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Der beste Sklave ist ein stolzer Sklave

Fabian Lehr

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[0:00]Es gibt wenig, was bürgerliche Boulevardmedien mehr lieben als Clickbait-Artikel über junge Berufseinsteigerinnen, die darüber klagen, wie hart und freudlos das Leben mit einem Vollzeitjob sei. Solche Texte garantieren hohe Aufrufzahlen und glühende Kommentarspalten mit einer Flut von Auslach- und Wutemoticons und unzähligen hasserfüllten und hämischen Kommentaren darüber, den verzogenen Belgern täte es doch ganz gut, die ganzen Work-Life-Balance-Flausen mal tüchtig ausgetrieben zu bekommen. Das bemerkenswerte und traurige ist, dass diese Kommentare in ihrer überwältigenden Maße nicht von Kapitalisten geschrieben werden, die natürlich ein rationales Eigeninteresse daran hätten, die Arbeitsmoral ihrer Knechte anzustarren, sondern von anderen Lohnarbeiterinnen, gerade solchen, die ihr ganzes Leben in harten und schlecht bezahlten Jobs ackern mussten. Der Tenor dieser Kommentare ist meistens gerade nicht, dass die Klagen der jungen Leute übertrieben und Lohnarbeit in Wirklichkeit gar nicht so schlimm sei, sondern im Gegenteil Betonung der Tatsache, dass man selbst auch sein ganzes Leben lang nur geschuftet und gelitten, man das alles aber stumm und klaglos hingenommen habe und die jungen Leute sollten sich daran mal ein Beispiel nehmen statt zu jammern. Ja, tatsächlich hätte man selbst ein noch viel härteres und Entbehrungsfollerreres Leben als diese verweichlichten Jan Zeller gehabt und trotzdem alles schweigend akzeptiert. Es ist eine Lebensphilosophie, die lautet: Das Leben ist hart und unerbittlich, war es immer und wird es immer sein, und Erwachsensein und respektabel werden bedeutet, sich still in dieses Leid zu fügen, und statt zu jammern und zu klagen, jede menschliche Empfindung in sich abzutöten und eine betäubte Existenz als fremder Leute Nutzhvieh zu führen, bis man endlich stirbt. Jeder Gedanke an eine grundlegend anders und besser eingerichtete Welt ist lächerliche Fantasterei, für die man nur Hohn und Spott verdient hat. Es ist ein Sklavenbewusstsein, dass sein Stolz, seine Identität gerade daraus zieht, wie vollständig man sich selbst verleugnen, wie viele Schläge man still und widerstandslos einstecken kann, was für ein guter Sklave man ist und dass die Mitsklavin verachtet, die beim zehnten Rutenhieb schon klagen. Es ist ein Weltbild gespeist aus völliger Hoffnungslosigkeit. Wenn eine andere und bessere Welt undenkbar ist, das eigene Leben immer hart und freudlos bleiben muss, dann soll es wenigstens auch keinem anderen besser gehen. Ein Weltbild, dass sich mit dem der Anhängerschaft des Rechtspopulismus deckt. Wenn das Leben schon immer Elend sein muss, dann soll der Ausländer, der freche Arbeitslose, der Drogensüchtige, der vermeintlich faule Obdachlose, die sich mutmaßlich um das gemeinsame Leid drücken wollen, wenigstens noch härter rangenommen werden als ich selbst. Wenigstens soll meine Schicksalsgenossin genauso leiden wie ich oder besser noch mehr. Die Basis eines rechten Weltbildes und der Arbeiterinnen und Armen ist die Hoffnungslosigkeit der Fatalismus. Um dieses Weltbild zu brechen, müssen wir Sozialistinnen glaubhaft vermitteln können, dass eine grundlegend andere und bessere Welt, in der es allen besser geht, keine Fantasterei, sondern absolut möglich ist.

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