsch. Man sagt, ich hätte mir das gewünscht, das ist ein persönlicher Wunsch, kein Urteil. Dann gibt es, hast du darüber nachgedacht, es so zu versuchen? Das ist ein Vorschlag in Frageform. Man drängt nicht, man fragt. Das gibt der anderen Person Raum, selbst zu entscheiden. Und ganz wichtig, am Ende des Feedbacks kann man sagen, ich sage das, weil ich glaube, dass du das sehr gut machen kannst. Oder ich bin sicher, dass das beim nächsten Mal noch besser wird. Das gibt Mut und Zuversicht. Ja, man beendet das Feedback nicht mit der Kritik. Man beendet es mit Vertrauen, mit dem Glauben an die andere Person. Genau und das macht einen großen Unterschied. Die andere Person verlässt das Gespräch nicht mit einem schlechten Gefühl. Sie verlässt es mit Energie, mit dem Gedanken, ich kann das besser machen, ich werde das besser machen. Lass uns auch über die Sprache beim Annehmen von Feedback sprechen. Was sagt man, wenn jemand einem Feedback gibt? Ja, gute Idee. Der einfachste und beste Satz ist, danke für dein Feedback. Das klingt vielleicht zu einfach, aber es ist wirklich wichtig. Man bedankt sich. Man zeigt, ich nehme das ernst. Ich schätze, dass du dir die Zeit genommen hast. Dann kann man sagen, das ist ein interessanter Punkt. Ich werde darüber nachdenken. Das ist sehr gut, wenn man das Feedback im Moment noch nicht ganz versteht oder nicht sicher ist, ob man es annehmen möchte. Man sagt nicht ja, man sagt auch nicht nein. Man sagt, ich denke darüber nach. Oder, ich verstehe, was du meinst, und das zeigt, ich habe zugehört, ich habe verstanden. Auch wenn man vielleicht anderer Meinung ist, man hat zugehört. Und wenn man das Feedback wirklich gut findet und es annehmen möchte, kann man sagen, du hast recht, das werde ich ändern. Oder, das ist ein guter Hinweis, danke. Ja, man muss nicht lange Reden halten. Man muss nicht alles erklären. Manchmal ist kurz und ehrlich das Beste. Und wenn man mit dem Feedback nicht einverstanden ist, was sagt man dann? Das ist eine gute Frage. Ich glaube, man kann ruhig sagen, ich sehe das ein bisschen anders. Oder, ich verstehe deinen Punkt, aber ich habe das so gemacht, weil. Dann erklärt man seinen Grund, nicht als Verteidigung, sondern als Information. Ja, es gibt einen Unterschied zwischen erklären und verteidigen. Erklären bedeutet, ich gebe dir mehr Informationen. Ich zeige dir, warum ich so gedacht habe. Verteidigen bedeutet, du hast Unrecht, ich habe recht. Das ist ein Kampf. Genau. Erklären ist ein Gespräch. Verteidigen ist ein Kampf. Und beim Feedback möchte man ein Gespräch, kein Kampf. Und manchmal nach dem Gespräch, nach dem Nachdenken merkt man, das Feedback war richtig. Dann kann man noch einmal zu der Person gehen und sagen, ich habe noch mal über dein Feedback nachgedacht. Ich glaube, du hast recht. Das ist ein sehr schöner Schritt, auf jemanden zugehen und sagen, ich habe nachgedacht und du hattest recht. Das zeigt Reife, das zeigt, dass man offen ist für Wachstum. Ja, und es stärkt die Beziehung. Der andere denkt, diese Person hört wirklich zu. Diese Person ist ehrlich mit sich selbst. Das gibt Vertrauen. Ich möchte jetzt über ein schwieriges Thema sprechen, und zwar, was macht man, wenn das Feedback herzlich ist? Wenn jemand Feedback gibt, aber nicht freundlich, nicht respektvoll, wenn es sich wie ein Angriff anfühlt. Oh, das ist ein sehr wichtiges Thema, weil nicht jeder Feedback gut gibt. Manche Menschen sind sehr hart, sehr direkt. Manche sind sogar grausam, sie benutzen das Feedback, um zu verletzen, nicht um zu helfen. Ja, und und dann ist die Frage, wie reagiert man? Was macht man, wenn das Feedback sich wie ein Angriff anfühlt? Ich glaube, zuerst muss man unterscheiden. Ist das Feedback hart in der Form, aber gut im Inhalt, oder ist es hart in der Form und im Inhalt nicht hilfreich? Das ist ein wichtiger Unterschied. Manchmal sagt jemand etwas sehr direkt, vielleicht zu direkt. Aber der Inhalt ist trotzdem richtig. Dann kann man die Form ignorieren und den Inhalt nehmen. Ja. Man