[0:00]Hallo und herzlich willkommen, schön, dass du wieder dabei bist. Heute haben wir ein Thema, das wirklich jeder kennt. Jeder hat es schon erlebt, aber viele sprechen nicht so offen darüber. Hallo zusammen, schön wieder hier zu sein. Ja, ich glaube, das heutige Thema ist eines, das sehr viel Schmerz in jedem verursacht. Und das Interessante ist, dieser Schmerz kommt oft nicht von außen, er kommt von innen, von uns selbst. Genau, wir sprechen heute über unrealistische Erwartungen. Das Wort unrealistisch bedeutet, nicht der Realität entsprechend, etwas, das nicht wirklich möglich ist, oder zumindest nicht so, wie man es sich vorstellt. Eine unrealistische Erwartung ist also ein Bild im Kopf, das nicht mit dem übereinstimmt, was wirklich passieren kann. Ja, und wir alle haben solche Bilder im Kopf, über uns selbst, über andere Menschen, über das Leben. Bilder, wie es sein sollte, wie wir sein sollten, wie andere sein sollten, wie die Welt sein sollte. Und wenn die Realität nicht mit diesen Bildern übereinstimmt, dann entsteht Enttäuschung, Frustration, manchmal sogar tiefe Traurigkeit. Ja, und oft fragt man sich dann, was ist falsch mit mir, was ist falsch mit diesem Menschen, was ist falsch mit der Welt? Aber die eigentliche Frage wäre, war meine Erwartung realistisch? Das ist eine sehr wichtige Frage und eine mutige Frage, weil sie bedeutet, dass man die Verantwortung für die eigenen Erwartungen übernimmt. Man sagt nicht, die Welt ist schuld, der andere ist schuld, sondern man fragt, was habe ich erwartet und war das fair? Genau, und das ist nicht immer einfach, weil es manchmal wirklich der andere ist, der Fehler macht. Manchmal ist die Situation wirklich schwierig, aber sehr oft, vielleicht öfter, als wir denken, ist ein Teil des Problems in unseren eigenen Erwartungen. Und heute wollen wir darüber sprechen, woher kommen unrealistische Erwartungen? Wo begegnen sie uns im Alltag? Was kann man tun und wie kann man auf Deutsch darüber sprechen? Ich fange mal mit einem eigenen Beispiel an. Ich erinnere mich an eine Zeit, wo ich angefangen habe, Sport zu machen. Ich hatte mich sehr motiviert gefühlt. Ich habe gedacht, ich trainiere jeden Tag, nach einem Monat sehe ich schon große Ergebnisse, nach 3 Monaten bin ich in perfekter Form. Das klingt sehr vertraut. Diese erste Begeisterung, wenn man etwas Neues beginnt. Ja, und dann kam die Realität. Ich habe trainiert, aber nach einer Woche war ich schon müde, nach 2 Wochen hatte ich Muskelschmerzen. Nach 3 Wochen habe ich 2 Tage pausiert und dann habe ich mich schlecht gefühlt, weil ich dachte, ich bin so schwach. Ich schaffe das nicht einmal 3 Wochen durchzuhalten. Und was war das Problem? Das Problem war nicht, dass ich schwach war, das Problem war, dass meine Erwartung unrealistisch war. Ich hatte erwartet, dass ich sofort jeden Tag trainieren kann, ohne Schmerzen, ohne Pausen, ohne Schwierigkeiten. Aber so funktioniert der Körper nicht. Der Körper braucht Zeit, er braucht Erholung, er braucht einen langsamen Aufbau, ja. Ja, man sieht im Internet oder in Filmen, Menschen, die jeden Tag trainieren und perfekt aussehen. Und dann denkt man, so sollte es sein, aber das ist nicht die Realität, das sind Highlights. Das sind Ausschnitte, nicht der ganze Weg. Genau, und das ist eines der großen Probleme unserer Zeit. Wir sehen so viele Highlights von anderen in sozialen Medien, in Filmen, in der Werbung und dann vergleichen wir diese Highlights mit unserem eigenen Alltag und unser Alltag verliert immer. Ja, man vergleicht das Beste von anderen mit dem Durchschnitt von sich selbst. Das