[0:00]Hallo und herzlich willkommen. Schön, dass du wieder dabei bist. Heute haben wir ein Thema, das wirklich tief geht. Ein Thema, das jeder kennt, aber dass viele nicht so leicht in Worte fassen können. Hallo zusammen, schön wieder hier zu sein. Ja, ich glaube, das heutige Thema ist eines der persönlichsten, die wir bisher hatten, weil es so still ist, so innen. Es passiert nicht draußen, es passiert in einem selbst. Genau. Wir sprechen heute über innere Konflikte. Das Wort Konflikt kennt vielleicht jeder. Ein Konflikt ist ein Streit, ein Problem zwischen zwei Dingen oder zwei Menschen, aber ein innerer Konflikt, das ist ein Streit in einem selbst, zwischen zwei Teilen von einem, zwischen zwei Wünschen, zwei Werten, zwei Stimmen. Ja, und das kennt wirklich jeder Mensch. Man möchte etwas, aber gleichzeitig möchte man das Gegenteil. Man weiß, was richtig ist, aber man tut das falsche. Man fühlt sich hin und hergezogen, wie zwei Seiten, die ziehen in verschiedene Richtungen. Das Bild gefällt mir sehr. hin und her gezogen werden, wie ein Seil, das auf beiden Seiten gezogen wird. Man steht in der Mitte und weiß nicht, wohin man soll. Genau. Und dieses Gefühl kann sehr erschöpfend sein, weil man keine Ruhe findet. Man denkt hin und her, man entscheidet und entscheidet wieder. Man schläft damit ein und wacht damit auf. Ja, ein innerer Konflikt lässt einen nicht Los. Er ist immer da, im Hintergrund, manchmal im Vordergrund. Man beschäftigt sich mit anderen Dingen und dann plötzlich ist er wieder da. Und heute wollen wir darüber sprechen. Was sind innere Konflikte? Woher kommen Sie? Was macht man damit? Und wie kann man auf Deutsch darüber sprechen mit einfachen, klaren Sätzen? Ich fange mal mit einem eigenen Beispiel an. Ich hatte vor einigen Jahren eine sehr schwierige Entscheidung. Ich hatte einen Job, den ich schon Lange hatte. Er war sicher, gut bezahlt und die Kollegen waren nett, aber er hat mich nicht mehr erfüllt. Ich bin morgens aufgewachsen und hatte kein Feuer mehr. Keine Freude, ich habe einfach funktioniert. Das klingt sehr vertraut. Dieses Gefühl von funktionieren, ohne wirklich zu leben. Genau. Und gleichzeitig hatte ich eine Idee, einen Traum eigentlich. Ich wollte etwas eigenes aufbauen, etwas das wirklich meins ist. Aber das war kann. Das war unsicher. Ich wusste nicht, ob es klappen würde. Und da war der innere Konflikt. Genau, auf der einen Seite Sicherheit, Stabilität, das bekannte. Auf der anderen Seite, Freiheit, Leidenschaft, das Unbekannte. Und ich stand dazwischen, jeden Tag, Monatelang. Wie hat sich das angefühlt, diese Zeit des inneren Konflikts? Sehr unruhig. Ich konnte keine Entscheidung treffen und das hat mich belastet, weil man denkt, ich muss mich entscheiden, ich kann nicht ewig warten, aber gleichzeitig hatte ich Angst vor beiden Seiten. Ich hatte Angst, wenn ich bleibe, dann bereue ich es und ich hatte Angst, wenn ich gehe, dann verliere ich alles. Diese doppelte Angst, das ist sehr typisch für innere Konflikte. Man hat nicht die Wahl zwischen etwas schlechtem und etwas gutem. Man hat die Wahl zwischen zwei Dingen, die beide etwas kosten. Ja, und das macht es so schwer. Wenn eine Seite klar schlechter wäre, dann wäre die Entscheidung leichter. Aber wenn beide Seiten etwas Gutes haben und beide etwas