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Wie Gründer geboren werden | Michael M. Gielnik | TEDxLeuphanaUniversityLüneburg

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[0:06]Titel meines Vortrages ist, wie werden Gründer geboren? Aber ich möchte zuerst mit einer anderen Frage anfangen. Und zwar mit der Frage generell, werden Gründer geboren? Und das ist eine Frage, mit der sich Wissenschaftler lange, lange Zeit auseinandergesetzt haben, mehrere Generationen von Wissenschaftlern. Und Sie können sich vorstellen, Sie sind hier an der Universität, die Wissenschaftler schreiben dann Artikel und Buchkapitel und noch mehr Artikel und noch mehr Buchkapitel und beschäftigen sich im Detail damit. Und irgendwann mal geht das dann auch in die Populärmedien, ne? Das ist jetzt ein eine Überschrift, die ich aus einem Beitrag von CNBC vom letzten Jahr habe, wo eben auch gefragt wurde, are true entrepreneurs born? Werden die geboren? Und ich glaube, die Wissenschaft war sich selten so eins, und es gibt eine ganz, ganz klare Antwort auf diese Frage, werden Unternehmer, werden die geboren? Und die Antwort ist klar, ja. Alle Unternehmer werden tatsächlich irgendwann mal geboren. Es mag unglaublich erscheinen, aber ja, es ist tatsächlich der Fall. Und selbst Richard Branson, vielleicht so der Archetyp eines Unternehmens, der unzählige Unternehmen gegründet hat, ne? Und Sie können sich vorstellen, die Figur von Richard Branson groß, männlich, markant, lange graue Haare, Bart. Irgendwann war auch dieser kleine süße Fratz, ne? Und war damals dann schon klar, ist das ein Unternehmer? Und Sie mögen jetzt, Sie mögen jetzt sagen, okay, ne, das ist platt, einfach zu sagen, okay, Unternehmer werden geboren. Klar werden die geboren, ne? Und Sie haben da sicherlich auch recht, dass es platt ist. Und es ist aber tatsächlich eine Frage, die gestellt wurde, und dazu gab es dann auch Antworten hinsichtlich Persönlichkeitsmerkmale, die dann eben entsprechend mit Unternehmern in Verbindung gebracht werden. Ne? Und dann gibt es natürlich schön viele Listen von Persönlichkeitsmerkmalen, die dann aufgestellt werden. Und Sie kennen das mit den Listen, es gibt immer die zehn besten Sachen, die zehn besten Hits der 80er und die zehn schönsten Katzenvideos auf YouTube, die sich in irgendwelchen Bollknäuel verfangen haben. Und natürlich gibt es dann eben auch entsprechend eine Liste der zehn Anzeichen, ob Sie tatsächlich Unternehmer, das Potenzial zu einem Unternehmer haben oder nicht. Und wir haben uns die Literatur dazu mal angeschaut und dann einfach geschaut, okay, was sind denn so die einzelnen Persönlichkeitsmerkmale, die die einen Unternehmer ausmachen, ne? Und da gibt es dann eben so verschiedene, und das sind jetzt so zehn, die da immer wieder eine Rolle spielen, Leistungs-motivation, Gewissenhaftigkeit, Risikobereitschaft, Kontroll-überzeugung und so weiter. Also eine Liste an an Persönlichkeitseigenschaften, man sagt, okay, die hängen tatsächlich mit Unternehmertum zusammen. So, jetzt ist aber die Frage, wenn wir uns diesen kleinen süßen Fratz wieder anschauen, ne, und sagen, können wir tatsächlich diese Eigenschaften dieser Person zuschreiben, diesem kleinen süßen Baby, was da so unschuldig liegt? Und wenn wir das tatsächlich können, wenn wir die einzelnen Eigenschaften dieser Person dann zuschreiben können, Risikobereitschaft, Leistungs-motivation, Gewissenhaftigkeit, können wir dann damit wirklich intensiv vorhersagen, dass das ein Unternehmer wird? Wahrscheinlich können wir genauso gut vorhersagen, dass diese Person, die wir hier sehen, möglicherweise Astronaut wird, oder Vorstandsvorsitzender oder Berater, weil genau diese Eigenschaften dafür eben genauso eine wichtige Rolle spielen. Und von daher ist dann eben auch die Frage, wenn wir diese Person haben, wie vorgezeichnet ist es denn? Ne? Stellen Sie sich vor, wir könnten tatsächlich diese einzelnen Eigenschaften dieser Person zuschreiben, und wie vorgezeichnet wäre es dann tatsächlich, wenn wir sagen, das sind Unternehmereigenschaften, und diese Person hat diese Eigenschaften. Wie vorgezeichnet ist es denn, dass diese Person dann tatsächlich auch Unternehmer wird? Wo Sie dann sagen würden, diese Eigenschaften besitze ich seit der Wiege, bin ich Unternehmer oder bin ich kein Unternehmer? Ist das vorgezeichnet für mich? Und ich möchte das anhand von einem Beispiel illustrieren.