ist kein fairer Vergleich und trotzdem tun wir es, fast automatisch. Und daraus entstehen unrealistische Erwartungen. Man denkt, wenn andere das schaffen, warum ich nicht? Wenn bei anderen alles so schön ist, warum ist es bei mir so kompliziert? Aber man sieht den Weg nicht, man sieht nicht die Mühe, die dahinter steckt, die Fehler, die passiert sind, die schwierigen Tage. Die Momente, wo auch der andere fast aufgegeben hat. Ja, man sieht nur das Ergebnis, nicht den Prozess, und dann erwartet man das Ergebnis, ohne bereit zu sein für den Prozess. Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis. Unrealistische Erwartungen entstehen oft, weil man das Ergebnis will, aber nicht den Weg versteht. Man sieht den Gipfel, aber nicht den Berg. Das Bild mit dem Berg gefällt mir sehr. Man sieht jemanden auf dem Gipfel und denkt, ich möchte auch dort sein, aber man sieht nicht den langen, steilen, anstrengenden Weg nach oben, die Pausen, die Umwege, die Momente, wo man fast umgekehrt ist. Und dann, wenn man selbst anfängt zu klettern und merkt, das ist viel schwerer, als ich dachte, dann denkt man, etwas ist falsch mit mir. Aber nichts ist falsch, der Berg ist einfach ein Berg, er war immer steil. Ja, man hat sich nur nicht vorgestellt, wie steil er ist, weil man nur den Gipfel gesehen hat. Ich möchte jetzt über verschiedene Bereiche sprechen, wo unrealistische Erwartungen besonders häufig vorkommen, weil sie überall sind, im Beruf, in Beziehungen, in der Familie, in Bezug auf sich selbst. Ja, gerne. Fangen wir mit Beziehungen an. Ich glaube, das ist einer der Bereiche, wo unrealistische Erwartungen am meisten Schmerz verursachen. Ja, man verliebt sich in jemanden und man hat ein Bild von dieser Person, ein schönes, romantisches Bild. Man denkt, dieser Mensch versteht mich immer, er ist immer für mich da, er macht mich immer glücklich, er ist immer geduldig, immer freundlich, immer perfekt. Und dann kommt der Alltag, und im Alltag hat der andere auch schlechte Tage. Er ist manchmal müde, manchmal unfreundlich, manchmal mit sich selbst beschäftigt und dann denkt man, war das ein Fehler? Ist das die falsche Person? Aber das ist keine falsche Person, das ist ein Mensch, ein echter, normaler, unvollkommener Mensch, wie wir alle. Genau, und die unrealistische Erwartung war, dieser Mensch soll immer perfekt sein, soll immer meine Bedürfnisse erfüllen, soll mich immer glücklich machen. Aber das kann kein Mensch leisten, danke. Nein, kein Mensch kann immer alles geben. Kein Mensch ist immer gut gelaunt, immer geduldig, immer verständnisvoll. Das ist nicht menschlich, das wäre ein Roboter. Und ich glaube, eine der größten unrealistischen Erwartungen in Beziehungen ist diese: der andere soll mein Glück machen, er soll meine innere Leere füllen, er soll der Grund sein, warum ich zufrieden bin, ja. Ja, das ist eine sehr häufige und sehr gefährliche Erwartung, weil man damit die Verantwortung für das eigene Glück an jemand anderen gibt. Und dann, wenn der andere nicht immer da ist, wenn er auch seine eigenen Probleme hat, wenn er auch mal versagt, dann ist man unglücklich. Weil man das eigene Glück von ihm abhängig gemacht hat. Genau. Und das ist eine sehr unfaire Last für den anderen. Er soll dein Glück sein, das ist eine Aufgabe, die kein Mensch erfüllen kann, ja. Ja, das eigene Glück ist die eigene Verantwortung. Der andere kann dazu beitragen, er kann Freude bringen, Unterstützung, Wärme, aber er kann es nicht alleine machen. Die Basis muss bei einem selbst liegen. Das ist ein sehr wichtiger Gedanke. Der andere ergänzt das eigene