schlechtes, dann ist man wirklich gefangen. Das Wort Gefangenen ist hier sehr passend. Gefangenen bedeutet, man kann nicht raus, man ist eingesperrt. In einem inneren Konflikt fühlt man sich manchmal gefangen, nicht von außen, sondern von innen. Ja, von den eigenen Gedanken, den eigenen Wünschen, den eigenen Ängsten, das sind die Wände. Ich hatte auch mal einen sehr starken inneren Konflikt. nicht um einen Job, sondern um eine Beziehung. Ich war in einer Beziehung, die nicht mehr gut für mich war. Ich wusste das. Tief innen wusste ich es, aber ich wollte es nicht wahrhaben. Was meinst du damit nicht wahrhaben wollen? Ich meine, man weiß etwas, aber man will es nicht akzeptieren. Man wehrt sich dagegen, man sucht nach Gründen, warum es doch nicht so ist. Man sagt sich selbst, vielleicht wird es besser, vielleicht habe ich unrecht, vielleicht ist es gar nicht so schlimm. Das kenne ich. Diese innere Stimme, die etwas sagt und die andere innere Stimme, die es sofort widerspricht, wie zwei Personen in einem Kopf. Ja, genauso. Und das ist auch ein gutes Bild für innere Konflikte. Es ist, als ob zwei Personen in einem sind, die sich streiten. Die eine sagt, tu das, die andere sagt, nein, tu das nicht und man selbst steht dazwischen und weiß nicht, welcher man zuhören soll. Auf Deutsch nennt man das manchmal auch einen inneren Zwiespalt. Das Wort Zwiespalt kommt von zwei und Spalt. Also in zwei Teile geteilt sein. Man ist gespalten, nicht einig mit sich selbst. Ja, nicht einig mit sich selbst. Das ist eine sehr gute Beschreibung, weil bei einem inneren Konflikt ist man nicht im Frieden mit sich. Man ist im Streit, aber der Streit findet nur drinnen statt. Und dieser innere Streit ist manchmal lauter als jeder äußere Streit, weil man nicht wegläufen kann. Bei einem äußeren Konflikt kann man das Gespräch beenden, den Raum verlassen, Zeit und Abstand nehmen. Aber bei einem inneren Konflikt, man ist immer dabei. Man trägt ihn überall mit. Das ist sehr wahr. Man kann dem eigenen Kopf nicht entkommen, auch nicht im Schlaf. Oft träumt man dann von dem, was einen beschäftigt. Ja, der innere Konflikt findet seinen Weg in alle Ecken des Lebens, in Gespräche, in Träume, in Momente der Stille. Ich möchte jetzt über verschiedene Arten von inneren Konflikten sprechen, weil es so viele verschiedene gibt. Ja, gerne. Also eine der häufigsten Arten ist der Konflikt zwischen dem, was man will und dem, was man soll. Man möchte etwas für sich selbst, aber die Erwartungen von anderen sagen etwas anderes. Zum Beispiel, man möchte einen kreativen Beruf, Künstler werden, Musiker, Schriftsteller, aber die Familie sagt, das ist nicht sicher, das ist kein richtiger Job. Du solltest Arzt werden, Ingenieur, Anwalt und dann steht man zwischen dem eigenen Wunsch und dem Wunsch der Familie. Und das ist so schwer, weil man beiden gerecht werden möchte. Man möchte sich selbst treu sein und gleichzeitig die Familie nicht enttäuschen, aber manchmal ist das nicht möglich. Nein. Manchmal muss man wählen. Und jede Wahl hat einen Preis. Dann gibt es noch den Konflikt zwischen zwei Werten. z.B. man ist sehr loyal, man hält zu Menschen, die man liebt. Aber gleichzeitig ist man auch ehrlich, man sagt die Wahrheit. Und dann kommt eine Situation, wo man nicht beides gleichzeitig sein