[0:00]Moin. Seit über 8 Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Über 400.000 Menschen haben in diesem blutigen Konflikt ihr Leben gelassen. Über 10 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Diese Menschen wollen nur noch eines: Frieden. Aber was ist Frieden eigentlich? Ist es mit einem Waffenstillstand und einer Abwesenheit von Gewalt schon getan? Und wie kann man Frieden eigentlich herstellen? Nun ja, das schauen wir uns im heutigen Video mal etwas genauer an. Viel Spaß!
[0:47]Zunächst vorneweg, es gibt nicht die eine richtige Friedensdefinition. Für jeden von uns heißt ein vollständiger Frieden etwas anderes, weil jeder unterschiedliche Wertevorstellungen und ein unterschiedliches Weltbild hat. Es gibt also ein breites Spektrum von Friedensdefinitionen, alle haben aber eine Gemeinsamkeit: die Abwesenheit von Gewalt, also keine Anwendung organisierter, militärischer Gewalt zwischen verschiedenen sozialen Akteuren. An dieser Stelle grenze ich direkt mal den Friedensbegriff vom Sicherheitsbegriff ab. Der Friedensbegriff nimmt die Interaktion von mehreren Akteuren in den Blick, während sich beim Sicherheitsbegriff ein Akteur im Verhältnis zu anderen Akteuren sieht. Setzt man also bei dieser Minimaldefinition von Frieden an, dann werden auch Beziehungen, in denen ein Waffenstillstand herrscht, oder auch gegebenenfalls sogar wie im Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion atomar aufgerüstet wird, als Frieden bezeichnet. Um hier noch mal die Sicherheit reinzubringen, es kann also durchaus sein, dass nach dieser Definition Frieden herrscht, obwohl sich ein Akteur nicht sicher fühlt, da ein anderer Akteur gerade ordentlich am Aufrüsten ist. Wegen den Erfahrungen des Kalten Krieges wurde dieser Minimalbegriff von der Friedensforschung auch enorm kritisiert. Ein zentraler Kritikpunkt war, dass sich ein System gegenseitiger Abschreckung durch Aufrüstung immer weiter verfestigen würde. Nehmen wir also an, die Sowjetunion wäre Anfang der 90er nicht zusammengebrochen, dann hätten wir vermutlich heute noch ein System, indem immer weiter aufgerüstet wird. Okay, hier eingeblendet seht ihr jetzt eine Tabelle mit den drei Friedensverständnissen. Friedensverständnis 1 als Abwesenheit von Krieg haben wir uns ja schon angeschaut. Wie ihr hier seht, bauen die aufeinander auf, so ist beim gewaltfreien Konfliktaustrag ebenfalls eine Abwesenheit von Krieg inkludiert, sowie auch eine Abwesenheit vom Kriegsdenken. Wenn die verschiedenen Akteure also in den Verhandlungen und im Diskurs die Möglichkeit der Gewaltanwendung außer Acht lassen, kommt es zu einem gewaltfreien Konfliktausgang. In Friedensverständnis 3 wird sogar noch etwas weitergegangen und neben der Abwesenheit von struktureller und personaler Gewalt auch ein Schutz vor Gewalt und Not und ein Schutz der Freiheit gefordert, das echter Frieden erreicht werden kann. Hier soll sich also noch zusätzlich dafür eingesetzt werden, dass die Freiheit oder allgemeiner gesagt auch die Menschenrechte eingehalten werden. Auf Basis dieses Friedensverständnisses haben wir heute ganz viele verschiedene Friedensdefinitionen. Wir haben hier mal einige besonders interessante Definitionen zusammengetragen. Macht gerne Pause und schaut sie euch genauer an und schreibt auch gerne in die Kommentare, welche euch davon persönlich am meisten anspricht. Wie also kann Frieden erreicht werden? Selbst wenn Frieden nur als ein gewaltfreier Konfliktausgang definiert wird, wie im Friedensverständnis 2, ist auch ein solcher schwer zu erreichen. Für einen solchen Zweck wurden insgesamt drei Annäherungsweisen an den Frieden herausgearbeitet, die wir jetzt in dieser Tabelle erklären wollen. Wie ihr hier auch seht, das sind die Annäherungsweisen an den Frieden nach Galtung und Senghaas, also nicht z.B. den Begriff der Friedenssicherung mit der Definition aus der Karta der UN verwechseln.
