[0:08]Guten Tag. Mein Name ist Dr. Fischer. Ich bin heute als Assistenzärztin auf der Station tätig. Ich würde gerne ein Anamnesegespräch mit Ihnen führen. Falls Sie etwas nicht richtig verstanden haben oder Fragen haben, lassen Sie es mich bitte wissen. Zunächst benötige ich einige persönliche Informationen, danach können wir fortfahren. Wie heißen Sie? Ich heiße Berthold Kröger. Schreibt man ihren Nachnamen mit Ö, also mit Umlaut? Ja, genau. Herr Kröger, sind die Schmerzen bzw. Beschwerden für Sie im Moment erträglich? Im Moment sind die Schmerzen so stark, dass ich davon aufgewacht bin und nicht mehr schlafen konnte. Alles klar. Ich stelle Ihnen zuerst ein paar Fragen zu den Beschwerden, dann schauen wir direkt weiter. Wie alt sind Sie, Herr Kröger? Ich bin 64 Jahre alt. Wann genau sind Sie geboren? Ich habe am 3. März 1965 Geburtstag. Wie groß sind Sie? Ich bin 175 cm. Wie viel wiegen Sie derzeit? Ich kann es nicht genau sagen, aber vor drei bis vier Monaten waren es etwa 88 kg. Können Sie mir sagen, wo genau es weh tut? Die Schmerzen sitzen im Unterbauch, vor allem auf der linken Seite. Wann haben die Schmerzen genau begonnen? Die Schmerzen haben gestern angefangen, etwa zwei Stunden nach dem Abendessen. Am Anfang waren sie eher leicht, aber sie sind nach und nach stärker geworden. Verstehe. Wie würden Sie die Schmerzen beschreiben? Die Schmerzen sind dumpf und drückend, zwischendurch auch krampfartig. Nach dem Stuhlgang haben sie sich ein bisschen gebessert, sind aber nicht ganz weggegangen. Strahlen die Schmerzen irgendwohin aus? Nein, eigentlich strahlen die Schmerzen nicht richtig aus. Sie bleiben vor allem im linken Unterbauch. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie etwas in Richtung Leiste ziehen, aber hauptsächlich sind sie lokal begrenzt. Wie würden Sie die Intensität ihrer Schmerzen einschätzen, wenn eins für leichte und zehn für unerträgliche Schmerzen steht? Am Anfang waren es vielleicht eine vier, im Moment eher eine sieben oder acht. Gibt es etwas, dass die Schmerzen beeinflusst, z.B. eine bestimmte Körperlage oder das Hinlegen? Nein, eigentlich nicht. Eine bestimmte Lage macht es weder deutlich besser noch schlimmer. Hatten Sie solche Schmerzen schon einmal? Nein, das ist neu für mich. Haben Sie zu Hause Medikamente eingenommen oder etwas gegen die Schmerzen versucht? Nein, ich habe nichts eingenommen. Haben Sie weitere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall? Mir ist gelegentlich etwas übel, aber ich habe nicht erbrochen. Durchfall habe ich keinen, eher das Gegenteil, der Stuhlgang ist etwas verstopft. Meinen Sie damit Veränderungen des Stuhlgangs? Ja, der Stuhlgang hat sich verändert. Ich war in den letzten Tagen eher verstopft. Haben Sie etwas Auffälliges beim Stuhl bemerkt, z.B. Blut? Nein, Blut habe ich nicht bemerkt. Der Stuhl sah eigentlich normal aus. Haben Sie eine starke Druckempfindlichkeit im Bauch? Ja, vor allem im linken Unterbauch tut es deutlich weh, wenn man darauf drückt. Haben Sie Fieber bemerkt oder Ihre Temperatur gemessen? Ich habe meine Temperatur nicht gemessen, aber mir ist zeitweise etwas warm und ich habe so ein leichtes Krankheitsgefühl. Haben Sie Schmerzen oder Juckreiz im Annalbereich? Nein, ich habe da weder Schmerzen noch Juckreiz. Haben Sie etwas Ungewöhnliches gegessen oder ein neues Medikament eingenommen? Nein, nichts Besonderes und auch