kann, wo Loyalität bedeutet, die Wahrheit zu verbergen, wo Ehrlichkeit bedeutet, jemanden zu verletzen, dem man treu sein will. Oh, das ist ein tiefer Konflikt. Zwei gute Werte und man muss wählen, welcher wichtiger ist. Das ist keine leichte Frage. Nein, und es gibt keine universelle Antwort. Es hängt von der Situation ab, von den Menschen, von dem, was auf dem Spiel steht. Dann gibt es den Konflikt zwischen dem Kopf und dem Herz. Das ist vielleicht der klassischste innere Konflikt. Der Kopf sagt, das ist logisch, das ist vernünftig, das macht Sinn. Das Herz sagt, aber ich fühle das, ich will das, ich brauche das. Ja, Kopf gegen Herz, Vernunft gegen Gefühl. Das ist ein sehr alter Konflikt. Menschen haben ihn schon immer gehabt und es gibt keine einfache Antwort. Welchem soll man folgen? Ich glaube, beide haben ihre Berechtigung. Der Kopf schützt uns vor Fehlern. Er denkt logisch, er sieht Konsequenzen, er plant. Das Herz gibt uns Richtung. Es weiß, was uns wichtig ist, was uns bewegt, was uns lebendig macht. Ja. Und das Ideal wäre, wenn Kopf und Herz zusammenarbeiten, wenn man mit dem Herzen weiß, was man will, und mit dem Kopf überlegt, wie man es erreicht. Aber manchmal zeigen sie in sehr verschiedene Richtungen und dann ist man wirklich hin und her gerissen. Das Wort hin und her gerissen, das ist ein sehr schöner Ausdruck auf Deutsch. Gerissen kommt von reißen, also zerreißen, auseinanderziehen. Man wird in zwei Richtungen gerissen, wie ein Tuch, dass man von beiden Seiten zieht. Ja, und das beschreibt das Gefühl sehr gut. Man ist nicht ganz, man ist zerrissen, nicht in Stücke, aber man fühlt die Spannung in sich. Dann gibt es noch einen Konflikt, der mir sehr wichtig erscheint. Den Konflikt zwischen dem, wer man ist und dem, wer man sein möchte oder wer andere denken, dass man sein sollte. Oh, das ist tief. Das geht an die Identität heran. Man hat ein Bild von sich selbst und dann gibt es das Bild, das andere von einem haben. Und manchmal passen diese Bilder nicht zusammen. Ja, man ist jemand, aber man zeigt nach außen jemand anderen und dann lebt man in diesem Spalt zwischen dem echten ich und dem gezeigten ich. Das ist eine sehr anstrengende Art zu leben. Man muss immer aufpassen, man muss immer eine Rolle spielen. Man ist nie ganz man selbst. Und irgendwann fragt man sich, wer bin ich eigentlich? Das echte ich ist es noch da oder habe ich es so lange versteckt, dass ich es selbst nicht mehr finde. Das ist eine sehr ehrliche und mutige Frage. Und ich glaube, viele Menschen stellen sie sich irgendwann in ruhigen Momenten, allein, wenn niemand zu schaut. Ja, meistens in der Stille, wenn die Ablenkungen weg sind. Dann kommt diese Frage, wer bin ich wirklich? Was möchte ich wirklich? Lebe ich wirklich mein Leben oder das Leben das andere für mich wollen? Und das können sehr erschreckende Fragen sein, weil die Antwort vielleicht bedeutet, dass man vieles ändern müsste und Veränderung macht Angst. Ja, manchmal ist es einfacher im inneren Konflikt zu bleiben, als die Frage wirklich zu Anworten. Man hält den Konflikt am Leben, weil eine Lösung etwas kosten würde, also bleibt man lieber in der Unentschiedenheit. Das ist eine sehr interessante Beobachtung. Man hält den Konflikt am Leben, weil eine Lösung etwas kosten würde, also bleibt