[0:01]Hallo. Ich war ja Arbeitssternsinger. Bis heute bin ich ein großer Fan der Sternsinger, die in rund 120 Ländern unserer Welt Projekte haben und sich dort um die Kinder kümmern. Und in eines dieser Länder will ich euch jetzt im folgenden Film mitnehmen.
[0:20]Unter mir liegt Afrika. Afrika fasziniert mich unglaublich. Die vielen besonderen Tiere, die weiten wilden Landschaften und natürlich und ganz besonders die Menschen. Für euch reise ich nach Kenia, ganz genau in den weit abgelegenen Norden von Kenia, die Turkaner. Noch nie in meinem Leben bin ich an so einem heißen und trockenen Ort gelandet. Die Hitze und Dürre machen den Menschen und ihren Tieren sehr zu schaffen. Es wächst kaum Futter für die Tiere und die Menschen leiden Durst und Hunger.
[1:01]Hallo, ich bin's, der Willi. Und das ist Konzepter. Hallo. Die Konzepter gräbt gerade nach Wasser. Das wenige Trinkwasser ist ein richtig großes Problem, aber nur eins von vielen, dass die Menschen im Norden Kenias haben. Weil sich das Klima verändert, regnet es in der Turkana so gut wie überhaupt nicht mehr und über eine Million Menschen kämpfen hier täglich ums Überleben. Und das erwartet mich auf meiner Reise. Ich lerne, wie mühsam es ist, wenn jeder Schluck Wasser Kilometer weit nach Hause getragen werden muss. Ich begleite einen Fischer, der immer weniger Fische fängt und an der Grenze zwischen Kenia und Äthiopien erfahre ich von einem Krieg um Weideland und Wasser. Das wichtigste Lebensmittel auf unserem Planeten. Leider sprudelt dieser frische und seltene Brunnen zu viele Kilometer von Konzepter entfernt. Durstige Dromedare und Ziegen können sich hier sattsaufen. Und vor allem für die Menschen gibt es sauberes Trinkwasser. Hallo. Hallo. Wusste gar nicht, dass hier so schöne Brunnen gibt. Doch, den haben wir jetzt schon seit drei Jahren. Ich bin übrigens der Willi. Und wie heißt du? Ich heiße Awe. Awe. Hallo. Das ist aber ein toller Brunnen. Kriegen die Menschen was und sogar die Tiere. Ja, hier oben bekommen zuerst wir Menschen Wasser, danach die Tiere und am Ende der Gemüsegarten. Eine saubere Aufteilung. Alles, was die Ziegen und anderen Tiere hinter dem Zaun nicht wegtrinken, läuft weiter in ein Gewächshaus, wo die Turkaner lernen Gemüse anzubauen. Trotz Dürre kann hoffentlich bald geerntet werden. Der Brunnen hier ist der einzige weit und breit. Diese Dromedare mussten über 40 Kilometer laufen, um endlich Wasser zu bekommen. Das ist das ganze alleine? Nee, nicht wenn du mir hilfst. Ich? Ja klar, ich helfe dir. Und ich soll den Großen. Wassertragen ist meist die Aufgabe der ältesten Tochter einer Familie, auch wenn sie erst 10 Jahre alt ist, so wie Awet. Ich bewundere und bedauere Awet zugleich. Einem zehnjährigen Kind in unserem Land so eine Aufgabe zu erteilen, wäre nicht erlaubt. In der gleißenden Sonne hat es unerträgliche 50° Celsius.
[3:28]Endlich. Nach einer halben Stunde erreichen wir Awet zu Hause. Das Grundstück der Familie ist mit Sträuchern und Zweigen umzäunt. Auf dem Gelände stehen mehrere Hütten, sowie einige Schattenplätze. Ah.
[3:48]Awet, das machst du viermal am Tag. Das ist anstrengend gewesen. Hallo, ich bin der Willi. Hallo.