Glück, aber er ist nicht die Quelle davon. Auf Deutsch sagen wir manchmal, man muss zuerst sich selbst lieben, bevor man jemand anderen lieben kann. Das ist ein bekannter Satz und ich glaube, er ist wahr. Wenn man sich selbst nicht mag, dann sucht man im anderen die Bestätigung, die man sich selbst nicht geben kann, und das ist ein endloses Suchen. Ja, man füllt ein Loch, aber das Loch füllt sich immer wieder, weil es von innen kommt, nicht von außen. Genau, und das ist keine Kritik an Menschen, die das erleben. Das ist einfach eine Wahrheit über das menschliche Wesen. Wir alle suchen manchmal nach außen, was wir eigentlich innen finden müssen. Lass uns über einen anderen Bereich sprechen, nämlich über unrealistische Erwartungen im Beruf. Ja, ich kenne das gut. Man beginnt einen neuen Job und man hat so viele Erwartungen. Man denkt, ich werde sofort gut sein, ich werde sofort verstanden und respektiert, ich werde schnell aufsteigen. Die Kollegen werden mich sofort mögen, der Chef wird sofort sehen, wie gut ich bin. Und dann ist die erste Woche vielleicht verwirrend, die zweite Woche auch. Man macht Fehler, man versteht noch nicht alles, die Kollegen kennen einen noch nicht gut und man denkt, ich bin nicht gut genug. Aber das ist nicht wahr, man ist neu und neu zu sein bedeutet noch nicht alles zu wissen. Das ist normal, das ist der Prozess, ja. Ja, es gibt eine sogenannte Lernkurve. Das ist die Zeit, die man braucht, um etwas Neues zu verstehen und zu können. Am Anfang ist es schwer, dann wird es leichter und irgendwann sitzt es. Und wenn man erwartet, dass es sofort sitzt, dann ist man immer frustriert, weil das nicht realistisch ist. Niemand ist sofort perfekt in einem neuen Job. Ja, neue Dinge brauchen Zeit, das ist keine Schwäche, das ist Physik. Man kann eine Pflanze nicht schneller wachsen lassen, indem man sie anschreit, sie wächst in ihrem eigenen Tempo. Das Bild mit der Pflanze gefällt mir. Man pflanzt einen Samen, man gießt ihn, man gibt ihm Licht und dann wartet man. Man sieht nichts und denkt, vielleicht wächst da nichts, aber unter der Erde passiert so viel, die Wurzeln wachsen, die Basis wird gelegt. Und dann irgendwann kommt das erste Grün, ja. Ja, Wachstum ist oft unsichtbar, bevor es sichtbar wird. Man arbeitet, man lernt, man übt und man sieht lange Zeit kein Ergebnis und dann plötzlich ist da etwas. Und wenn man zu früh aufgibt, weil man noch nichts sieht, dann verpasst man den Moment, wo es sich zeigt. Man hat den Samen gepflanzt und gegossen und dann kurz bevor er aufgeht, gibt man auf. Das ist so tragisch und so häufig. Man ist so nah am Durchbruch und gibt auf, weil man ihn noch nicht sieht, ja. Ja, deshalb ist Geduld so wichtig und deshalb sind unrealistische Erwartungen so gefährlich. Sie machen ungeduldig, man erwartet schnelle Ergebnisse und wenn sie nicht kommen, denkt man, es funktioniert nicht. Aber vielleicht funktioniert es. Es braucht nur mehr Zeit als erwartet. Genau, die Frage ist nicht immer, funktioniert das? Manchmal ist die Frage, habe ich genug Geduld? Das ist eine sehr ehrliche Frage und manchmal schwer zu stellen, weil man nicht gerne zugibt, dass man ungeduldig ist, dass man schnelle Ergebnisse will, ja. Ja, aber Ungeduld ist auch menschlich. Wir leben in einer Zeit der Schnelligkeit, alles soll sofort gehen. Sofortige Nachrichten, sofortige Antworten, sofortige Ergebnisse. Und dann überträgt man diese Erwartung auf Dinge, die Zeit brauchen, wie Wachstum, wie Lernen, wie Beziehungen, ja. Ja, man überträgt die Geschwindigkeit der Technologie auf das Tempo des Lebens, aber das Leben hat