keine neuen Medikamente. Haben Sie Probleme beim Wasserlassen, z.B. Brennen oder Blut im Urin? Derzeit habe ich keine Beschwerden. Vor etwa 8 Jahren hatte ich jedoch immer wieder Probleme, mit dem Wasserlassen zu beginnen. Deshalb war ich beim Arzt. Nach einigen Untersuchungen wurde eine Operation an der Prostata durchgeführt, über die Harnröhre. Seitdem ist es deutlich besser. Nehmen Sie derzeit Medikamente für die Prostata ein? Nein, dafür nehme keine Medikamente. Haben Sie in letzter Zeit eine Reise gemacht? Nein, ich war in letzter Zeit nicht unterwegs. Wie sind Sie ins Krankenhaus gekommen? Ich bin alleine mit dem Taxi gekommen. Wie ist Ihr Appetit normalerweise? Normalerweise habe ich echt guten Appetit. Wie ernähren Sie sich? Eher vegan, vegetarisch oder ganz normal mit allem? Ich esse eigentlich alles. Haben Sie in letzter Zeit ungewollt abgenommen oder zugenommen? Wie viel und in welchem Zeitraum? Ich kann es nicht genau sagen, aber an meiner Kleidung habe ich keine Veränderung bemerkt. Wie ist Ihr Schlaf? In der Regel schlafe ich gut. Meine Frau hat mir allerdings berichtet, dass ich im Schlaf schnarche. Morgens habe ich manchmal leichte Kopfschmerzen, die nach einem Kaffee besser werden. Haben Sie deswegen schon einmal einen Arzt aufgesucht? Ja, der Arzt hat mir empfohlen, auf mein Gewicht zu achten und bei anhaltenden Beschwerden wiederzukommen. Wie gehen Sie mit Stress um? Ich nehme manchmal Baldrian Dragees, das hilft einigermaßen. Es beruhigt mich ein bisschen. Haben Sie Vorerkrankungen, z.B. Bluthochdruck oder Probleme mit inneren Organen? Ja, vor etwa 15 Jahren wurden bei einer Vorsorgeuntersuchung Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte festgestellt. Außerdem hatte ich damals kurzzeitig Sehstörungen am rechten Auge. Der Arzt meinte, dass sei ein Warnzeichen für einen Schlaganfall gewesen, aber es ist alles folgenlos verlaufen. Messen Sie ihren Blutdruck zu Hause? Ja, ich messe ihn alle paar Tage und auch dann, wenn ich denke, dass er zu hoch ist. Die Werte sind aber meist unter Kontrolle, z.B. etwa 130. Liegen bei Ihnen Komplikationen vor, z.B. Nierenprobleme oder Herzkreislauferkrankungen? Nein, davon ist mir nichts bekannt. Waren Sie schon einmal wegen zu hoher oder zu niedriger Blutdruckwerte im Krankenhaus? Nein, bisher zum Glück nicht.
[5:59]Welche Medikamente nehmen Sie dagegen ein? Ich nehme Ramipril gegen den Blutdruck und Atorvastatin gegen die Blutfettwerte. In welcher Dosierung nehmen Sie die Medikamente ein? Ramipril 5 mg einmal täglich und Atorvastatin 20 mg abends. Gibt es noch etwas, dass Sie hinzufügen möchten? Ja, aber ich kann mich nicht mehr an den genauen Namen erinnern. Können Sie sich vielleicht an die Symptome erinnern? Ich hatte vor etwa 30 Jahren vor allem Rückenschmerzen, besonders morgens nach dem Aufstehen. Dann war ich oft steif und es hat eine Weile gedauert, bis ich mich wieder richtig bewegen konnte. Bewegung tat mir gut, in Ruhe wurde es eher schlimmer. Waren auch andere Gelenke betroffen? Ja, gelegentlich hatte ich auch Schmerzen in den Hüften und manchmal im Gesäßbereich, aber die Hauptbeschwerden waren im Rücken. Welche Behandlung haben Sie damals erhalten? Ich habe zunächst Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente bekommen. Außerdem wurde mir regelmäßige Bewegung und Physiotherapie empfohlen. Damit ging es mir deutlich besser. Wie geht es Ihrem