man lieber in der Unentschiedenheit. Ja, Unentschiedenheit ist auch eine Art Entscheidung. Man entscheidet nicht zu entscheiden und das hat auch Konsequenzen. Ja, Zeit geht vorbei. Momente gehen vorbei und irgendwann merkt man, ich habe so lange gewartet, dass das Leben ohne mich weitergemacht hat. Das ist ein harter Gedanke, aber ein wichtiger. Ich möchte jetzt über etwas sprechen, dass ich sehr hilfreich finde. Nämlich, wie geht man mit einem inneren Konflikt um? Was kann man tun, wenn man sich hin und her gerissen fühlt? Ja, das ist eine sehr praktische Frage, weil wir viel über das Gefühl gesprochen haben, aber was macht man damit? Also, ich glaube Der erste Schritt ist, den Konflikt anzuwenden, nicht wegschieben, nicht ignorieren, nicht sagen, das ist kein Problem, das geht schon weiter, sondern sagen, ich bin hin und her gerissen. Ich habe einen inneren Konflikt. Das ist real, das ist wichtig. Ja, Erkennung ist der erste Schritt bei fast allem. Wenn man etwas nicht sieht, kann man es auch nicht lösen. Wenn man sagt, da ist ein Konflikt, dann erst kann man anfangen damit zu umgehen. Und dann ich Ich finde das sehr hilfreich, kann man versuchen die zwei Seiten wirklich klar zu benennen. Man fragt sich, was sagt die eine Seite? Was will sie? Was hat sie Angst zu verlieren? Und dann fragt man dasselbe für die andere Seite. Das ist fast wie ein Gespräch zwischen den zwei Teilen von einem. Man gibt beiden eine Stimme. Genau, und das klingt vielleicht etwas seltsam, aber es ist wirklich hilfreich, weil oft, wenn man den Konflikt nur als unklares Gefühl trägt, als Nebel, dann ist der schwerer zu verstehen, aber wenn man ihn aufschreibt oder laut ausspricht, dann wird er konkreter, greifbarer und dann kann man besser damit arbeiten. Das Bild mit dem Nebel gefällt mir sehr. Ein innerer Konflikt ist oft wie Nebel. Man weiß, dass etwas da ist, aber man sieht es nicht klar. Und wenn man anfängt, es in Worte zu fassen, dann lichte sich der Nebel ein bisschen. Ja, Worte geben den Dingen Form. Wenn man etwas benennen kann, dann hat man ein bisschen Kontrolle darüber. Nicht vollständige Kontrolle, aber ein Anfang. Und manchmal hilft es auch mit jemandem zu sprechen, mit einer Person, der man vertraut, nicht unbedingt, damit die Person die Antwort gibt, sondern damit man laut denken kann. Ja, manchmal weiß man schon die Antwort, aber man hört sie erst, wenn man sie ausspricht. Das ist ein sehr seltsames, aber wahres Phänomen. Man redet und während man redet, hört man sich selbst zu. Und dann denkt man, ah, das ist es. Das weiß ich schon lange. Das kenne ich sehr gut. Ich habe manchmal lange Gespräche geführt und am Ende hat die andere Person kaum etwas gesagt, aber ich hatte die Antwort gefunden. Einfach durch das Sprechen. Ja, manchmal braucht man einen Menschen als Spiegel, jemanden, der einfach zuhört und durch das Zuhören des anderen hört man sich selbst besser. Das ist eine sehr schöne Vorstellung. Jemand als Spiegel, nicht um die Antwort zu geben, sondern um zu helfen, sich selbst zu sehen. Genau. Und dann gibt es noch etwas, das mir sehr wichtig erscheint, nämlich Gnade mit sich selbst. Innere Konflikte lösen sich nicht immer schnell. Manchmal brauchen sie Zeit. Man muss reifen lassen, wie eine Frucht. Ja. Man kann eine Entscheidung