sein eigenes Tempo und das lässt sich nicht beschleunigen. Das stimmt. Man kann manche Dinge nicht einfach herunterladen, reife Weisheit, echte Freundschaft, Selbstkenntnis, die brauchen Zeit. Die kommen mit Erfahrung, nicht mit Geschwindigkeit. Lass uns jetzt über unrealistische Erwartungen an sich selbst sprechen. Ich glaube, das ist vielleicht der schwierigste Bereich. Ja, weil die Stimme, die unrealistische Erwartungen an uns stellt, oft unsere eigene Stimme ist. Man ist oft der strengste Richter über sich selbst. Ja, man erwartet von sich immer produktiv zu sein, immer gut zu funktionieren, immer stark zu sein, nie müde, nie unsicher, nie traurig, immer bereit, immer belastbar, immer gut gelaunt. Das ist eine unmögliche Erwartung, weil Menschen keine Maschinen sind. Wir haben schlechte Tage, wir haben Momente der Schwäche, wir haben Zeiten, wo wir einfach nichts leisten können, weil wir erschöpft sind, weil wir krank sind, weil wir gerade durch etwas Schwieriges gehen. Und das wären gute Gründe. Genau, man muss fair zu sich selbst sein. Fair bedeutet, man schaut sich die Situation wirklich an, man fragt, was ist gerade los, was ist realistisch in dieser Situation? Und wenn man krank ist, dann ist es realistisch, weniger zu schaffen. Wenn man traurig ist, dann ist es realistisch, weniger Energie zu haben. Wenn man gerade durch eine große Veränderung geht, dann ist es realistisch, unsicher zu sein. Ja, die Erwartungen müssen sich der Situation anpassen, nicht immer dieselben hohen Erwartungen, egal was gerade ist. Das ist Flexibilität mit sich selbst, nicht Faulheit, nicht aufgeben, sondern ich schaue, wo ich gerade bin und ich erwarte von mir etwas, das in dieser Situation möglich ist, ja. Ja, man kann nicht von einer Person, die gerade einen schweren Verlust erlebt hat, erwarten, dass sie genauso funktioniert wie vorher. Das wäre grausam, aber man ist oft bereit, genau das von sich selbst zu erwarten. Das stimmt, man würde einem Freund in dieser Situation nie sagen, reiß dich zusammen, funktioniere einfach, aber sich selbst sagt man das sehr schnell. Weil man von sich selbst so viel mehr erwartet als von anderen. Man hat einen anderen Maßstab für sich selbst. Und das ist ein Zeichen von unrealistischen Erwartungen an sich selbst, wenn der Maßstab für sich selbst viel strenger ist, als der für andere, dann ist etwas aus dem Gleichgewicht. Ja, der gesunde Maßstab wäre, was würde ich von einem guten Freund erwarten, der in meiner Situation ist und dann das gleiche von mir selbst erwarten. Das ist Selbstmitgefühl. Man behandelt sich selbst so, wie man einen guten Freund behandeln würde. Genau, nicht weicher als nötig, nicht unkritisch, aber freundlich, verständnisvoll, fair. Ich möchte jetzt über etwas sprechen, dass ich sehr interessant finde. Und zwar, woher kommen unrealistische Erwartungen, was sind die Quellen? Oh, das ist eine wichtige Frage, weil wenn man versteht, woher sie kommen, dann kann man sie besser erkennen, ja. Ja, eine große Quelle, die haben wir schon angesprochen, sind soziale Medien und Medien allgemein. Man sieht Bilder von perfekten Körpern, perfekten Häusern, perfekten Familien, perfekten Karrieren und dann denkt man, so sollte es sein. Aber das sind Bilder, inszenierte Momente. Jemand hat sich schön gemacht, das richtige Licht gesucht, das perfekte Foto gemacht, es bearbeitet und dann zeigt er diesen einen Moment, nicht den Rest des Tages, nicht die Unordnung im Hintergrund, nicht das Gespräch, dass kurz vor dem Foto stattgefunden hat, ja. Ja, man sieht einen winzigen Ausschnitt und hält ihn für das