[0:30]Über alle Meere herrscht das britische Weltreich, die größte Seemacht aller Zeiten. Seine Königin Queen Victoria ist die mächtigste Frau der Weltgeschichte. Sie regiert 63 Jahre lang. Ihr Reich ist geboren aus Kampf und Waffengewalt.
[0:54]Eine Geschichte von Abenteurern, Seefahrern und großen Schlachten. Stolze Königinnen kämpfen um die Weltmacht. Alles begann auf hoher See.
[1:39]Do you speak English? Sprechen Sie Englisch? Natürlich sprechen sie Englisch. Wir alle sprechen Englisch andauernd. Längst sind englische Worte in unsere Sprache eingesickert. Überall auf der Welt ist das so. Der Grund dafür liegt in der Geschichte. Einst regierten die Briten fast die ganze Welt und das ist noch gar nicht lange her, keine 100 Jahre. Das britische Empire war das größte Weltreich, das unsere Erde je gesehen hat. Fast 400 Jahre lang ist dieser Koloss gewachsen und gewachsen aus bescheidenen Anfängen. Man muss sich das einmal vorstellen, ein Fünftel der gesamten Landmasse unseres Planeten war vor 100 Jahren in britischer Hand. Und der englische Way of Life prägte das Leben auf allen Kontinenten. Die englische Sprache wurde unsere Weltsprache.
[2:40]Die Engländer drückten wie kein anderes Volk der Erde einen Stempel auf und eine Reise durch das britische Empire ist wie eine Reise durch die ganze Welt.
[2:57]Man kann den Sonnenaufgang in Indien erleben, in den Weiten des britischen Weltreichs mit seinen vielen Völkern.
[3:07]Man kann endlose Wüsten durchqueren und in Jordanien der Wüstenpatroullie ihrer Majestät begegnen. In Nigeria kann man den Tänzern bei ihren traditionellen Zeremonien zusehen. Oder man kann mit dem Luxusdampfer im malerischen Hafen von Kapstadt einlaufen. Auf der anderen Seite der Erde, in den Weiten Kanadas, ziehen Büffelherden durch die Grassteppe und die Ureinwohner leben ihre Tradition. In Malaysia filmt 1910 die Kamera koloniales Leben.
[3:46]Nie verlässt man britischen Boden. Und überall ziehen Eisenbahnen ihre Spuren bis hinauf auf die steilen Hänge des Himalaya. Über alle Kontinente spannen sich Telegrafenkabel, wie Lebensadern das Empire. Schon 1870 wird ein Unterseekabel zwischen Indien und England verlegt. Symbol technologischer Überlegenheit. The British Empire was a true. Es überspannte Kulturen und Kontinente.
[4:21]Es konnte so groß werden, weil es nicht nur negativ auf die Untertanen wirkte. Es brachte Modernisierung, Bildung, Transport, Telegrafennetze. Das waren die sichtbaren Spuren des British Empire. Das Machtzentrum des Reiches ist London, damals die modernste Stadt der Welt. Um das Jahr 1900 bevölkern fünfeinhalb Millionen Menschen die Straßen dieser globalen Metropole. Das Parlamentsgebäude mit seinem Victoria Tower trohnt über der Stadt.
[4:56]Im Zentrum der Macht marschieren die königlichen Wachen.
[5:04]Buckingham Palace, ein Schloss mit 775 Räumen ist der königliche Hauptpalast, ausgestattet mit Prunk und Pracht des ganzen Weltreichs.
[5:19]Über das alles herrscht Queen Victoria, 63 Jahre lang von 1837 bis 1901. Sie prägt eine ganze Epoche. Eine der mächtigsten Frauen der Geschichte. Sie beherrscht aus dem Kreis ihrer Familie ein Weltreich. Ihren Kindern ist sie eine zugeneigte Mutter und auch die Untertanen des Empire betrachtet sie als ihre Kinder. Ihre Untertanen erwidern die Zuneigung. Die Fotos der idyllischen Familienwelt hängen an vielen Wänden.
[6:00]Alle jubeln, als die Königin 1897 durch die Straßen ihrer Hauptstadt fährt. Solange sie lebt, steht Queen Victoria außerhalb jeder Kritik.
[6:18]Das Familienidyll kommt gut an. Queen Victoria ist sozusagen die Mutter vieler Nationen und setzt sich auch so in Szene. Aber in Wirklichkeit ist sie eine Frau voller Widersprüche. Queen Victoria gibt zwar in der Männerwelt den Ton an, aber die zarten Anfänge der Emanzipationsbewegung nennt sie eine verrückte sündhafte Narretei. Frauen sagt sie werden zu herzlosen und abstoßenden Geschöpfen, wenn man ihnen erlaubt, die Geschlecht zu verleugnen. Dabei ist es gerade das britische Empire, das starken Frauen so viel verdankt. Ja, schon ganz am Anfang britischer Weltherrschaft steht eine Frau. Diese. Elisabeth die erste, die jungfräuliche Königin, wie sie sich selbst nennt.