[4:02]Ich möchte hier Janet vorstellen. Das ist jetzt ein Bild von 2014. Janet ist Unternehmerin, und das Bild ist aufgenommen in Kampala, Uganda, wo wir sehr, sehr viele arbeiten. Und das ist Janet vor ihrer Eisdiele. Sie hat in Kampala, in Uganda, das ist die Hauptstadt, hat sie die erste Eisdiele aufgemacht. Und das ist nur eines von den Unternehmen, die Janet gegründet hat. Janet ist eine sehr, sehr erfolgreiche Unternehmerin. Janet hat diese Eisdiele aufgemacht. Janet hat ein Unternehmen im IT-Bereich gegründet. Janet hat ein Unternehmen im Eventmanagement-Bereich gegründet, hat mehrere Mitarbeiter, und Janet ist eine sehr erfolgreiche Portfolio-Unternehmerin. Und ich habe Janet das erste Mal kennengelernt 2009. Und das war in dem Zusammenhang, als wir ein Entrepreneurship Training durchgeführt haben, und wenn Sie da Janet kennengelernt hätten, hätten Sie nie gedacht, dass diese Person tatsächlich erfolgreiche Unternehmerin wird. Und sie hat das von sich selber auch nicht gedacht. Janet hat tatsächlich von sich selber behauptet, ich bin schüchtern. Ich traue mich nicht, mit anderen Menschen zu reden, geschweige denn, mit anderen Menschen tatsächlich zu verhandeln, möglicherweise auch mit Geschäftsleuten zu verhandeln. Janet hat keine von diesen Persönlichkeitseigenschaften gehabt, die wir gerade eben gesehen haben, oder nicht viel davon. Janet hat in dem Sinne dann eigentlich nicht diese typische, klassische Persönlichkeitseigenschaften mitgebracht, die einen Unternehmer dann eben ausmachen, oder wo wir sagen würden, damit muss man geboren werden, um Unternehmer zu werden. So, das heißt, die Frage, werden Gründer geboren? Das ist eigentlich gar nicht die Frage, die wir stellen müssen, sondern die Frage, die wir stellen müssen, ist, wie werden Gründer geboren? Und das ist eine Antwort, basierend auf Janet, die ich heute geben möchte, und dazu möchte ich unser Training vorstellen, weil wir haben Janet, oder ich habe Janet, damals im Zusammenhang mit unserem Entrepreneurship Training kennengelernt, was wir in Uganda durchgeführt haben. Und Janet war eine der ersten Studierenden, die 2009 an dem allerersten Training an der Makarere University in Uganda teilgenommen hat. Und damals, wie gesagt, habe ich sie als sehr, sehr schüchterne Person wahrgenommen. Und sie hat dann dieses Training durchlaufen, und das Training haben wir mittlerweile mit ungefähr 3000 Studierenden in Afrika gemacht, in verschiedenen Ländern Afrikas, Kenia, Uganda, Ruanda, Tansania, Liberia, Lesotho. Wir gehen jetzt auch auf die Philippinen, machen es da an der Bicol University, ähm werden jetzt auch zukünftig in Mexiko gehen, wo wir da an der Universität das Training tatsächlich durchführen können. Und es sind zwei Punkte, die bei diesem Training ganz entscheidend sind, wieso wir sagen, dieses Entrepreneurship Training hilft tatsächlich Menschen, eine Karriere als Unternehmer einzuschlagen. Und das sind zwei Punkte, und ich möchte es ganz kurz erklären. Und das sind jetzt zwei Studierende hier von der Universität in Dar es Salaam, und das sind zwei Punkte, also ein Weg, wie Gründer geboren werden, ist durch dieses Training, und dieses Training hat eben eine Komponente, wo wir sagen, basierend auf allem, was wir wissen, hinsichtlich Erfolgsfaktoren im Bereich Unternehmertum. Da gibt es viele Theorien, da gibt es viele wissenschaftliche