ganze Bild. Das ist eine Verzerrung, eine Verfälschung der Realität. Und wir wissen das rational, wissen wir, dass soziale Medien nicht die ganze Wahrheit zeigen, aber emotional, da glauben wir es doch. Da vergleichen wir uns, da fühlen wir uns nicht gut genug, ja. Ja, das rationale und das emotionale sind oft getrennt. Man kann rational sagen, das ist nicht echt und gleichzeitig emotional denken, warum bin ich nicht so? Das ist ein sehr ehrlicher Punkt und das zeigt, wie stark diese Bilder sind, wie tief sie in uns eindringen. Eine andere Quelle von unrealistischen Erwartungen ist die Kindheit. Was man als Kind gelernt hat, was als normal galt, was man gesehen hat, ja. Ja, wenn man als Kind gesehen hat, dass die Eltern immer perfekt funktionieren, dann erwartet man das vielleicht auch von sich selbst. Wenn man gelernt hat, dass man immer stark sein muss, nie weinen darf, immer alles schaffen muss, dann trägt man diese Erwartung mit ins Erwachsenenleben. Und manchmal sind das Erwartungen, die andere von einem hatten, die Eltern, die Lehrer, die Gesellschaft. Und man hat diese Erwartungen übernommen, als wären sie die eigenen, ohne je zu fragen, ist das wirklich realistisch? Ist das wirklich, was ich von mir will? Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Manche Erwartungen an sich selbst sind gar nicht die eigenen. Sie wurden von außen übernommen und man hat sie nie hinterfragt. Ja, man trägt Erwartungen mit sich, die vielleicht 20 oder 30 Jahre alt sind, die aus einer anderen Zeit kommen, aus einer anderen Situation, von anderen Menschen und sie sind immer noch aktiv, wie alte Programme, die noch laufen. Das Bild mit dem alten Programm gefällt mir. Wie ein Computer, der noch sehr alte Software läuft. Die Software war damals vielleicht sinnvoll, aber heute ist sie nicht mehr passend und manchmal muss man die Software aktualisieren, ja. Ja, man muss die alten Erwartungen anschauen und fragen, ist das noch wahr? Ist das noch passend, oder war das von jemand anderem und ich habe es einfach übernommen? Das ist persönliche Entwicklung, das genaue Hinschauen auf das, was man von sich erwartet und das ehrliche Hinterfragen. Eine weitere Quelle von unrealistischen Erwartungen ist das, was ich das alles oder nichts denken nenne. Man denkt, wenn ich es nicht perfekt machen kann, dann mache ich es gar nicht. Wenn ich nicht jeden Tag trainieren kann, dann trainiere ich gar nicht. Wenn ich nicht vollständig gesund essen kann, dann esse ich am besten gar nichts gesundes, ja, das ist ein sehr häufiges Muster. Man setzt die Latte so hoch, dass man sie fast nie erreichen kann und dann, wenn man sie nicht erreicht, gibt man ganz auf. Das ist auch eine Form von unrealistischer Erwartung. Man erwartet Perfektion und wenn keine Perfektion möglich ist, dann erscheint jede andere Lösung als Versagen. Aber das stimmt nicht, etwas teilweise zu tun ist viel besser als gar nichts zu tun. Einmal pro Woche trainieren ist besser als gar nicht trainieren. Manchmal gesund essen ist besser als nie gesund essen. Ja, Fortschritt ist besser als Perfektion. Das klingt einfach, aber es ist eine Einstellung, die man wirklich üben muss, weil das alles oder nichts denken sehr tief sitzt. Genau, man muss lernen, den mittleren Weg zu sehen. Nicht perfekt, nicht gar nichts, sondern etwas, etwas ist immer besser als nichts. Auf Deutsch gibt es einen schönen Spruch: besser gut als perfekt. Das bedeutet, es ist besser etwas gut zu machen und es wirklich zu tun, als es perfekt machen zu wollen und dann gar nicht zu starten. Das ist so wahr. Perfektion kann ein