[0:12]Verdis Opa Nabucco erzählt eine Geschichte aus dem Alten Testament. Die Elite des Volkes Israel ist in Gefangenschaft geraten in babylonische Gefangenschaft des Königs Nebukadnezar, der heißt auf italienisch Nabucco Donosor und so hieß auch diese Oper.
[0:30]Die Oper stellt auf dramatische Weise das Schicksal des Volkes Israel und den Herrscher Nabucco einander gegenüber. Die Israeliten sind in einer verzweifelten Situation, sie fühlen sich in ihrem Leben bedroht, auch zurecht. Nabucco ist ein einerseits schwacher Herrscher, andererseits jemand, der durch Gewalt und durch herrisches Auftreten auch seine Autorität unter Beweis stellen muss. Es gibt eine Liebesgeschichte in dieser Oper, die ist sehr ergreifend, aber erstaunlich wenig wichtig für die ganze Handlung. Das Tolle an Nabucco ist, dass es wirklich mal eine Oper ist, die die Politik in den Mittelpunkt stellt und dabei aber die persönlichen Geschichten der Figuren nicht vergisst. Die Liebesgeschichte des Stückes spielt sich ab zwischen Ismaele, das ist ein junger Israelit und auf der anderen Seite Fenena, die Tochter von Nabucco, das ist natürlich eine pikante Mischung. Es gibt aber vor allem eine Bruchlinie innerhalb des israelitischen Volkes, nämlich zwischen Zacharia dem Oberpriester, der durchaus fundamentalistische Ansichten verfolgt und Ismaele der vor allem sein eigenes Liebeswohl im Auge hat. Zwischen diesem Individualisten und dem, der für sein Volk kämpft, gibt es große Verwerfungen. Auf der anderen Seite, bei den Babyloniern gibt es ebenfalls große Verwerfungen, nämlich zwischen Nabucco und dem Oberpriester des Baal. Dieser Oberpriester ist leider eine ziemlich kleine Rolle geworden, in diesem Stück ist aber unheimlich wichtig für die Gesamtarchitektur des Stückes, denn dieser Oberpriester schafft es jetzt die andere Tochter von Nabucco auf seine Seite zu ziehen. Abigale, äh und die versucht nun wiederum gegen ihren Vater zu putschen. Wer die setzt mit der Komposition von Nabucco alles auf eine Karte und schreibt eine große Choroper mit sehr anspruchsvollen Solopartien. Berühmt geworden ist vor allem der Gefangenenchor. Und wer die selbst behauptet, dass er lustlos dieses Libretto gelesen habe und dann seine Augen über die Zeilen von diesem späteren Gefangenen Chor geflogen sind und dass ihn das zur Komposition überhaupt der ganzen Oper inspiriert habe.
[3:22]Abigaile ist nicht die leibliche Tochter Nabuccos, sondern eine Adoptivtochter und er droht das öffentlich zu machen. Das möchte sie unbedingt verhindern, deshalb versucht sie ihn zu entmachten.
[3:39]Das Problem ist, dass Nabucco auf die falsche Tochter gesetzt hat. Fenena ist zwar seine leibliche Tochter, aber sie ist politisch total untalentiert, während Abigaile äh eigentlich genau die richtige Königin wäre, die ist nämlich absolut rücksichtslos, wenn es darum geht, die Macht zu übernehmen. Äh das äh macht sie jetzt auch mit ihrem Vater, am Ende hat sie keinen Erfolg. Sie hat noch so eine sehr ergreifende Arie, wo sie schildert, dass sie ja auch eigentlich nur geliebt werden möchte und nur deshalb so böse ist. Das ist ein Versuch von Werdi eine moderne Psychologie in dieses Drama einzuführen, aber am Ende bleibt sie natürlich auf der Strecke, auch wenn sie vor ihrem Tod noch mal alle um Verzeihung bittet. Der Erfolg der Uraufführung lag an den schmissigen Ideen, die wer die musikalisch hatte, ist eine unglaublich energische Musik mit zwei sehr anspruchsvollen Partien des Nabucco und der Abigale, aber eben auch der Partie des Zakaria, die als Basspartie sehr aufgewertet worden ist und sehr groß ist auch im Vergleich zu den anderen Opern der Zeit.
[5:05]Man hört in dieser Oper Nabucco Werdis unbedingten Willen zum Erfolg. Er wollte absolut nach dem Flop mit der vorherigen Oper jetzt Erfolg haben. Diese Oper Nabucco ist unter einem ständigen Dauerndruck, alle Figuren sind eigentlich dauernd am Rande des Nervenzusammenbruchs. Das hört man auch in der Musik, die Musik ist laut, drängend, schnell, sehr intensiv, aber wie es eben bei Werdi auch immer ist und was seine große Meisterschaft ausmacht, es gibt auch ruhige Momente. Es gibt auch sehr innige Momente und die äh gleicht der gegeneinander so aus, dass diese Oper ständig vorankommt, dass sie nie eine Pause hat, sie ist sehr kurz, das ist sehr sehr viel Handlung innerhalb von kurzer Zeit passiert. Also ein wirkliches Feuerwerk an Opern Ideen an melodischen Ideen und deshalb bis heute einer der beliebtesten Opern von Giuseppe werden.