[7:19]Sie will vor allem herrschen. Und diesem Ziel ordnet sie alles unter, Liebe, Glück, ihr ganzes Leben.
[7:33]45 Jahre lang regiert sie mit eiserner Hand. Ihr Reich ist eine verregnete Insel am Rande Europas. Diese Lage im Abseits hat nur einen einzigen Vorteil. Es zwingt die Menschen aufs Meer hinaus und macht sie zu geschickten Seefahrern. Und auf dem Meer entscheidet sich im 16. Jahrhundert alles. Aufstieg oder Niedergang. Sommer 1588. Eine gewaltige spanische Flotte hält auf die englische Küste zu. Queen Elizabeth die erste inspiziert im englischen Tilbury ihr letztes Aufgebot. Wird die Königin triumphieren oder geht das britische Königreich mit ihr unter? Wie sollen diese wenigen Soldaten den 27.000 Mann an Bord der spanischen Schiffe widerstehen? Für die Königin gibt es nur noch den Sieg zur See, sonst wird sie selbst auf dem Scheiterhaufen der Spanier enden.
[8:46]Königin Elisabeth die erste ist die Symbolfigur für die Anfänge des britischen Weltreichs. Man denke nur an ihre Rede, als die spanische Flotte kurz vor der englischen Küste steht. Sie sagt: Ich weiß, dass ich den Leib eines schwachen Weibes habe, aber ich habe auch das mutige Herz eines Königs von England. Es ist eine unglaubliche Rede. Sie ist kurz davor, alles zu verlieren und trotzdem gibt sie allen Hoffnung. Im Herzen des Feindes verfügt die englische Krone über eine Geheimwaffe, Spionage. Anthony Standen ist einer der Elite Spione im Dienst ihrer Majestät. Unter falscher Identität hat er ein Agentennetz aufgebaut. Mit Geld und guten Worten beschafft er die Staatsgeheimnisse der spanischen Krone.
[9:44]In den Lagern des britischen Nationalarchivs, in den Kilometern von Akten aus den Jahrhunderten britischer Geschichte sind die Spuren seiner Arbeit bis heute erhalten.
[9:58]Aiden Laws, Spezialist für diese Akten, wird im Archivverzeichnis fündig, eine Nachricht von Anthony Standen, unter seinem Decknamen Pompeo Pellegrini. Anthony Standen, der sich Pompeo Pellegrini nannte, gelang es, einen Spion in den Haushalt des spanischen Oberbefehlshabers, des Marquis von Santa Cruz, einzuschleusen. Diese geheimen Informationen waren natürlich extrem wichtig. In Codeschrift schickt der Agent seine Erkenntnisse nach England und er unterzeichnet selbst mit seinem Decknamen, Pompeo Pellegrini.
[10:47]Die Spione in britischen Diensten sind die Ahnherren aller modernen Geheimagenten. Männer wie Anthony Standen haben jene Methoden entwickelt und perfektioniert, die Spione noch Jahrhunderte lang anwenden.
[11:03]Ihre geheimen Nachrichten schreiben sie mit unsichtbarer Tinte aus verschiedenen Chemikalien. Jeder Fehler könnte Anthony Standen das Leben kosten. Sichtbar werden seine Nachrichten für den Empfänger erst durch Hitze oder geheime Reagenzien.
[11:24]Nur die Zentrale in London soll die Briefe entziffern können, deren Inhalt über den Fortbestand des englischen Königreichs entscheiden könnte. Anthony Standen benutzt ausgeklügelte Zahlen oder Buchstabencodes, lesbar gemacht mit Schablonen oder Codelisten. Mit Hilfe dieser Informationen planen die Engländer den Angriff auf die spanische Flotte, bevor sie England erreicht.
[11:55]Mit dem Mut der Verzweiflung greifen sie an.
[12:01]Den Untergang der spanischen Armada aber besiegelt das stürmische Wetter. Ich habe meine Flotte zum Kampf gegen die Engländer ausgesandt, nicht gegen Naturgewalten, sagt der spanische König. Die Armada geht unter und mit ihr die letzte Hoffnung Spaniens, den Konkurrenten England zu entmachten. Man darf nicht vergessen, dass die spanische Armada nicht von der kleinen britischen Flotte besiegt wurde, sondern vom Wetter. Und man sollte auch nicht vergessen, dass die Briten diesen Angriff provoziert hatten, weil sie systematisch die spanischen Schätze geplündert hatten.
[14:17]Es sind die Schätze Spaniens, die britische Seefahrer erbeuten wollen. Erst 1492 ist Christoph Columbus an der Küste Amerikas gelandet. Seitdem hat die spanische Krone ihre Herrschaft über Süd- und Mittelamerika immer weiter ausgedehnt. In zahllosen Gefechten haben sich die Eroberer gegen die einheimischen Herrscher vorangekämpft. Ihr Ziel sind scheinbar unerschöpfliche Schätze an Gold und Silber.