Hindernis sein. Man wartet auf den perfekten Moment, auf die perfekte Situation, auf die perfekten Bedingungen und in der Zwischenzeit tut man nichts, ja. Ja, der perfekte Moment kommt oft nie und dann hat man auf etwas gewartet, dass nie kommen wird. Lass uns jetzt über die Sprache sprechen. Wie kann man auf Deutsch über unrealistische Erwartungen sprechen, welche Sätze kann man benutzen? Gerne. Also, ein sehr direkter Satz ist: das war eine unrealistische Erwartung von mir. Das ist sehr ehrlich, man gibt zu, meine Erwartung war nicht passend, sie war zu hoch, sie war nicht fair. Dann gibt es, ich habe mir zu viel erwartet. Das bedeutet, meine Erwartung war zu groß. Ich habe zu viel erwartet von mir selbst, von anderen, von der Situation. Oder man sagt, ich habe erwartet, dass es einfacher ist.
[20:02]Das ist ein sehr natürlicher Satz. Man dachte, das ist leicht, aber in der Realität war es schwer und das hat zu Frustration geführt. Und wenn man jemandem helfen möchte, der unrealistische Erwartungen hat, dann kann man sagen, ich glaube, das ist ein sehr hoher Anspruch. Das ist ein sanfter Hinweis. Man sagt nicht, das ist falsch, man sagt, das ist sehr hoch, bist du dir das bewusst? Oder sei fair zu dir selbst. Das ist ein sehr freundlicher Satz. Er sagt, du verlangst zu viel von dir, behandle dich fairer.
[21:36]Und man kann auch sagen, lass dir Zeit. Das bedeutet, du musst nicht sofort alles schaffen, du musst nicht sofort perfekt sein. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, ja. Ja, diese Sätze sind alle sehr einfach, aber sehr kraftvoll. Sie helfen einen Schritt zurückzutreten und die eigene Erwartung neu zu bewerten. Ich möchte jetzt über etwas sprechen, dass ich sehr wichtig finde. Und zwar, was ist der Unterschied zwischen unrealistischen Erwartungen und hohen Standards? Oh, das ist eine sehr gute Frage, weil die zwei Dinge manchmal verwechselt werden. Man denkt, wenn ich keine unrealistischen Erwartungen haben soll, dann muss ich auch keine hohen Ansprüche haben, aber das ist nicht dasselbe, nein. Nein, hohe Standards sind gut, sie zeigen, dass man sich Mühe gibt, dass man Qualität möchte, dass man wachsen will, das ist wertvoll. Aber der Unterschied ist, hohe Standards sind erreichbar mit Arbeit, mit Zeit, mit dem richtigen Einsatz. Unrealistische Erwartungen sind nicht erreichbar, egal, wie sehr man sich anstrengt, weil sie von vorne rein nicht möglich sind. Ja, ein hoher Standard sagt, ich möchte wirklich gut werden in diesem Bereich. Ich arbeite daran, ich übe, ich verbessere mich. Das ist realistisch, es braucht nur Zeit. Eine unrealistische Erwartung sagt, ich möchte sofort perfekt sein, ohne Fehler, ohne Anstrengung, ohne Zeit. Das ist nicht realistisch, das ist unmöglich. Genau, der Unterschied liegt in der Zeit und in der Möglichkeit. Hohe Standards, möglich, aber braucht Zeit. Unrealistische Erwartungen, nicht möglich, unabhängig von der Zeit. Und man kann hohe Standards haben und gleichzeitig mit sich geduldig sein. Man sagt, ich möchte wirklich gut werden und ich weiß, dass das Zeit braucht und ich gebe mir diese Zeit. Ja, das ist die gesunde Kombination: Ambition Plus Geduld. Man will etwas und man ist bereit, den langen Weg dorthin zu gehen. Das ist sehr schön gesagt. Ambition plus Geduld, nicht Ambition plus Ungeduld, das führt zu Frust. Nicht Geduld ohne Ambition, das führt zu Stillstand, sondern beides zusammen, ja. Ja, man hat eine Richtung und man geht in diese Richtung, Schritt für Schritt, ohne zu erwarten, dass man sofort am Ziel ist. Ich möchte noch über etwas sprechen, dass mir