denkt, die Art, wie er das gesagt hat, war nicht schön, aber was er gesagt hat, stimmt. Das nehme ich mit, die Form lasse ich. Aber wenn das Feedback wirklich verletzend ist, wenn es persönlich wird, wenn es respektlos ist, dann hat man das Recht zu sagen, ich möchte das Gespräch so nicht führen. Oder bitte sprich so nicht mit mir. Ja, man muss nicht alles annehmen. Man hat das Recht, um Respekt zu bitten. Man kann sagen, ich höre gerne deine Meinung, aber ich bitte dich, das freundlicher zu formulieren. Und wenn die Person das nicht kann oder will, dann kann man das Gespräch auch beenden. Man sagt, ich glaube, wir sprechen besser zu einem anderen Zeitpunkt darüber und man geht. Das ist nicht Schwäche, das ist Selbstrespekt. Man schützt sich selbst. Man sagt, dieses Gespräch tut mir nicht gut. Ich mache es jetzt nicht weiter. Ja, Feedback annehmen bedeutet nicht, alles zu schlucken. Es bedeutet, offen zu sein für hilfreiche Rückmeldungen, aber es bedeutet nicht, respektlose Behandlung zu akzeptieren. Genau, die Offenheit und Selbstrespekt, beides zusammen, das ist die Balance. Ich möchte noch etwas ansprechen, dass ich sehr interessant finde, und zwar Feedback in verschiedenen Kulturen. Weil Feedback in Deutschland vielleicht anders ist als in anderen Ländern. Oh ja, das ist sehr interessant. In Deutschland ist man oft sehr direkt. Man sagt, was man denkt, ohne viel um den heißen Brei herumzureden. Das ist eine Redewendung auf Deutsch. Um den heißen Brei herumreden bedeutet, man spricht viel, aber man sagt nicht das Wichtigste. Man weicht aus. In Deutschland weicht man meistens nicht aus. Man sagt direkt, das war gut oder das war nicht gut. Das kann für Menschen aus anderen Kulturen sehr überraschend sein. Weil in manchen Kulturen ist Direktheit unhöflich. Man verpackt alles sehr sanft. Ja, zum Beispiel in manchen asiatischen Kulturen gibt es sehr viel Wert auf Harmonie. Man sagt nie direkt, das war falsch. Man findet einen Weg, es viel sanfter zu sagen. Oder man sagt es gar nicht, um die Beziehung nicht zu beschädigen. Und das kann dann zu Missverständnissen führen, wenn Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenarbeiten. Der eine denkt, ich habe klar kommuniziert, der andere denkt, ich habe nichts Negatives gehört, also war alles gut. Genau. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie gibt man in dieser Kultur Feedback? Was ist hier normal, was ist hier höflich? Und wenn man unsicher ist, kann man immer fragen. Man kann sagen, wie gibst du mir am liebsten Feedback? Oder, wie möchtest du, dass ich dir Feedback gebe? Das ist eine sehr offene und respektvolle Frage. Das finde ich sehr klug. Man fragt, bevor man handelt. Man nimmt nicht an, dass man es schon weiß. Man fragt. Ja. Und das gilt auch umgekehrt, wenn man Feedback bekommt. Man kann sagen, ich komme aus einer anderen Kultur. Direktes Feedback ist für mich manchmal schwer. Kannst du mir ein bisschen mehr Kontext geben? Das ist sehr mutig, weil man damit zugeben muss, dass man Hilfe braucht, dass etwas für einen schwierig ist. Aber das ist keine Schwäche, das ist Ehrlichkeit. Genau. Und ehrliche Kommunikation ist immer besser als stilles Missverständnis. Ich möchte noch ein Thema ansprechen, selbst Feedback. Also Feedback, dass man sich selbst gibt. Oh, das ist interessant. Was meinst du damit genau? Ich meine, manchmal gibt man sich selbst Feedback, aber sehr hartes Feedback. Man denkt, das war schlecht, das war falsch. Du bist nicht gut genug. Das ist eine sehr harte innere Stimme. Ja, viele Menschen sind zu sich selbst viel strenger als zu anderen. Wenn ein Freund einen Fehler macht, dann sagt man, macht nichts, das passiert. Aber wenn man selbst einen Fehler macht, dann denkt man, ich bin so dumm, warum habe ich das gemacht? Genau, diese innere Stimme kann sehr verletzend sein. Sie gibt sich selbst Feedback auf die schlimmste Art, ohne Lob, ohne Mitgefühl, ohne Verständnis. Und ich glaube, man kann lernen, auch mit sich selbst besser umzugehen. Man kann