nicht erzwingen. Man kann nicht einfach sagen, ich entscheide mich jetzt, weil es reicht. Manchmal ist die Entscheidung noch nicht bereit. Man braucht noch mehr Zeit, mehr Erfahrung. Mehr Gespräche, mehr Stille. Und das ist in Ordnung. Man muss sich selbst erlauben, noch nicht zu wissen, noch nicht entschieden zu haben. Das ist kein Versagen, das ist Ehrlichkeit. Ja. Sich selbst zu sagen, ich weiß es noch nicht und das ist okay. Das braucht Mut, weil die Gesellschaft oft erwartet, dass man immer weiß, was man will, dass man entschlossen ist. Klar, sicher. Aber das ist nicht immer realistisch. Menschen sind komplex, Situationen sind komplex. Manchmal braucht man Zeit und das ist zutiefst menschlich. Ja. Und ich glaube die Menschen, die sich wirklich kennen, die ehrlich mit sich sind, die wissen, dass es innere Konflikte gibt, dass man nicht immer einig ist mit sich selbst und dass das normal ist. Jetzt möchte ich über die Sprache sprechen. Wie sagt man auf Deutsch, dass man einen inneren Konflikt hat? Welche Sätze kann man benutzen? Gerne. Also ein sehr einfacher und direkter Satz ist, ich bin hin und her gerissen. Das sagt man, wenn man sich zwischen zwei Dingen nicht entscheiden kann, wenn man nach beiden Seiten gezogen wird, dann gibt es ich weiß nicht, was ich tun soll. Das ist sehr einfach, aber sehr ehrlich. Man gibt zu, dass man keine Antwort hat, dass man unsicher ist, oder ich kämpfe gerade mit mir selbst. Das bedeutet, es gibt einen inneren Kampf. Man ist im Streit mit sich. Man ringt mit einer Entscheidung oder einem Gefühl. Das Wort Ringen, das kommt vom Sport. Ringen ist ein Kampfsport, wo zwei Menschen miteinander kämpfen. Wenn man mit sich selbst ringt, dann kämpft man innerlich. Man versucht etwas zu überwinden oder zu entscheiden. Dann gibt es noch: mein Kopf sagt das eine, aber mein Herz sagt das andere. Das ist ein sehr natürlicher Satz im Deutschen. Man beschreibt den Konflikt zwischen Vernunft und Gefühl. Ja, das ist ein Satz, den viele Menschen sofort verstehen, weil fast jeder diese Erfahrung kennt. Oder? Ich bin mit mir im Widerspruch. Das ist ein etwas formeller. Ausdruck. Ein Widerspruch ist, wenn zwei Dinge sich widersprechen, also nicht zusammenpassen. Wenn man mit sich im Widerspruch ist, dann passen die eigenen Gedanken oder Wünsche nicht zusammen. Dann gibt es, ich fühle mich zerissen. Das kommt von zerreißen in Stücke reißen. Man fühlt sich nicht ganz, man fühlt die Spannung, die einen auseinanderziehen will. Oder? Ich tue mir schwer mit dieser Entscheidung. Das bedeutet, es ist schwer für mich eine Entscheidung zu treffen. Ich habe Mühe damit. Und wenn man den Konflikt beschreiben möchte, kann man sagen, auf der einen Seite, auf der anderen Seite. Das ist ein sehr klares Konstrukt. Man legt die zwei Seiten nebeneinander und schaut sie an. Ja, auf der einen Seite möchte ich, auf der anderen Seite habe ich Angst vor. Das gibt dem Konflikt eine Struktur. Man sieht beide Seiten klar. Und wenn man jemand anderen fragt, wie er mit einem Konflikt umgeht, kann man sagen, wie gehst du damit um? Oder was machst du wenn du nicht weißt, was richtig ist? Das sind sehr offene Fragen. Sie laden den anderen ein zu sprechen, ohne ihn unter Druck zu setzen. Ja, und manchmal nur durch das Beschreiben des Konflikts beginnt