Erkenntnisse, und wenn wir diese Erkenntnisse tatsächlich nutzen und sagen, wir transformieren das so in einer Art und Weise, dass Studierende das leicht verstehen und sofort anwenden können, und verstehen, was sie zu tun haben und wie sie zu tun haben, um ein Unternehmen erfolgreich zu gründen, ist das schon mal der erste Schritt, dieses Verständnis zu entwickeln, wie werde ich Unternehmer? Und der zweite Punkt, und das ist in meinen Augen der viel, viel entscheidendere Punkt, ist, dass wir dieses Training sehr, sehr, sehr Handlungsorientiert aufgezogen haben. Und wir haben gesagt, wir zwingen quasi die Studierenden in der allerersten Trainingssession ein kleines Unternehmen zu gründen. Die allererste Sitzung sieht im Endeffekt so aus, dass wir sagen, was ist eine Geschäftsidee? Und ich glaube, wir sitzen hier alle und haben irgendwo eine Idee im Hinterkopf, wo wir sagen, das sollte doch tatsächlich mal jemand machen. Das wäre eine Idee, wenn es die gäbe, wäre es toll. Und ich glaube, die Ideen haben wir alle gehabt. Und wenn wir jetzt sagen, okay, dann nehmen Sie einfach diese Idee, und wir bieten Ihnen eine sichere Umwelt. Na? Also, wenn Sie in dem Training Fehler machen, ist überhaupt nicht schlimm. Wir reden darüber, wir können das eben entsprechend steuern. Sie probieren sich einfach mal aus, lernen von ihren Fehlern, bewältigen Probleme und Hindernisse, die ohne Zweifel auftauchen werden in diesem Prozess, wo sie dieses Unternehmen gründen. Und hier, das ist jetzt eine Studierende, ebenfalls aus Uganda, die gesagt hat, okay, ich mache mit meinen Mitstudierenden mache ich einfach ein kleines Unternehmen auf, und wir bieten Gebäck an. Wir machen es einfach so, wir besorgen uns die Zutaten, wir stellen verschiedene Arten von Gebäck und von von Brot und Brötchen her und das ist das, was wir anbieten und das ist das, was wir in den zwölf Wochen von dem Training machen wollen. So, dass dann alles, was die Studierenden theoretisch lernen, wovon ich eben gesprochen habe, diese Prinzipien, wie und was habe ich zu tun, dass es direkt transformiert wird und direkt angewandt wird von den Studierenden, die sich ausprobieren. Die sagen, ich gehe raus, ich kriege ein bisschen Startkapital, ich probiere es mal aus, wie ist es denn, wenn ich so eine kleine Bäckerei aufmache, wenn ich zusehen muss, wo kriege ich meine Ressourcen her, wenn ich zusehen muss, was für Kunden habe ich dann, wie kann ich mich denn absetzen gegenüber anderen Leuten, die das gleiche anbieten, wie kann ich das vielleicht ein kleinen Ticken besser machen? So, dass ich damit meinen Kollegen, mit meinen Mitstudierenden, hier ein Unternehmen innerhalb von zwölf Wochen aufziehe, ein Micro Business in dem Sinne, und einfach mal den kompletten Prozess durchlauf und sehe, wie funktioniert das, wie kann ich das machen? Und das ist so diese Handlungsorientierung, wo wir sagen, der ganze Glaube möglicherweise und das ganze Wissen, was notwendig ist, um ein Unternehmen zu gründen, das können wir auch in zwölf Wochen packen. Und jetzt haben wir mit Janet gesprochen, und das ist eben eine Sache. Und Janet hat es uns erzählt, und wir wissen das, weil wir jetzt nach fünf Jahren habe ich mich mit Janet noch mal getroffen. Und sie hat mir eben erzählt, wie stark sie von dem Training profitiert hat, wo sie gesagt haben, ja, ne? Also das war quasi ein Turning