[4:01]Hallo. Wer ist hier wer, kannst du mir es erklären? Das hier sind meine Mutter und ein paar meiner Geschwister. Und hier, das ist meine Tante und dann noch zwei Brüder. Hallo. Hallo, ich bin der Willi. Wo ist dein Papa eigentlich? Der sitzt da drüben. Ach, da hinten. Wollen wir mal Hallo sagen? Hallo, ich bin der Willi. Hallo. Ich heiße Emuria. Emuri. Hey, du hast ja eine ganz schön starke Tochter. Ja, sie macht ihre Sache sehr gut. Bei uns Turkanern ist es die Aufgabe der Frauen und Mädchen, Wasser zu holen. Awet kümmert sich auch um ihre Geschwister und hilft ihre Mutter. Und was macht ihr Männer? Was ist eure Arbeit? Ja, wir kümmern uns um das Vieh. Wir hüten unsere Ziegen. Ach, das sind eure Ziegen. Können wir rübergehen? Awet's Familie besitzt 27 Ziegen. Das ist sehr wenig. Denn die Ziegen sind die wichtigste Nahrungsquelle für die Turkaner. Findest du für deine Ziegen hier etwas zu fressen? Nein, nur an dem Bergrändern gibt es noch ein bisschen grün. Jetzt habt ihr zum Glück diesen Brunnen in der Nähe, wo wir auch das Wasser hergeholt haben. Und seit wann seit ihr angewiesen auf dieses Wasser, was da hochgepumpt wird? Seit wann gibt's keinen Regen mehr? Seit ein paar Jahren ist es so trocken wie nie zuvor. Zum Glück ist der Brunnen so nah. Andere müssen tagelang für ihr Wasser und für das ihrer Tiere laufen. Manche laufen 40 Kilometer und mehr. Imuria erklärt mir, dass die Turkaner nicht nur das Fleisch der Ziegen essen und ihre Milch trinken, sie trinken auch ihr Blut. Das gehört zur Tradition der Turkaner und ist gleichzeitig lebenswichtig für ihre Ernährung. Danke schön. Ciao. Mach's gut. Ziegen sind die Sache der Männer und Jungen. Der Haushalt ist die Aufgabe der Frauen und Mädchen. Und wie es bei Awet zu Hause aussieht, will sie mir jetzt zeigen. Das ist sozusagen dein Kinderzimmer hier. Ja. Und das hier ist mein Schlafplatz. Kann ich das mal ausprobieren? Na klar. So, bitte Platz machen, einmal Probeliegen. Wenn ich jetzt an mein Bett zu Hause denke, dann ist das schon ein Unterschied. Awet schläft ziemlich hart auf einer Kamelhaut. Und auch wenn das überhaupt nicht aussieht wie ein Kinderzimmer, wie es in meiner Welt ist. Keine Poster an der Wand, keine Uhren oder irgendwas, aber dafür hast du nachts wahrscheinlich einen schönen Sternenhimmel, weil Wolken gibt's ja ja nicht. Zeig mal Awet, kann es eigentlich passieren, dass hier nachts Schlangen vorbeikommen? Hast du davor Angst? Ja, jede Nacht sind hier Schlangen, aber die sind nur ein bisschen giftig. Wie groß sind die Schlangen?
[6:50]So groß. Und die kommen dann hier. Und du hast keine Angst davor? Doch schon, aber ich ruf dann meine Mama und die nimmt sie dann weg. Wenn ich morgens aufstehe, dann gehe ich als erstes ins Bad und putz meine Zähne. Wo putzt du deine Zähne? Ich putze meine Zähne hier, wo wir gerade sitzen, weil ein Bad haben wir nicht. Hier oder was?
[7:13]Ah, mit so einem Stöckchen. Mhm. Nimm dir doch auch eins.