Rücken im Moment? Im Moment ist es mit dem Rücken gut. Ich habe keine nennenswerten Beschwerden. Hatten Sie schon einmal einen medizinischen Eingriff? Ehrlich gesagt, mit 50 Jahren hat meine Ärztin mir eine Darmspiegelung empfohlen, aber ich habe sie nicht durchführen lassen. Stattdessen habe ich mehrmals einen Stuhltest gemacht. Nehmen Sie noch andere Medikamente? Ja, ich nehme ASS mittags zur Vorbeugung im Herzkreislaufbereich. Haben Sie ein Rezept für ihre Medikamente? Ja, habe ich. Sind Sie vollständig geimpft, also haben Sie alle Impfungen seit ihrer Kindheit erhalten? Ehrlich gesagt, kann ich das nicht genau beantworten. Das ist schon viele Jahre her. Aber mein früherer Arzt, Herr Dr. Weiß, müsste diese Informationen haben. Ich kann Ihnen gern die Kontaktdaten geben. Ja, das passt. Haben Sie Allergien oder Unverträglichkeiten? Ja, Novalgin habe ich nicht vertragen. Beim ersten Mal habe ich es wegen Rückenschmerzen eingenommen, danach bekam ich juckenden Hautausschlag und Schwindel. Deshalb habe ich das Medikament abgesetzt und bin in die Praxis gegangen. Außerdem habe ich einen Nickelallergie. Wenn ich z.B. einen Gürtel mit Nickel trage, wird die Stelle rot und juckt. Rauchen Sie? Wenn ja, seit wann und wie viel? Ja, seit etwa 35 Jahren. Ich rauche täglich ungefähr 15 Zigaretten. Ich habe schon versucht mit Pflastern aufzuhören, aber das war nicht erfolgreich. Gut zu hören, Herr Kröger. Das ist eine gute Entscheidung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Rauchentwöhnung. Darüber können wir am Ende des Gesprächs gerne noch ausführlicher sprechen. Trinken Sie Alkohol, wenn ja, wie viel und welche Art? Nur zu besonderen Anlässen wie Feiern oder Partys. Meist ein Glas Rotwein oder Bier. Kam es schon einmal vor, dass sie aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums Symptome einer Vergiftung hatten? Nein, das ist bisher nie vorgekommen. Darf ich Sie fragen, ob Sie schon einmal Drogen konsumiert haben? Nein, noch nie. Treiben Sie regelmäßig Sport? Welche Art und wie häufig? Ich betreibe nicht allzu viel Sport. Was sind Sie von Beruf? Ich habe ein eigenes Unternehmen. Wir erstellen Lernmaterialien für das Abitur. Wie ist ihr Familienstand? Ich bin verheiratet und lebe mit meiner Frau zusammen. Mein Sohn studiert an der Universität. Ist er gesund? Ja, er ist gesund. Gibt es in ihrer Familie wichtige Erkrankungen, beispielsweise bei ihren Eltern, Geschwistern oder anderen nahen Verwandten? Mein Vater ist mit 32 Jahren bei einem Unfall gestorben. Meine Mutter ist mit 68 Jahren an einem fortgeschrittenen Darmkrebs gestorben und hatte außerdem Bluthochdruck. Das tut mir sehr leid zu hören. Das muss eine sehr belastende Zeit für Sie gewesen sein. Haben Sie Haustiere? Nein, ich halte keine Tiere. Wir sind mit der Anamnese fertig. Haben Sie noch Fragen? Was ist denn genau mit mir los? Ist das Krebs? Ich verstehe, dass Sie sich Sorgen machen. Im Moment kann ich das noch nicht sicher sagen, weil wir zuerst Untersuchungen brauchen. Nachdem was Sie bisher geschildert haben, spricht vieles eher für eine Entzündung im Darm. Das ist in der Regel gut behandelbar. Wir gehen jetzt Schritt für Schritt vor, zuerst untersuchen wir Sie körperlich und nehmen Blut ab, eventuell machen wir eine Ultraschall oder CT Untersuchung. Danach können wir Ihnen genauer sagen, was dahinter steckt und welche Behandlung am besten ist.