Point, wo ich gemerkt habe, ich habe diese ganzen Persönlichkeitseigenschaften gar nicht mitgebracht, aber ich habe es trotzdem gemacht, weil ich dann gelernt habe, an mich zu glauben, und ich habe die Fähigkeiten und Fertigkeiten gelernt, dass ich tatsächlich umsetzen kann. So, jetzt ist natürlich das ist eine Geschichte, und deswegen möchte ich Ihnen nicht nur diese eine Geschichte erzählen, um das zu illustrieren. Sondern es ist auch so, dass wir sämtliche Studierenden, mit denen wir dann eben zusammenarbeiten, und das ist jetzt ein Beispiel aus Uganda, und wir machen im Endeffekt diese Studien jedes Mal, wenn wir ein Training durchführen, und es ist erstaunlich, wie konsistent eigentlich dieses Muster ist von dem, was bei den Studierenden dann im Anschluss passiert. Und wir haben immer eine Gruppe von Studierenden, das sind meistens 200 Studierende, die das Training dann durchlaufen, und wir haben parallel eine Gruppe von 200 Studierenden, wir nennen sie Kontrollgruppe, die das Training nicht erhalten, die das Training zu einem späteren Zeitpunkt erhalten, wenn wir unsere Studien, unsere Untersuchung abgeschlossen haben, um einfach vergleichen zu können, was passiert nach dem Training, weil diese Studierenden werden zufällig in die beiden Gruppen aufgeteilt, und das heißt, wir können danach davon ausgehen, dass jeder Unterschied zwischen den Studierenden, weil sie davor waren sie äquivalent, war ein reiner Zufallsprozess, wie wir die ausgewählt haben, dass wir danach Unterschiede tatsächlich auch von das Training attribuieren können. Und was wir hier sehen, und das soll einfach nur stellvertretend sein für die Ergebnisse, die wir in den anderen Ländern auch kriegen. Was wir hier sehen, ist im Endeffekt die Geschichte von Janet in Zahlen ausgedrückt.

[11:50]Das Studierende, die von sich aus nie gesagt hätten, ich bin Unternehmer, die von sich gesagt hätten, ich wurde nie als Unternehmer geboren, so wurde ich nicht geboren, dass sie nichtsdestotrotz für sich die Entscheidung getroffen haben, ich möchte trotzdem ein Unternehmen aufmachen, und das tatsächlich auch erfolgreich getätigt haben. Und was ist jetzt tatsächlich das, was wir möglicherweise dann daraus mitziehen können, wo wir sagen können, okay, was ist denn jetzt das der der Punkt daran? Ne? Die Frage ist eigentlich, werden Gründer geboren, ist gar nicht die entscheidende Frage, sondern wie werden Gründer geboren, ist glaube ich, die Frage, die wir stellen müssen. Und eine Antwort, da gibt es mehrere Antworten, es gibt mehrere Möglichkeiten, das möchte ich gar nicht, möchte ich gar nicht ausschließen, aber eine Antwort ist durch Training, durch unser Training möglicherweise durch andere Arten von Training. Und was bedeutet das denn als zweiten Punkt? Der zweite Punkt ist, egal, ob man als Unternehmer geboren wird oder nicht, wir können immer noch diese Entscheidung anschließend treffen und wir müssen nicht als Unternehmer geboren werden. Wir können trotzdem erfolgreiche Unternehmen gründen, und wenn wir dann sagen, das können wir nicht nur auf Unternehmertum extrapolieren, sondern letztendlich gilt das für alles andere auch, wo wir dann sagen, egal als was wir geboren oder als was wir nicht geboren werden, wir werden tatsächlich das, was wir dann im Verlauf des Lebens machen. Danke schön.

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