[7:22]Klar, das will ich ausprobieren. Zähne putzen natürlich ohne Wasser, geht aber genauso gut. Wenn du willst, kann ich dir auch zeigen, wie ich meine Haare färbe. Echt? Zeigst du mir das mal? Ja klar. Awet färbt sich fast jeden Morgen die Haare. Die kleinen roten Steinchen werden zu einem Staub zermalmt, etwas Wasser oder Öl dazu und dann wird alles in die Haare geschmiert. Also, ich muss auch sagen, dich schmückt das sehr, sehr schön, aber ich lasse die Finger davon. Will deine Mama noch mal was fragen. Ist die da drüben? Kommst du mit? Awet's Mutter ist sehr freundlich. Das ausgiebige Händeschütteln gehört bei den Turkanern dazu. Dein Mann hat mir eben schon erzählt, dass ihr die Ziegen braucht, um was zu essen zu haben, aber was gibt's denn bei euch wirklich zu essen? Die Ziegen essen wir nur selten, vielleicht einmal im Monat eine. Sonst sammeln wir wildes Getreide oder Früchte, aber jetzt ist es hier so trocken, dass wir nichts mehr finden. Aber das ist genau der Grund, weswegen ich hier bin, weil ich diesen Film für die Sternsinger mache und die Sternsinger sammeln nämlich Geld für euch, um euch zu unterstützen. Aber wie war das als du so alt warst, wie die Awet? War das immer so trocken? Nein, vor ein paar Jahren gab es hier noch so etwas wie eine Regenzeit. Aber jetzt ist es hier so trocken, wie nie zuvor, fast zwei Jahre warten wir jetzt schon auf Regen. Vor drei Monaten hätte es schon regnen müssen. Die Erde ist jetzt so trocken. Wenn es jetzt regnen würde, könnte das Wasser gar nicht in der Erde versickern. Es würde einfach wegfließen.
[8:56]Zum Glück haben wir den Brunnen gespendet bekommen. Hast du eine Erklärung dafür, warum sich das Klima verändert hat? Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht. So kann es aber einfach nicht weitergehen. Awet, danke, dass ich euch besuchen durfte und ich wünsche euch, dass ihr die Hoffnung nicht aufgibt, dass es wieder regnen wird. Ich danke dir. Tschüss.
[9:33]Ein neuer Tag für mich im Norden Kenias. Ich bin extra ganz früh aufgestanden, um einen Fischer raus auf den Turkaner See zu begleiten. Der Turkanersee ist der größte Wüstensee der Welt, aber leider ist sein Wasser nicht trinkbar. Simon heißt der Fischer und begleitet werden wir von seinen Kindern Avelino und Pablo. Dieser See, der ist ja riesig groß. Yes. Ja, der Turkanersee ist der größte See hier, aber er wird immer kleiner. Und warum wird der kleiner der See? Tja, weil es so gut wie keinen Regen gibt und deshalb kein frisches Wasser in den See fließt. Früher hat es hier noch regelmäßig geregnet, aber jetzt nicht mehr.
[10:26]Und deshalb schrumpft der See so schnell. Ja, ich wüsste schon ein paar Gründe, aber die liegen halt eher in unserer Welt, da wo ich herkomme. Da gibt's Fabriken, es gibt große Schiffe auf den Meeren, es gibt viele Autos, es gibt Flugzeuge, so viele Gründe, die diesen Klimawandel hervorrufen. Aber das gibt's hier nicht auf dem Le Turkaner.
[10:55]Am Turkanersee sind dafür die Folgen des Klimawandels zu spüren und das sehr extrem. Was aussieht wie ein Strand, war vor einigen Jahren noch vom Wasser bedeckt und Boote konnten hier fahren. Weil es seit ein paar Jahren so gut wie überhaupt nicht mehr regnet, fließt fast kein Wasser mehr in den See. Er wird kleiner und kleiner und die Wüste breitet sich aus.
[11:23]Aber jetzt bin ich erstmal gespannt, ob wir was gefangen haben. Ah, da ist ja der erste. Ja, hier habe ich einen Fisch.
[11:34]Sehr gut.
[11:48]Bist du eigentlich zufrieden? Fängst du genug Fische oder hat sich das auch verändert so wie das Klima? Ja, ich fange heutzutage weniger Fische. Früher, als mein Vater noch da war, gab es so viele Fische. Mein Vater hat noch richtig viel gefangen, weil der See groß genug war. Es gab genug Wasser vom Regen und aus Flüssen. Jetzt aber regnet es nicht mehr und deswegen wird der See immer kleiner, weil so wenig frisches Wasser in den See fließt, wird er salziger und salziger und im Wasser kann sich kaum Leben entfalten. Wenn der See noch salziger wird, gibt's bald keine Fische mehr.