man eine Antwort zu finden, weil man plötzlich sieht, was wirklich auf dem Spiel steht. Ich möchte jetzt über etwas sprechen, dass ich sehr faszinierend finde. Und zwar die Verbindung zwischen inneren Konflikten und Wachstum. Oh, das ist interessant. Was meinst du damit? Ich meine, innere Konflikte sind unangenehm. Man möchte sie loswerden. Man möchte Ruhe, man möchte Klarheit, aber gleichzeitig, ich glaube, innere Konflikte sind oft der Ort, wo man am meisten wächst. Das ist ein sehr schöner Gedanke. Erkläre das ein bisschen mehr. Also, wenn man keinen inneren Konflikt hat, dann ist man im Gleichgewicht. Alles passt. Man weiß, wer man ist, man weiß, was man will. Das ist angenehm, aber man bewegt sich nicht so viel. Man bleibt, wo man ist. Und wenn man einen inneren Konflikt hat, dann ist man nicht im Gleichgewicht. Etwas stimmt nicht. Etwas will sich verändern. Und dieser Druck, dieser innere Drang eine Antwort zu finden, der bringt einen in Bewegung. Man denkt tiefer. Man fragt sich Fragen, die man vorher nicht gestellt hat. Man schaut in Ecken von sich selbst, die man vorher nicht gesehen hat. Ja, innere Konflikte sind wie ein Graben, den man machen muss, um an das Wasser zu kommen. Es ist anstrengend, aber am Ende findet man etwas wertvolles. Genau. Und oft, wenn man durch einen inneren Konflikt hindurchgeht, wenn man ihn nicht ignoriert, sondern wirklich damit arbeitet, dann kommt man auf der anderen Seite als ein anderer Mensch. Nicht vollständig anders, aber ein bisschen tiefer, ein bisschen klarer über sich selbst. Ja, man hat sich selbst besser kennengelernt. Man hat herausgefunden, was einem wirklich wichtig ist, was man wirklich fühlt, was man wirklich will. Nicht was andere wollen, nicht was die Gesellschaft sagt, sondern man selbst. Und das ist wertvoll, sehr wertvoll. Weil Selbstkenntnis, also das Wissen über sich selbst, das ist eine der wichtigsten Dinge, die man haben kann. Ja, man sagt, erkenne dich selbst. Das ist ein sehr alter Satz aus der griechischen Philosophie, aber er ist heute noch genauso wahr, wer sich selbst kennt, der kann besser leben, besser entscheiden, besser lieben, besser sein. Und innere Konflikte, so unangenehm sie auch sind, sie sind Einladungen sich selbst tiefer zu kennen. Sie sagen, hier ist etwas, dass du noch noch nicht verstanden hast. Schau hin, geh rein. Finde es heraus. Das ist eine sehr butige Art innere Konflikte zu sehen. Nicht als Feind, nicht als Problem, das weg muss, sondern als Einladung. Ja, als Lehrer. Ein innerer Konflikt als Lehrer. Das gefällt mir sehr, weil es die ganze Bedeutung verändert. Wenn ich den Konflikt als Feind sehe, dann kämpfe ich dagegen, dann will ich ihn loswerden, dann bin ich in einem ständigen Widerstand. Und Widerstand kostet sehr viel Energie. Man kämpft gegen sich selbst und man verliert dabei ein bisschen etwas. Aber wenn man den Konflikt als Lehrer sieht, dann ist man neugierig. Man fragt, was willst du mir sagen? Was soll ich hier lernen? Was zeigst du mir über mich? Und dann kann man zuhören mit Offenheit statt mit Widerstand. Ich möchte jetzt noch über etwas sprechen, das mir sehr am Herzen liegt und zwar der innere Konflikt zwischen dem, was gut für einen ist und dem, was sich gut anfühlt. Man weiß, was man tun sollte, aber man tut das