[14:51]Im Frühjahr 1577 bahnt sich in Panama eine spanische Schatzkarawane mühsam ihren Weg.
[15:00]Aus dem Unterholz beobachten sie die Männer des englischen Freibeuters Francis Drake. Er will mit seiner Mannschaft die Karawane überfallen.
[15:10]Drake und seine Männer setzen alles auf eine Karte.
[15:18]Der überraschende Angriff gelingt. Drake siegt und entkommt mit einer halben Tonne Gold für sich und seine Königin. Abenteuerlust, Beutegier, Machthunger. Das sind gängige Motive, um den heimatlichen Broten mit Schiffsplanken zu vertauschen. Aber es gibt auch andere Gründe. Interesse an anderen Kulturen, wissenschaftliche Neugier oder die Verwirklichung der eigenen religiösen Überzeugung in einem Land, wo das möglich ist.
[15:55]Viele britische Siedler in Amerika waren solche Leute. Gläubige Christen, Reformatoren, die sich den Regeln der englischen Staatskirche widersetzten. Für sie war Amerika das gelobte Land. Diese Menschen hatten ganz andere Ziele als die Freibeuter der Meere. Ihnen ging es vor allem um Freiheit des Glaubens. 150 Jahre später, als sich die Amerikaner von England unabhängig machen, haben sie diese politische Sehnsucht ganz ausdrücklich formuliert. Life, Liberty and the pursuit of happiness.
[16:41]Leben, Freiheit und das Streben nach Glück. Das sind die Grundrechte des Amerikaners. Es ist ein primitives, gefährliches Leben in einer feindlichen Umwelt. Die wenigen britischen Siedler fristen in den unendlichen Weiten Nordamerikas eine karge Existenz. Aber sie bewahren ihre Hoffnung auch unter den widrigsten Umständen. Trotz aller Gefahren wächst die Zahl der Menschen, die aus England, Irland und Schottland in das neue entdeckte Land ziehen.
[17:21]Ein ganzer Kontinent. Eine ganze neue Welt scheint ihnen offen zu stehen. Als die Briten Nordamerika erreichten, war der Kontinent nicht mehr leer. Franzosen waren schon da, auch Spanier und die große einheimische Bevölkerung, die man Indianer nannte. Die Engländer kamen mit Kanonen und Gewehren, bauten sich Forts. Die sogenannten Indianer konnten da militärisch nicht mithalten, trotzdem waren die Briten in einer kritischen Lage und es war nicht klar, ob sie gewinnen würden. Die britischen Kolonien Nordamerikas werden ein überraschender Erfolg. In wenigen Jahrzehnten setzen sie sich gegen alle Widerstände durch. Die Siedlungen wachsen und gedeihen, Handwerker und Händler lassen sich nieder und gehen erfolgreich ihren Geschäften nach. Endlich können die Siedler den Erfolg ihrer Arbeit spüren. Immer mehr Menschen wollen auf dem neuen Kontinent ihr Glück machen. 1760 sind es schon mehr als eineinhalb Millionen. Aber harte Steuern und die Abhängigkeit vom weit entfernten England bedrücken sie. Für die britische Kolonialherrschaft wird ihr Erfolg der Anfang vom Ende sein.
[18:41]Der große Erfolg der britischen Kolonien in Nordamerika führte zu einem politischen Dilemma. Die Siedler fragten sich, warum sollen wir Steuern bezahlen für ein Vaterland auf der anderen Seite des Atlantiks? Sie hatten doch das Gefühl von Gott auserwählt worden zu sein, so begann der Aufstand gegen die ehemalige Heimat und bald wurde der Aufstand zur Revolution. 1768. Aufstände gegen neue Steuern erschüttern Boston, eine der großen Handelsstädte an der amerikanischen Ostküste. Die Siedler errichten Straßensperren und verbrennen britische Waren. Die Unruhen greifen bald um sich. Britische Truppen sollen sie niederschlagen. Die Siedler greifen zu den Waffen.
[19:30]13 Jahre lang tobt ein blutiger Unabhängigkeitskrieg. Amerikanische Siedler gegen britische Truppen.
[19:40]Dann siegen die amerikanischen Kolonien über England und gewinnen ihre Freiheit. Freiheit und das Streben nach Glück.
[19:54]Den amerikanischen Traum hat man auch in Erz gegossen. Am Hafen von New York steht die Freiheitsstatue, das berühmteste Wahrzeichen der neuen Welt. Übernacht hat sich die britische Kolonie in einen eigenständigen Staat verwandelt. Ein bitterer Verlust für die englische Krone, aber manchmal kann ein Verlust auch ein Gewinn sein. Schon bald macht der Warenverkehr nach Nordamerika ein Drittel des englischen Außenhandels aus. Um Profit zu machen, muss man gar nicht das Land beherrschen, sondern die Handelsruten. Britannien beherrscht die Wellen. Das ist der eigentliche Schlüssel zum Erfolg der britischen Weltherrschaften.