[12:31]Okay, das ist der letzte Fisch. Ja, so richtig viel ist es jetzt auch nicht.
[12:40]Mit unseren Fischen laufen wir über den ehemaligen Grund des Sees. Fischer Simon wohnt mit seiner Familie ganz schön weit weg vom Ufer. Ja, Willi, komm, ich will dir etwas zeigen. Als ich so alt war, wie meine Kinder, habe ich genau hier, wo wir jetzt stehen, mit meinen Eltern gelebt. Habt ihr hier gewohnt? Ja, klar. Dein Papa war ja auch ein Fischer. Aber wieso habt ihr so weit weg vom See gewohnt? Der See war damals ganz nah. Ich konnte direkt hier vorne schwimmen gehen. Jetzt ist der See fast 700 Meter entfernt. Und wo wohnt ihr heute? Noch ein kleines bisschen in diese Richtung. Da hinten, warum denn jetzt noch weiter weg vom See? Weil wir Trinkwasser brauchen, das gibt es dort. Das Wasser aus dem See ist ja zu salzig zum Trinken. Und da hinten, da gibt's so einen Brunnen, wo ihr frisches Wasser holen könnt. Ganz genau. Und jetzt kommt, sonst werden die Fische schlecht. Jetzt geht's den Fischen an die Schuppen. Mit den typisch runden Turkanamessern werden die Fische ausgenommen und entschuppt. Avelino und Pablo haben von ihrem Vater gelernt, wie das geht. Die Fische werden gesäubert und gesalzen und zum Schluss von der Sonne getrocknet. So. Salz und Sonne machen die Fische sehr lange haltbar. Fertig ist der Trockenfisch. Wie sieht denn das aus in der Zukunft? Kannst du denn überhaupt noch als Fischer arbeiten und vor allem deine Jungs? Ja, das wird schwierig. Pablo und Avelino können nicht so wie ich vom See abhängig sein. Irgendwann wird der See ausgetrocknet sein, denn jedes Jahr wird er kleiner. Und wenn die Jungs groß sind, werden sie wahrscheinlich gar keinen See mehr haben. Deshalb habe ich entschieden, meine Söhne in die Schule zu schicken, damit sie lernen und etwas anderes arbeiten können. Ich wünsche dir alles Gute und vor allem deinen Kindern und deiner ganzen Familie. Danke dir für deinen Besuch. Der Klimawandel zwingt nicht nur Simon und seine Kinder, sondern alle Turkaner viele ihrer Traditionen aufzugeben. Jetzt muss das Hirtenvolk der Turkaner schnell lernen, sich anders zu ernähren und Gemüse und andere essbare Pflanzen anbauen. Nur so können sie überleben. Die Sternsinger helfen mit ihren Spenden. So konnte auch diese Schule gebaut werden, in der auch Pablo und Avelino wichtige Grundlagen für einen Beruf und ein Leben mit Zukunft lernen. Egal wie heiß es ist, Hitzefrei gibt es hier nicht. Die Schüler müssen lernen, mit den Folgen des Klimawandels zurechtzukommen. Er ist ein weltweites Problem, das uns alle betrifft. Hauptsächlich wird der Klimawandel durch CO2 verursacht. Das ist die Abkürzung für das unsichtbare Gas Kohlenstoffdioxid. Eigentlich ein natürliches und ungefährliches Gas, das in der Luftschicht um unsere Erde, also in der Atmosphäre, vorhanden ist. In den letzten Jahren ist über viel zu viel CO2 in die Atmosphäre gelangt. Das ist das Problem. Es gibt immer mehr Autos, Millionen Menschen reisen mit Flugzeugen oder Schiffen, wobei jede Menge CO2 und andere Schadstoffe in die Atmosphäre geblasen werden. Wir bauen immer mehr Fabriken oder Stromkraftwerke, die Kohle verbrennen und dabei viel CO2 in die Atmosphäre pusten. Eigentlich könnten die Regenwälder helfen, gigantische Mengen CO2 aufzunehmen und zu binden. Doch wir Menschen zerstören die Regenwälder und fällen viel zu viele Bäume, um z.B. Palmen für Palmöl anzupflanzen. Zu viel CO2 hält die Sonnenstrahlen in der Atmosphäre gefangen und sie können nicht zurück ins Weltall strahlen. So wird es auf unserer Erde wärmer und wärmer, das Wetter spielt verrückt. Das Eis an Nord- und Südpol schmilzt, die Meeresspiegel steigen, Inseln und Küstengebiete werden überflutet. In manchen Teilen der Welt regnet es mehr denn je und Überschwemmungen bedrohen die Menschen. Und hier im Norden von Kenia passiert genau das Gegenteil. Es regnet so gut wie gar nicht mehr. Es herrscht Trockenheit und Dürre, was die Menschen bedroht.
