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Nietzsche erklärt | Promis der Geschichte mit Mirko Drotschmann | MDR DOK

MDR DOK

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[0:00]Gott ist tot. Das ist der berühmteste Satz des Philosophen Friedrich Nietzsche und der wurde ungefähr genauso oft falsch interpretiert, wie seine Aussage, du gehst zu Frauen, vergiss die Peitsche nicht. Friedrich Nietzsche ist der wahrscheinlich umstrittenste Philosoph aller Zeiten mit traurigen Augen und einem der berühmtesten Schnurrbärte der Welt. War er aber ein Revolutionär oder einfach nur ein Verrückter? Und was hat das alles, was er da von sich gegeben hat, mit Superman zu tun? Darum geht's jetzt.

[0:35]Friedrich Nietzsche wird geboren am 15. Oktober 1844 in der Nähe von Leipzig. Und schon im Alter von 5 Jahren muss er einen schmerzlichen Verlust hinnehmen, denn sein Vater stirbt. Und von nun an wächst er in einer Weiberwirtschaft auf. Da ist seine Schwester, seine Mutter, seine Großmutter und auch noch das Dienstmädchen Mine. Das prägt ihn bis an sein Lebensende. Fritzchen, wie er damals oft genannt wird, ist ein verträumtes Kind, ein Kind, das die Natur liebt und später, ja so ein ziemlicher Eigenbrötler wird. In der Schule ist Friedrich Nietzsche aber richtig gut. Im Gymnasium Naumburg liefert er ordentliche Leistungen ab, so ordentlich, dass er auf die Landesschule Pforte kommt, wo er schließlich auch sein Abitur macht. Danach geht's weiter mit einem Studium in Bonn und in Leipzig. Und auch in der Uni geht Friedrich Nietzsche ziemlich steil. 1869 verlässt Friedrich Nietzsche im Alter von nur 24 Jahren die Uni ohne eine Prüfung ablegen zu müssen als Doktor und wird schließlich als Professor nach Basel berufen, als Professor für Philologie. Das klingt zwar gut, für ihn selbst ist das aber gar nicht so toll, denn eigentlich möchte er mit seinem besten Freund nach Paris gehen und dort arbeiten. Aber er sagt sich, na gut, das mit Basel ist ja auch nicht so schlecht und deshalb geht er dahin. Zu diesem Zeitpunkt interessiert sich Friedrich Nietzsche eigentlich schon viel mehr für Philosophie als für Philologie, aber Basel kommt ihm auch deshalb nicht ganz unrecht, weil dort Richard Wagner lebt und bewundert er sehr. Richard Wagner lebt dort mit seiner jungen Frau Cosima und Friedrich Nietzsche besucht die beiden ziemlich oft. Und auch sein erstes großes Werk vom Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik, das ist deutlich geprägt von Richard Wagner. Im Vorwort richtet er sich sogar direkt an sein großes, na ja, Idol wäre vielleicht nicht das richtige Wort, aber doch an jemanden, den er sehr sehr bewundert. Und auch wenn Friedrich Nietze später mit Richard Wagner bricht, ist er sehr sehr bestürzt über dessen Tod 1883. Und sein letztes Werk, das Friedrich Nietzsche schreibt, das beschäftigt sich auch mit Richard Wagner, nämlich Nietzsche Kontra Wagner, 1888 erscheint das. Aber ob das mit Basel unterm Strich wirklich so eine gute Idee war, das kann man auf jeden Fall bezweifeln, denn Friedrich Nietzsche wird immer unglücklicher. Er macht zwar einen guten Job, seine Studenten mögen ihn auch, aber als Philologe sieht er sich einfach nicht mehr, er sieht sich vielmehr als Philosoph. Versucht dann auch das Fach zu wechseln, das klappt nicht so ganz und nachdem er schwer krank wird, mehrere Kuren hinter sich hat, die nichts gebracht haben, hört er schließlich mit seiner Lehrtätigkeit auf. Jetzt