Gegenteil, weil das Gegenteil sich besser anfühlt. Zumindest im Moment. Genau. z.B. man weiß, dass Sport gut für einen ist, dass man sich danach besser fühlt. Aber im Moment möchte man auf dem Sofa liegen und nichts tun, weil das jetzt bequem ist. Oder man weiß, dass man ein schwieriges Gespräch führen muss, dass es besser wäre die Sache anzusprechen, aber man vermeidet es, weil das Gespräch unangenehm sein könnte. Ja. Kurzfristiger Komfort gegen langfristiges Wohlbefinden. Das ist ein sehr hilfreicher innerer Konflikt. Und ich glaube, das ist auch ein Bereich, wo man sich selbst sehr gut kennen muss. Man muss wissen, wenn ich das jetzt tue, auch wenn es unangenehm ist, wie werde ich mich danach fühlen? Und wenn ich es nicht tue, wie werde ich mich morgen fühlen? Ja. Man denkt nicht nur an jetzt, sondern auch an später. Man fragt sich, was bin ich bereit zu zahlen? Was kostet mich der kurzfristige Komfort langfristig? Das ist eine sehr reife Art zu denken. Man denkt über die Konsequenzen nach, bevor man handelt. Und manchmal, auch wenn man das alles weiß, wählt man trotzdem den kurzfristigen Komfort, weil man müde ist, weil man überfordert ist, weil man einfach gerade keine Kraft hat. Und das ist menschlich. Man ist nicht perfekt. Man trifft nicht immer die beste Entscheidung und das ist in Ordnung. Ja. Man muss sich nicht für jeden Moment verurteilen, wo man den leichteren Weg gewählt hat. Man darf freundlich mit sich sein. Aber man kann auch lernen. Man kann bemerken, ah, ich mache das immer wieder. Ich vermeide immer das Unangenehme. Was steckt da dahinter? Was habe ich Angst vor? Ja. Selbstbeobachtung ohne Selbstverurteilung. Das ist die Balance. Das ist eine schöne Formulierung. Selbstbeobachtung ohne Selbstverurteilung. Man schaut sich selbst an, ehrlich, klar, aber man verurteilt sich nicht. Man ist neugierig, nicht kritisch. Genau, wie ein guter Freund, der ehrlich ist, aber trotzdem liebevoll. Ich möchte noch über einen letzten Aspekt sprechen. Und zwar, was macht man, wenn man einen inneren Konflikt hat und die Entscheidung endlich getroffen hat? Wie geht man damit um, dass man eine Wahl getroffen hat und damit automatisch die andere Wahl aufgegeben hat? Oh, das ist ein sehr wichtiger Punkt, weil jede Entscheidung ein Verlust ist. Wenn man sich für A entscheidet, dann entscheidet man sich gleichzeitig gegen B und B, das was man nicht gewählt hat, das lässt man zurück. Und das kann weh tun, auch wenn man die richtige Entscheidung getroffen hat. Man trauert manchmal um das, was man nicht gewählt hat, um den Weg, den man nicht gegangen ist. Ja, das nennt man auf Deutsch auch Trauer um den nicht geganganen Weg. Man ist nicht traurig über das, was man hat, sondern über das, was man hätte haben können. Und das ist ein sehr stilles, sehr persönliches Gefühl, weil man es nicht immer erklären kann. Man sagt, ich habe mich richtig entschieden, ich stehe dazu. Aber manchmal denke ich trotzdem, was wäre, wenn ich anders entschieden hätte. Die Frage, was wäre, wenn? Das ist eine der menschlichen Fragen. Sie belebt uns oft. Man denkt, was wäre, wenn ich diesen Job angenommen hätte? Was wäre, wenn ich die diese Person nie kennengelernt hätte? Was wäre, wenn ich früher etwas geändert hätte? Und diese Frage kann produktiv sein, wenn man daraus