[16:54]Wann wird es das nächste Mal regnen? Das weiß niemand. Aber die Menschen wollen vorbereitet sein und versuchen unter Einsatz von schweren Maschinen, jeden Tropfen, der vom Himmel fällt, aufzufangen. Andrew, du bist im Norden der Pfarrer, aber du kümmerst dich hier offensichtlich auch um die Baustelle. Was ist denn hier los? Das ist ein trockenes Flussbett und gerade ist die Planierraupe stecken geblieben. Wir wollen hier einen künstlichen Damm bauen und er soll richtig groß werden. Also das soll ein richtig tiefer Pool werden, der hier ausgehoben wird. Ja, ganz genau, es soll ein sehr großer Pool werden, 100 Meter lang, 35 Meter breit und 20 Meter tief. Und wenn es regnet, kann sich da drin jede Menge Wasser sammeln. Dann können die Tiere zum Trinken herkommen und auch die Menschen, die hier in der Umgebung leben, können dann kommen und Wasser schöpfen, es abkochen und als Trinkwasser benutzen. Ich kann es überhaupt nicht nachvollziehen. Bei mir zu Hause mache ich Wasser an, auf und halte ein Glas drunter, trink Wasser. Bei uns gibt es das nicht, aber auch hier hängt alles vom Wasser ab. Wasser für die Kinder, für die Gesundheit, für die Tiere, für die Pflanzen, alles braucht Wasser. Hoffentlich kommt die Planierraupe bald wieder frei. Wir wollen los. Pater Andrew will mich mit zu den Dassanetch nehmen. Die Dassanetch sind ein Nachbarvolk der Turkaner. Sie leben in Äthiopien, einem Land, das an den Norden Kenias grenzt. Bis auf ein paar Dämme, die Wasser speichern, ist das Grenzgebiet zu Äthiopien unglaublich trocken. Weil es so wenig Wasser und Weideland für die Tiere gibt, haben die Turkaner und die Dassanetch noch bis vor kurzem darum gekämpft mit Waffen. Zuerst war es nur ein Streit, der dann zu einem Krieg wurde, der auf beiden Seiten viele Menschenleben gekostet hat. Auf diesem Friedhof liegen über 60 erschossene Turkanamänner. Nun ist Frieden, aber erst seit kurzem, deshalb vertrauen die Menschen dem frischen Frieden noch nicht so ganz, sondern mehr ihren Waffen. Hey Andrew, das finde ich ja jetzt schon aufregend, weil jetzt sind wir ja bei den Dassanetch. Das waren ja früher die Feinde der Turkaner. Wie habt ihr das denn geschafft mit denen so friedlich ins Gespräch zu kommen? Wir haben uns mit den Dassanetch angefreundet und ihnen medizinische Hilfe angeboten, die es vorher hier nicht gab. Jetzt kommen von unserer Missionstation meine Kollegen und versorgen sie. Eine Klinik unter einem Baum. Weil es weit und breit keine Ärzte gibt, sind die Krankenschwestern und Krankenpfleger hier bei den Dassanetch gern gesehen. Wenig Wasser bedeutet auch wenig Sauberkeit und Hygiene. Die Menschen werden sehr leicht krank und leiden häufig unter Husten, haben Würmer oder Pilzinfektionen. Die Klinik ist wie ein Geschenk, dass ihr bringt und im Gegenzug könnt ihr auch mit den ein miteinander reden. Ja, die Menschen kommen wirklich friedlich zusammen und die Behandlung ist kostenlos. Niemand muss bezahlen. Und jetzt gehen wir zum