könnte man natürlich sagen, Moment mal, warum sucht sich Nietze nicht einfach eine Partnerin, die ihm so ein bisschen den Rücken stärkt und immer an seiner Seite ist? Na ja, das hängt damit zusammen, dass er sich irgendwie immer in die falschen Frauen verliebt. Er ist oft unglücklich verliebt und vor allem steht die Arbeit für ihn an erster Stelle. Er hat ein ziemlich seltsames Verständnis von Ehe und Partnerschaft. In menschliches, allzu menschliches notiert er z.B. die Ehen, welche aus Liebe geschlossen werden, haben den Irrtum zum Vater und die Not zur Mutter. Und weiter sagt er, wenn die Ehegatten nicht beisammen lebten, würden die guten Ehen häufiger sein. Na ja, bei solchen Aussagen und Gedanken kann man auf jeden Fall verstehen, dass Nietzsche allein bleibt, aber das sorgt dafür, dass er jede Menge Zeit für seine Arbeit hat. Er kann sich richtig reinknien, er setzt sich selbst keine Denkverbote, er ist ein radikaler Denker, der sich immer wieder unbequeme Wahrheiten zurechtlegt und seine berühmteste Aussage ist die, die ich am Anfang auch schon zitiert habe. Gott ist tot. Dieser Satz, der übrigens nicht aus Also sprach Zarathustra stammt, was oft angenommen wird, sondern aus der fröhlichen Wissenschaft, wird unglaublich oft falsch verstanden. Friedrich Nietzsche meint damit nicht, dass er hofft, dass Gott tot ist, sondern er stellt das lediglich fest. Das merkt man, wenn man sich mal den gesamten Kontext dieses Zitates anschaut und Friedrich Nietzsche spielt damit auf die christlichen Werte an, die seiner Meinung nach inzwischen nur noch scheinheilig sind. Er sagt, es braucht einen neuen Menschen. In seinen Vorlesungen spricht er davon, dass dieser neue Mensch geprägt sein muss von Wille und Macht und nicht mehr von Glaube und Mitleid. Ist natürlich stark vereinfacht, aber so ungefähr ist es und wird natürlich auch schon zu seiner Zeit stark und kontrovers diskutiert. Das das, was er davon sich gibt, ziemlich starker Tobak ist, um mal eine nicht so moderne Formulierung zu verwenden. Das weiß Friedrich Nietzsche natürlich und er sagt auch, also spätestens jetzt hält man mich in Deutschland wahrscheinlich für verrückt, aber er ist keineswegs verrückt, sondern einfach nur seiner Zeit voraus. Zwischen 1883 und 1884 schreibt er an seinem großen Werk, also sprach Zarathustra und prägt die Philosophie damit bis heute. Was eher weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass er einen großen Teil dieses Werks wahrscheinlich unter dem Einfluss von Narkosemitteln geschrieben hat, einfach, weil er starke Schmerzen hat. Zu diesem Zeitpunkt, aber trotzdem sind seine Gedanken revolutionär, es geht um die ewige Wiederkehr und vor allem geht es um den Übermenschen. Und im Zarathustra kommt endlich auch Superman ins Spiel, denn das, was Friedrich Nietzsche da schreibt, das beschreibt eigentlich ziemlich gut die Rolle, die Superman später einnimmt. Ein Mensch, der eine höhere biologische Rolle einnimmt, jemand mit besonderen Kräften, die sonst nur wenige haben, eben einen Übermenschen. Und diese Idee, die wird natürlich später sehr gerne von den Nationalsozialisten aufgegriffen, die Idee, dass die Menschen sich immer weiter geistig und biologisch entwickeln. Und die Nazis machen daraus den Herrenmenschen und dieser Herrenmensch ist natürlich der Nationalsozialist und dagegen stehen die Untermenschen. Das hat Friedrich Nietzsche nie so gemeint, aber ja, wie so oft, werden Gedanken großer