lernt, wenn man sagt, aus dieser Situation nehme ich mit, dass mir das wichtig ist für die Zukunft. Aber sie kann auch lähmend werden, wenn man zu lange in ihr bleibt. Wenn man sich ständig fragt, was gewesen wäre, dann lebt man in einer Vergangenheit, die es gar nicht gibt. In einer Version des Lebens, die man sich nur vorstellt. Ja. Die Vergangenheit ist unveränderlich. Man kann sie nicht mehr ändern. Aber man kann entscheiden, wie man mit ihr umgeht, ob man sie als Last trägt oder als Lernmoment. Und das ist vielleicht der tiefste Gedanke des heutigen Gesprächs. Man hat keine Kontrolle über das was passiert ist. Man hat keine Kontrolle über alle inneren Konflikte, die entstehen. Aber man hat Kontrolle darüber, wie man damit umgeht, wie man darauf reagiert, was man daraus macht. Ja, Viktor Frankel, ein sehr bekannte österreichische Arzt hat einmal gesagt, dass zwischen einem Reiz und einer Reaktion ein Raum ist. Und in diesem Raum liegt unsere Freiheit, unsere Fähigkeit zu wählen, wie wir reagieren. Das ist so kraftvoll. Zwischen dem, was passiert und dem, was man tut, da ist ein Raum. Und in diesem Raum liegt die Entscheidung, die Freiheit. Und ich glaube, bei inneren Konflikten ist dieser Raum besonders wichtig. Man muss nicht sofort reagieren. Man muss nicht sofort entscheiden. Man darf in diesem Raum bleiben und nachdenken und fühlen und dann handeln. Ja, der Raum zwischen Reiz und Reaktion. Das ist der Ort, wo Weisheit entsteht. Das ist ein wunderschöner Abschlussgedanke. Lass uns jetzt zusammenfassen. Gerne. Also, ein innerer Konflikt ist ein Streit zwischen zwei Teilen von einem, zwischen zwei Wünschen, zwei Werten, zwei Stimmen. Innere Konflikte sind normal. Sie zeigen, dass man denkt. dass man fühlt, dass man komplex ist. Sie sind nicht ein Zeichen von Schwäche, sie sind ein Zeichen von Menschlichkeit. Um mit einem inneren Konflikt umzugehen, hilft es, ihn anzuerkennen, beide Seiten klar zu benennen, mit jemandem zu sprechen, geduldig mit sich zu sein und manchmal professionelle Hilfe zu suchen. Innere Konflikte können Orte des Wachstums sein, wenn man nicht gegen sie kämpft, sondern neugierig in sie hineinschaut, dann lernt man sich selbst besser kennen. Auf Deutsch kann man über innere Konflikte sprechen mit Setzen wie ich denn hin und her gerissen oder ich kämpfe gerade mit mir selbst oder mein Kopf sagt das eine, aber mein Herz sagt das andere oder ich fühle mich zerissen oder ich tue mir schwer mit dieser Entscheidung. Und der wichtigste Satz vielleicht, ich weiß es noch nicht und das ist okay, weil manchmal ist die ehrlichste Antwort, ich bin noch auf dem Weg. Ja, man ist auf dem Weg. Das Weg sein ist kein Fehler. Es ist das Leben. Vielen Dank, dass ihr heute dabei wart. Ich hoffe, ihr habt heute nicht nur neue Wörter auf Deutsch gelernt, sondern auch ein bisschen mehr Verständnis für euren eigenen inneren Raum bekommen. Ja, und wenn ihr gerade selbst in einem inneren Konflikt seid, dann seid freundlich mit euch. Ihr seid nicht kaputt. Ihr seid menschlich und ihr findet euren Weg. Bis zum nächsten Mal. Tschüss und alles Gute. Tschüss und bleibt neugierig auf euch selbst.

Wie man auf Deutsch über innere Konflikte spricht | German conversation exercise (A1-A2)
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