Chief. Er hat den Frieden möglich gemacht. Da bin ich jetzt aber gespannt. Ein ganzes Dorf aus Hütten. Angeblich leben 5000 Menschen hier und den obersten von ihnen wollen wir besuchen. Er heißt Lokomai und ist so etwas wie der Bürgermeister. Mit einigen Männern vom Ältestenrat der Dassanetch empfängt er uns in seiner Hütte. Wie geht's denn deinen Leuten? Seid ihr wohl auf oder leidet ihr auch sehr unter der Dürre? Mein Volk hungert wegen der Dürre. Wir brauchen vor allem Nahrung für die Frauen und Kinder. Warum hat sich das Klima verändert und warum regnet es so gut wie gar nicht mehr? Wir glauben, dass es damit zusammenhängt, dass wir mit dem Volk der Turkaner gekämpft haben. Das war für alle schlecht und dann ist auch noch der Regen ausgeblieben. Ja, früher haben sie gekämpft, aber jetzt kämpfen sie nicht mehr. Jetzt hoffen wir, dass mit dem Frieden auch der Regen wieder kommt. Glaubst du, dass es irgendwann möglich sein wird, dass Dassanetch Frauen z.B. und Turkanermänner verheiratet sind und zusammen leben? Ja, das wäre sehr gut, wenn sie heiraten würden. Dassanetch und Turkaner, das wäre sehr gut. Das würde den Frieden stärken und für die Zukunft sichern.
[21:14]Ich sehe schon, du bist ein echter Friedenschef und ich wünsche dir viel Erfolg dabei. Lokomai, danke schön. Vielen Dank, dass ich hier sein durfte. Asante sana.
[21:30]Andrew, danke, dass du mich hier mit nach Äthiopien genommen hast. Vielen Dank, aber eine Frage habe ich noch. Wie schafft es jetzt eigentlich diesen frischen Frieden auch noch lange für die Zukunft zu sichern? Auf alle Fälle werden wir weiterhin medizinisch helfen und wir bringen Kinder von hier in unser Internat nach Kenia. Dort sollen sie zusammen mit Turkaner Kindern leben. Wir lehren sie Frieden und bringen ihnen bei, wie sie mit dem Klimawandel zurechtkommen. Pater Andrew bringt Turkaner Kinder aus Kenia und Dassanetch Kinder aus Äthiopien in einer gemeinsamen Schule zusammen. Der Schulkor singt von Einheit und Frieden. Ihre Eltern waren vielleicht Feinde, aber diese Kinder können Freunde werden. Hoffentlich Freunde fürs Leben, denn nur miteinander und über alle Grenzen verbunden, können wir die Probleme des Klimawandels angehen. Hier in Kenia habe ich die angsteinflößende Kraft des Klimawandels kennengelernt, denn das Klima ist viel stärker als wir Menschen. Wie wird das wohl weitergehen? Was wird aus Awet? Wird der Brunnen ohne Regen auch weiterhin so sprudeln können? Wird der Turkanersee schon bald komplett versalzt sein und kein Fisch mehr darin schwimmen? Kann der ausbleibende Regen den Frieden zerstören und zu neuen Kämpfen um Wasser und Weideland führen? Werden die Menschen aus der Turkana fliehen müssen? Den Klimawandel haben wir Menschen in den reichen Ländern Amerikas, Asiens und Europas verursacht. Wir müssen wirklich unser Verhalten ändern und besser auf die Welt aufpassen, denn schließlich hat Gott uns seine Schöpfung anvertraut. Und dieses Vertrauen sollten wir nicht missbrauchen.