lernen, sich selbst Feedback zu geben, wie man es einem guten Freund geben würde. Das finde ich sehr schön, sich selbst wie einen guten Freund behandeln. Man würde einem guten Freund nach einem Fehler nicht sagen, du bist so dumm. Man würde sagen, das war ein Fehler, es passiert. Was kannst du das nächste Mal anders machen? Genau, Verständnis, Freundlichkeit und dann ein konkreter Schritt nach vorne. Das ist gutes Feedback, auch an sich selbst. Auf Deutsch sagen wir auch Selbstreflexion. Das bedeutet, man denkt über sich selbst nach. Man schaut ehrlich auf das eigene Verhalten, die eigenen Fehler, die eigenen Erfolge. Ja. Selbstreflexion ist eine sehr wichtige Fähigkeit. Man fragt sich, was habe ich gut gemacht, was könnte ich besser machen? Was habe ich in dieser Situation gelernt? Und man muss dabei ehrlich sein, aber auch fair. Man darf sich Fehler eingestehen, aber man darf auch seine Erfolge sehen. Beides, das ist die Balance. Ehrlich und fair mit sich selbst. Nicht zu hart, nicht zu weich, realistisch. Ich möchte noch kurz über Feedback in Schulen und bei der Arbeit sprechen, weil das oft der Ort ist, wo Menschen am meisten Feedback bekommen. Ja, in der Schule gibt es Noten, das ist eine Form von Feedback, aber Noten allein sagen nicht viel. Eine vier sagt, das war nicht so gut, aber sie sagt nicht, was war nicht gut, wie kann ich es besser machen? Genau, gutes Feedback in der Schule wäre, du hast die Aufgabe verstanden, aber du hast zu wenig erklärt, warum deine Antwort richtig ist. Beim nächsten Mal erkläre deinen Denkweg, das ist viel hilfreicher als eine Note. Weil man jetzt weiß, was man tun kann. Man hat eine konkrete Richtung. Und bei der Arbeit, da gibt es oft Gespräche, sogenannte Feedback Gespräche. Der Chef spricht mit dem Mitarbeiter über seine Arbeit. Das passiert oft einmal im Jahr oder zweimal im Jahr. Und viele Menschen haben Angst vor diesen Gesprächen. Man denkt, was wird er sagen, was, wenn er viel Kritik hat? Was, wenn er denkt, ich bin nicht gut genug? Ja, diese Angst ist verständlich. Aber ich glaube, man kann sich auf solche Gespräche vorbereiten. Man kann sich selbst schon vorher fragen, was habe ich in den letzten Monaten gut gemacht? Was hätte ich besser machen können? Was möchte ich in Zukunft lernen? Wenn man sich diese Fragen schon vorher stellt, dann kommt man nicht als leeres Blatt in das Gespräch. Man hat schon eigene Gedanken. Man kann aktiv mitmachen und man kann auch Fragen stellen. Man muss nicht nur zuhören. Man kann sagen, was kann ich tun, um mich in diesem Bereich zu verbessern? Oder, wo siehst du mein größtes Potenzial? Ja, aktiv sein im Feedback Gespräch, nicht passiv. Nicht nur warten, was kommt, sondern selbst Fragen stellen, selbst Gedanken einbringen. Das zeigt auch Initiative. Man zeigt, ich interessiere mich für meine eigene Entwicklung. Ich möchte wachsen, das macht einen guten Eindruck. Und es macht das Gespräch angenehmer für beide Seiten. Weil es dann kein Urteil ist, sondern ein Dialog, ein echtes Gespräch. Genau. Feedback sollte immer ein Dialog sein, nicht ein Monolog, wo einer spricht und der andere nur zuhört, sondern beide sprechen, beide hören zu, beide denken nach. Das ist der Kern von gutem Feedback, glaube ich. Beide Seiten sind aktiv, beide Seiten sind offen, beide Seiten respektieren einander. Ja, Respekt ist das Fundament. Das Wort Fundament bedeutet die Basis, das Fundament eines Hauses. Ohne Fundament fällt das Haus, ohne Respekt fällt das Feedback Gespräch. Das ist ein schönes Bild. Respekt als Fundament. Ohne Respekt kann kein ehrliches und hilfreiches Feedback existieren. Ich möchte noch eine letzte Sache ansprechen, bevor wir zusammenfassen, und zwar, was macht man, wenn man Feedback geben möchte, aber keine Einladung dazu hat. Ah, das ist eine sehr gute Frage. Zum Beispiel, man sieht, dass ein Freund etwas macht, das nicht gut für ihn ist. Oder ein Kollege macht etwas falsch, aber er hat nicht nach Feedback gefragt. Ja, soll man dann trotzdem etwas sagen