sehr wichtig erscheint. Und zwar, Erwartungen an andere Menschen. Das ist ein Bereich, der sehr viel Konflikt verursachen kann. Ja, man hat Erwartungen an andere und manchmal erfüllen die anderen diese Erwartungen nicht und dann ist man verletzt, frustriert, enttäuscht. Und manchmal ist es berechtigt. Manchmal hat jemand wirklich Unrecht getan, manchmal hat jemand wirklich ein Versprechen gebrochen. Das ist keine unrealistische Erwartung, das ist eine legitime Enttäuschung. Ja, das ist wichtig zu unterscheiden. Nicht jede Enttäuschung kommt aus einer unrealistischen Erwartung. Manchmal macht der andere wirklich Fehler. Manchmal ist die Situation wirklich nicht fair. Aber es gibt auch viele Situationen, wo die Erwartung an den anderen unrealistisch war. Zum Beispiel, man erwartet von einem Freund, dass er immer erreichbar ist, dass er immer antwortet, dass er immer Zeit hat. Aber der Freund hat auch sein eigenes Leben, seine eigene Arbeit, seine eigenen Probleme. Oder man erwartet von einem Kollegen, dass er die Dinge genauso macht wie man selbst, mit demselben Standard, demselben Tempo, derselben Priorität. Aber jeder Mensch ist anders, jeder hat seinen eigenen Stil, ja. Ja, man projiziert die eigenen Erwartungen auf andere und dann ist man enttäuscht, wenn sie nicht so reagieren, wie man es sich erhofft hat. Das Wort projizieren, das ist interessant. Es kommt von Projektion, wie ein Filmprojektor, der ein Bild an die Wand wirft. Man nimmt das eigene Bild und wirft es auf den anderen. Man sieht den anderen durch das eigene Bild und dann sieht man nicht den echten Menschen, sondern das Bild, dass man von ihm hatte. Und wenn der echte Mensch nicht dem Bild entspricht, dann ist man enttäuscht, aber der Fehler liegt nicht beim echten Menschen. Er ist einfach er selbst, der Fehler liegt im Bild, dass man von ihm hatte. Das ist ein sehr tiefer Gedanke und ein sehr wichtiger. Man sieht andere Menschen oft nicht so, wie sie wirklich sind, sondern wie man glaubt, dass sie sind, oder wie man möchte, dass sie sind. Ja, und das ist fair, weil das ist einfach menschlich. Wir alle haben Bilder von anderen, aber man muss bereit sein, diese Bilder zu korrigieren, den echten Menschen zu sehen, nicht nur das eigene Bild von ihm. Und das braucht echtes Zuhören, echtes Interesse. Man fragt sich, was ist dieser Mensch wirklich, was möchte er, was kann er, was braucht er, statt, was erwarte ich von ihm, ja. Ja, wenn man mehr Zeit damit verbringt, den anderen zu verstehen, statt ihn nach eigenen Maßstäben zu beurteilen, dann gibt es viel weniger Enttäuschung und viel mehr echte Verbindung, weil der andere sich gesehen fühlt, nicht bewertet, gesehen. Das ist ein sehr schöner Gedanke. Gesehen werden, nicht bewertet werden, das wünscht sich jeder Mensch. Ich möchte noch über einen letzten Aspekt sprechen, und zwar, was macht man, wenn man merkt, dass man gerade eine unrealistische Erwartung hatte? Wenn man in der Enttäuschung steckt, was tut man? Ja, das ist die praktische Frage, weil man kann alles verstehen und trotzdem in einer Enttäuschung stecken. Ich glaube, der erste Schritt ist wieder, das Gefühl zulassen. Man darf enttäuscht sein, man muss nicht sofort denken, ah, das war eine unrealistische Erwartung, also bin ich jetzt sofort okay. Das wäre zu schnell, ja, zuerst fühlen. Zuerst fühlen, man gibt dem Gefühl Raum, man sagt, das tut weh, das ist traurig, das ist frustrierend. Man sitzt ein bisschen mit dem Gefühl, ohne es wegzuschieben. Und dann, wenn man ein bisschen ruhiger ist, dann kann man anfangen zu fragen, was habe ich erwartet, war