[4:43]Wie gerade schon erwähnt, die erste Annäherungsweise ist die Friedenssicherung. Dissoziation heißt in diesem Fall, dass man den Gegner auf Distanz hält. Die Friedenssicherung sieht in der kurzfristigen Kriegsverhinderung ihre Aufgabe, also wie im Friedensverständnis Nummer 1 und somit sind Aufrüstung und Abschreckung durchaus Mittel zum Zweck. Folgen dieser Friedenssicherung sind, dass sich die Vorstellung, in der Staatenwelt herrsche Anarchie und jeder Staat sei für seine eigene Sicherheit zuständig, verfestigen sich. Hier haben wir wieder das klassische Sicherheitsdilemma, jeder Staat ist für seine eigene Sicherheit verantwortlich und muss deshalb aufrüsten, um andere Gegner abzuschrecken, die dann das gleiche tun. Außerdem bleiben die Machtverhältnisse so wie sie sind und natürlich bleibt die Politik auch intransparent, sodass man nie weiß, was als nächstes kommt. Auch das Worst-Case Denken erklärt sich von selbst, man rechnet immer mit einem gegnerischen Angriff und fragt sich ständig, ob man nicht lieber selbst einen Präventivschlag ausführen sollte, bevor der Gegner attackiert. Die nächste Möglichkeit ist die Friedensstiftung. Die Friedensstiftung widmet sich dem Umgang mit den umstrittenen Positionen und Interessen der Parteien. Es wird zur Lösung des Konflikts also der Weg des Dialogs gewählt und geschaut, ob bei einer oder mehreren Parteien deren Prioritäten geändert werden können. Sollte dies nicht gelingen, so gibt es diese fünf weiteren Möglichkeiten, um den Konflikt zu beenden. Mit Kuhhandel ist übrigens weder die wörtliche Bedeutung gemeint, noch das Kartenspiel oder die Oper. Mit Kuhhandel meint man ein kleinliches Aushandeln von Vorteilen. Externalisierung heißt so viel wie Abwälzen der Entscheidung auf andere. Was mit dieser Friedensstiftung einhergeht, schauen wir uns zusammen mit der Friedensbewahrung an.
[6:48]Die Friedensbewahrung als dritte Annäherungsweise stellt Strukturen, Lernprozesse und spezifische Rahmenbedingungen für den Umgang mit Konflikten in den Mittelpunkt. Wenn also Strukturen wie z.B. gemeinsame Institutionen etabliert, Lernprozesse wie z.B. die Vereinbarkeit von gemeinsame Werte abgeschlossen und all diese Rahmenbedingungen, die man auch als zivilisatorisches Hexagon kennt, gegeben sind, dann ist die Beziehung zwischen zwei Akteuren dauerhaft friedlich. Was mit sowas einhergeht, ist auf jeden Fall ein Abbau der Anarchie. Außerdem werden die außenpolitischen Entscheidungen transparenter und damit Präventivschläge unwahrscheinlicher. Zusätzlich kommt es z.B. noch zur Demokratisierung der Herrschaftssysteme, schließlich sind Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit Rahmenbedingungen im zivilisatorischen Hexagon und die wissen ja erfüllt werden. Also wie gesagt, das waren die drei Annäherungsweisen an den Frieden nach Galtung und Senghaas. Falls ihr euch das alles noch mal genauer durchlesen wollt, schaut in der Videobeschreibung vorbei, da findet ihr die Quellen. Ansonsten lasst gerne noch ein Like oder ein Abo da, wenn es euch gefallen hat und dann war es das von unserer Seite. Tschüss!