Denker auch gerne mal missbraucht. Friedrich Nietzsche selbst ist übrigens von dem Ideal des Übermenschens meilenweit entfernt und er entfernt sich auch immer weiter. Er ist ein kranker, gebrochener Mann, einer, der immer schwankt zwischen Euphorie auf der einen Seite, Depression auf der anderen Seite. Er bricht mit den meisten seiner Freunde, er steht wirtschaftlich auch nicht wirklich gut da, seine Bücher verkaufen sich kaum und ziemlich zentral bringt er das in einem Satz zum Ausdruck, nämlich unsere Mängel sind die Augen, mit denen wir das Ideal sehen. Damit meint er sich definitiv auch selbst. Ja, und damit bewegen wir uns immer weiter in Richtung des Endes des großen Friedrich Nietzsches, denn der soll dem Wahnsinn verfallen sein. Das sagt sich ganz gut an einer Geschichte, die so in den ersten Januartagen des Jahres 1889 in Turin passiert sein soll. Friedrich Nietzsche beobachtet dort wohl, wie ein Pferd geschlagen wird von dem Kutscher und er bekommt Mitleid mit diesem Pferd. Er fällt ihm um den Hals und will es einfach nicht mehr loslassen. Er weint, er ist völlig außer sich und diese Geschichte, ob sie jetzt so passiert ist oder nicht, die wird zum Mythos. Das selbstbestimmte Leben von Friedrich Nietzsche ist damit auf jeden Fall vorbei. Er kommt in eine Psychiatrie, in der er 12 richtig lange Jahre dahinvegetiert, bis er schließlich am 25. August 1900 im Alter von 55 Jahren völlig geistig umnachtet stirbt. In den letzten Jahren seines Lebens ist seine Schwester Elisabeth immer wieder um ihn herum und sie treibt ordentlichen Schindluder mit seinen Werken und sorgt dafür, dass diese Werke später auch tatsächlich missbraucht werden können von den Nationalsozialisten. Es passiert also genau das, was Friedrich Nietzsche nie wollte, Missbrauch seiner Schriften, seiner Werke durch Autoritäten. Ja, und wenn man sich die Biographie von Friedrich Nietzsche so anschaut, dann muss man auf jeden Fall sagen, an dem Spruch Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander, ist definitiv etwas dran. Denn so war es auch bei Friedrich Nietzsche, jemand, der bahnbrechende Theorien veröffentlicht hat, die die Philosophie lange Zeit geprägt haben und bis heute prägen, aber auf der anderen Seite irgendwann, man kann es nicht anders sagen, verrückt geworden ist. Die Frage ist, was haltet ihr denn von Friedrich Nietzsche?

[8:05]Sagt ihr, eigentlich war das schon ein richtig kluger Kopf, die Gedanken von Übermenschen und andere Dinge, die waren wirklich der Zeit voraus oder sagt ihr, na ja, also das sind ziemlich abstruse Dinge, die man teilweise überhaupt nicht kapiert, kann ich nichts mit anfangen. Schreibt es gerne unten in die Kommentare eure Meinung zu Friedrich Nietzsche. Ihr könnt auch gerne philosophische Gedanken zu ihm loswerden. An dieser Stelle auch noch mal kurz der Hinweis, natürlich könnte man hier stundenlang über die Philosophie von Nietzsche sprechen, aber ich habe es versucht, dass jetzt mal relativ kompakt zu machen und nicht so groß verschwurbelt, damit man da auch ganz gut mitkommt. Euch auf jeden Fall vielen Dank fürs Zuschauen und wenn ihr euch für Richard Wagner interessiert, um den es ja in diesem Video auch ging, dann klickt einfach oben auf das I, dann kommt ihr zu dem Video und wenn ihr keine Videos mehr verpassen wollt, dann abonniert den Kanal hier einfach. Danke fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.

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