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Generation 25: Das Ost-West-Liebespaar | Euromaxx

DW Deutsch

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[0:15]Wenn die Mauer nicht gefallen wäre, hätten wir beide uns nicht kennengelernt. Gloria Jasienowski stammt aus dem Westen Deutschlands, Hendrik Kober aus dem Osten. Gemeinsam leben sie heute in der wiedervereinten deutschen Hauptstadt Berlin und gehen auf dem Grenzstreifen spazieren, der vor mehr als 25 Jahren noch Todesstreifen hieß und unpassierbar war. Ein Ort, der für sie eine große Bedeutung hat. Hendrik hat mir das damals gezeigt, sind wir gerade frisch zusammen gekommen und dann sind wir hier lang gelaufen. Es war total spannend einfach aufgrund der Bilder, aber auch natürlich die Geschichte dahinter. Wenn man weiß so, was was vielleicht hier passiert ist, was was Menschen angetan wurde oder was die Menschen vielleicht teilweise gefühlt haben, die davor standen. Für mich ist es toll zu wissen, dass ich einfach da drüben hingehen kann. Wenn ich daran denke, dass wenn es nicht so alles gelaufen wäre, ich halt irgendwie stoppen müsste und nur durch Fernsehen und Radio was von drüben erfahren würde, wäre das schon schade und da würde ich mich natürlich halt auch eingesperrt fühlen, ganz klar, weil ich ein sehr freiheitsliebender Mensch bin. Hendrik wird 1989 noch kurz vor dem Fall der Mauer in Ost-Berlin geboren. Gloria kommt 1990 in Oldenburg als Tochter polnischer Eltern zur Welt. Beide lieben die Musik. Vor drei Jahren lernen sie sich auf einem Musikfestival kennen und werden ein Paar. Inzwischen haben sie zwei Kinder, Linda und Paulina. Die beiden haben sich schnell für ein gemeinsames Leben und für eine Familie entschieden. Verheiratet sind sie jedoch noch nicht, wie die allermeisten der 1989 90 geborenen. Nur rund 11 % haben sich bereits das Jawort gegeben, viele wollen sich nicht so früh festlegen. Ich glaube viele geben einfach viel zu schnell auf während der Beziehung, dass sie dann sagen irgendwie ja, die Person hat das und das oder macht das und das das gefällt mir nicht, also, ne? Man kann man das beenden und dann, ich finde bestimmt noch jemanden, der noch besser zu mir passt, noch perfekter ist und ja. Ich glaube, ich gibt es gar nicht. Die jungen Eltern stehen oft vor Herausforderungen. Gloria studiert Illustration. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter hat sich Hendrik um das Kind gekümmert, damit sie weiter studieren konnte. Das ist auch in ihrer Generation noch eher ungewöhnlich. Mit dem zweiten Kind ist sie jetzt selbst zu Hause. Ihr Studium will sie nach der Auszeit beenden.

[2:50]Ich könnte mir auch nicht vorstellen, die ganze Zeit nur zu Hause zu sein, das ist einfach überhaupt nicht meine Welt. Ich brauchte auch unbedingt Zeit, wo ich Zeit zeichnen kann, das Erfolgserlebnisse sind ja auch ganz wichtig für Menschen, dass sie auch merken, außer natürlich Mama zu sein, kann ich auch noch andere Dinge. Hendrik hat ein Sozialpädagogik Studium begonnen und macht jetzt eine Ausbildung zum Erzieher für Behinderte. Damit gehört er zu den 35 % seiner Generation, die sich politisch oder sozial engagieren. Ich komme dahin und sehe, dass ich gebraucht werde, ich sehe, dass die Kinder und und das Personal mit dem ich zusammen gearbeitet habe, meine Arbeit sehr schätzen. Und gerade in der Behindertenpädagogik habe ich so vielen Lächeln bekommen von teilweise mehrfach schwerst behinderten Kindern, die gewickelt werden müssen, die kaum was können, aber wenn die irgendwann lächeln dafür lohnt sich jede Schufterei. Essen ist fertig.

[3:55]Das Wichtigste für mich im Leben ist es in Freiheit mit meiner Familie und meinen Freunden leben zu können. Zum glücklich sein brauche ich meine Familie, meine Freunde, meine Musik und meine Kunst. Dass die beiden mit Mitte 20 bereits zweifache Eltern sind, ist für ihre Generation eher untypisch, egal ob Ost oder West. Noch vor der Wiedervereinigung bekamen westdeutsche Frauen im Schnitt mit fast 27 Jahren ihr erstes Kind. In der damaligen DDR waren die Mütter rund vier Jahre jünger. Seitdem haben sich die beiden Landesteile angenähert und das Durchschnittsalter bei der ersten Geburt ist gestiegen. Wir sehen es ja bei meinen Eltern als Vorbild, wir haben dann mit Mitte 40 hoffentlich vielleicht dann die größten Sorgen vorbei mit den Kindern und können dann machen, was wir wollen. Dann stehen wir im Job und können halt entscheiden, ja okay, dann machen wir ein Jahr Pause und ziehen um die Welt und brauchen uns keine Sorgen zu machen. Im Alltag unterstützen die Großeltern die junge Familie. Hendrik und Gloria sehen in ihrer Generation noch kleine Ost-West-Unterschiede. Erst die Kinder werden aus ihrer Sicht ganz ohne Mauer im Kopf leben. In unserer Generation ist das nicht mehr so manifestiert, die Leute haben sich ihre eigene Meinung gebildet. Und unsere Kinder haben dann die Chance wirklich als unabhängige Generation groß zu werden. Klar haben wir ja auch noch die Einflüsse bzw. uns Gedanken darüber gemacht, aber die können wirklich gesamtdeutsch, sage ich mal, aufwachsen und was sie daraus machen, werden wir dann später sehen.

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