das realistisch? Was wusste ich damals nicht, was ich jetzt weiß? Ja, man betrachtet die Erwartung mit etwas Abstand, nicht im heißen Moment, sondern danach, wenn man klarer denken kann. Und dann, und das ist vielleicht das Wichtigste, man lernt daraus, man fragt, was nehme ich aus dieser Situation mit? Wie kann ich beim nächsten Mal realistischer sein? Ja, nicht, ich bin so dumm, dass ich das erwartet habe, sondern das war eine gute Lernerfahrung. Ich verstehe jetzt besser, wie das wirklich funktioniert, und dann passt man die Erwartung an. Man geht realistischer in die nächste ähnliche Situation. Ja, das ist kein einmaliger Prozess. Es ist etwas, dass man immer wieder tut. Man erkennt eine unrealistische Erwartung, man lernt, man passt an, man erkennt wieder eine, man lernt wieder, man passt wieder an. Und mit der Zeit wird man realistischer, man kennt sich selbst besser, man kennt andere besser, man weiß, was Dinge wirklich brauchen. Man hat weniger Illusionen und dafür mehr echtes Verständnis. Ja, und das ist kein Verlust. Illusionen zu verlieren klingt traurig, aber es ist eigentlich eine reife, man sieht die Dinge klarer, man lebt ehrlicher und man ist weniger enttäuscht, weil man weiß, was wirklich erwartet werden kann und man schätzt die Dinge, die wirklich passieren, anstatt traurig zu sein über das, was nicht passiert ist. Das ist so schön. Man schätzt die Realität statt der traurig zu sein über die fehlende Illusion, ja. Ja, die Realität hat so viel zu bieten, aber wenn man immer ein anderes Bild vor Augen hat, dann sieht man das, was wirklich da ist, nicht mehr sehen. Lass uns jetzt zusammenfassen, was wir heute gelernt haben, gerne. Also, eine unrealistische Erwartung ist ein Bild im Kopf, dass nicht mit der Realität übereinstimmt, sie verursacht Enttäuschung, Frustration und manchmal tiefe Traurigkeit. Unrealistische Erwartungen kommen aus vielen Quellen, aus sozialen Medien und Filmen, die nur Highlights zeigen, aus der Kindheit und gelernten Mustern, aus dem Vergleich mit anderen, aus dem alles oder nichts denken. Man kann an sich selbst unrealistische Erwartungen haben, zu viel zu schnell erwarten und man kann unrealistische Erwartungen an andere haben, vergessen, dass andere auch Menschen mit eigenen Grenzen, eigenen Fehlern, eigenem Leben sind. Der Unterschied zwischen unrealistischen Erwartungen und hohen Standards ist wichtig. Hohe Standards sind erreichbar, sie brauchen Zeit und Arbeit. Unrealistische Erwartungen sind von vorne rein nicht möglich. Wenn man enttäuscht ist, zuerst das Gefühl zulassen, dann mit Abstand fragen, war meine Erwartung fair? Was kann ich daraus lernen? Man kann auf Deutsch sagen, das war eine unrealistische Erwartung von mir, oder ich habe mir zu viel erwartet, oder ich muss meine Erwartungen anpassen, oder ich bin zu streng mit mir gewesen, oder lass dir Zeit, oder besser gut als perfekt. Und vielleicht die wichtigste Erkenntnis, die Realität ist oft nicht schlechter als das Bild, sie ist einfach anders. Und wenn man offen ist, sie wirklich zu sehen, dann findet man dort oft mehr als man erwartet hatte. Ja, die Realität überrascht uns manchmal positiv, wenn wir aufhören nur auf das Bild in unserem Kopf zu schauen. Vielen Dank, dass ihr heute dabei wart. Ich hoffe, ihr habt heute nicht nur neue Wörter auf Deutsch gelernt, sondern auch einen fairen Blick auf eure eigenen Erwartungen mitgenommen. Ja, und denk daran, fair zu sich selbst zu sein ist keine Schwäche, es ist Weisheit. Bis zum nächsten Mal, tschüss und alles Gute.


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