oder schweigen? Ich glaube, das hängt von der Situation ab. Wenn es etwas Wichtiges ist, etwas, dass der Person wirklich schadet, dann ist es manchmal richtig etwas zu sagen. Auch ohne Einladung, weil man der Person etwas Gutes will. Aber wie macht man das, ohne aufzudringen? Man kann fragen, man kann sagen, darf ich dir kurz etwas sagen? Es ist nicht als Kritik gemeint. Ich sage es, weil ich mir Gedanken mache, und dann gibt man der anderen Person die Wahl. Sie kann sagen, ja, ich höre zu oder jetzt gerade nicht. Das ist sehr respektvoll. Man fragt, bevor man spricht. Man gibt der Person Kontrolle. Und ja, und dann, wenn die Person ja sagt, dann spricht man. Kurz, klar, freundlich. Man sagt, was man beobachtet hat, nicht, was man denkt oder fühlt über die Person, sondern, was man gesehen hat. Ich habe bemerkt, dass du, das ist ein sehr guter Einstieg für ungebetenes Feedback. Man spricht über eine konkrete Beobachtung, nicht über eine Meinung oder ein Urteil, über eine Beobachtung. Genau. Ich habe bemerkt, dass du in letzter Zeit oft sehr müde wirkst. Geht es dir gut? Und das ist eine Beobachtung und dann eine Frage. Man verurteilt nicht, man fragt nach, und dann hört man zu, was sagt die Person?

[25:00]Vielleicht hat sie einen Grund, vielleicht weiß sie es selbst nicht. Vielleicht ist sie froh, dass jemand es bemerkt hat. Ja, manchmal ist das Wichtigste nicht das Feedback selbst, sondern die Tatsache, dass man gesehen wird. Dass jemand aufgepasst hat, dass jemand sich Sorgen macht. Das ist sehr wahr. Manchmal ist Feedback eine Form von Fürsorge. Man sagt, ich sehe dich, ich achte auf dich, ich mache mir Gedanken. Und das ist ein sehr schöner Gedanke, um unser heutiges Gespräch abzurunden. Feedback als Fürsorge, nicht als Angriff, nicht als Urteil, sondern als Ausdruck von Interesse und Fürsorge. Ja, wenn man das im Kopf hat, wenn man Feedback gibt oder bekommt, dann ändert sich die ganze Atmosphäre. Man denkt nicht mehr, oh Gott, jetzt wird er mich kritisieren. Man denkt, diese Person interessiert sich für mich, sie möchte mir helfen. Lass uns jetzt kurz zusammenfassen, was wir heute gelernt haben. Gerne, also Feedback ist eine Rückmeldung. Man sagt jemandem, was gut war und was besser sein könnte. Gutes Feedback ist immer respektvoll, klar und freundlich. Beim Feedback geben zuerst loben, dann die Kritik sanft und konkret, dann wieder etwas Positives. Ich Botschaften benutzen, über Beobachtungen sprechen, nicht über Urteile. Beim Feedback annehmen zuerst zuhören, nicht sofort reagieren, sich bedanken, drüber nachdenken und dann entscheiden, was man damit macht. Wenn das Feedback verletzend ist, ruhig um Respekt bitten oder das Gespräch verschieben. Man muss respektlose Behandlung nicht akzeptieren. Und mit sich selbst genauso umgehen, wie mit einem guten Freund, sich selbst fairer und freundlicher Feedback geben. Auf Deutsch kann man beim Feedback geben sagen, ich möchte dir eine Rückmeldung geben. Oder ich fand das wirklich gut, wie du, oder was ich mir noch gewünscht hätte, wäre, oder ich glaube, du kannst das noch verbessern, indem du. Und beim Annehmen, danke für dein Feedback, oder das ist ein guter Hinweis, oder ich werde darüber nachdenken. Oder ich sehe das ein bisschen anders, weil Feedback ist kein Angriff, Feedback ist ein Geschenk, auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt. Und am Ende geht es immer um Wachstum. Man möchte besser werden, man möchte sich entwickeln, und dafür braucht man manchmal die Augen von jemand anderem. Vielen Dank, dass ihr heute dabei wart. Ich hoffe, ihr habt nicht nur neue deutsche Ausdrücke gelernt, sondern auch eine neue Sichtweise auf Feedback bekommen. Ja, danke an alle. Und das nächste Mal, wenn jemand euch Feedback gibt, atmet kurz durch, hört zu und denkt, das ist ein Geschenk, auch wenn es sich im ersten Moment nicht so anfühlt. Bis zum nächsten Mal, tschüss und alles Gute. Tschüss, bleibt offen und bleibt lernbereit.

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