[0:00]Die Schriftstellerin Barbara König gehörte zu den renommiertesten deutschen Autorin der Nachkriegszeit, war neben wenigen anderen Frauen Teil der Gruppe 47 und sie hat für ihre Romane, Erzählung und Hörspiele zahlreiche Preise bekommen. Heute wäre Barbara König 100 Jahre alt geworden und meine Kollegin Sephora Rubina erinnert an sie. Gerade mal 24 Jahre alt ist Barbara König, als sie folgendes Telegramm erhält. Einlade zur Tagung Gruppe 47. 11. Mai in Ziekhofen, Hans Werne Richter. Als Initiator des Treffens ist Hans Werner Richter auch derjenige, der zu den Tagungen der wichtigsten Schriftstellergruppe im Nachkriegsdeutschland einlädt. Barbara König erinnert sich. Kloster Inzikhofen, erster Eindruck. Fürchterlich arrogant dieser Richter. Kaum, dass er mir die Hand gegeben hat, was denkt sich der? Richter hat wenig schmeichelhafte Gedanken bei diesem ersten Treffen. Ihm ist entfallen, dass er selbst Barbara König eingeladen hatte. Du lieber Gott, eine Mischung zwischen einer Schlange und einer Katze, was will die hier? Barbara König darf dann doch bleiben und ihren Text ihre Wünsche, die Geschichte eines Lustmords vorstellen. Eigentlich sollen junge Talente auf dem sogenannten elektrischen Stuhl platziert neben Hans Werner Richter aus ihren Werken lesen. Dann hat sie der Surkamp Lektor Friedrich Bochu, der hat sie netterweise für mich gelesen, weil ich mich von diesem Kritiken in die Ecke flüchtete und ich saß da hinten ganz zusammen gekauert und das natürlich noch mehr Kritik. Die Kritik der Gruppe vergrault sie nicht. Barbara König ist eine der wenigen Frauen, die von Anfang an Teil der Literaturrunde ist. Hartnäckigkeit und Resilienz hatte Barbara König bereits in jungen Jahren erlernt. Die ersten Jahre ihres Lebens verbringt sie wohl behütet in Reichenberg, dem heutigen Liberec. Aber dann starb mein Vater, der nahm sich das Leben 1936 und unsere äußerst Verhältnisse änderten sich sehr radikal. Auch politisch ist es eine Zeit der Umbrüche. König erlebt den Brand der alten Synagoge in Reichenberg, sieht, wie jüdische Nachbarn aus ihrem Umfeld verschwinden. Als der Krieg 1945 endet, flieht sie Richtung Deutschland. Also, wenn ich heute überlege, was ich damals riskiert habe, als ich da über drei Grenzen ging, praktisch ganz alleine und wenn ich denke, was möglich gewesen wäre, dann gruselt mich. Auf Umwegen gelangt Barbara König nach Frankfurt. Im Nachkriegsdeutschland arbeitet sie als Journalistin bei der von der amerikanischen Besatzungsmacht gegründeten deutschen Nachrichtenagentur. Ihr erster Roman erscheint 1961, 11 Jahre nach dem Treffen der Gruppe 47 in Inzikhofen. Hans Werner Richter muss zu diesem Zeitpunkt seine Meinung zu Barbara König bereits geändert haben. Einmal, denke ich, muss sie eine Schlange gewesen sein, eine kluge natürlich. Dann eine Katze, eine streitbare wahrscheinlich und jetzt ist sie eine Schriftstellerin, die sich mit der Sprache herumschlägt, besessen davon und darunter leidend und glücklich über jeden Satz, den sie für sich selbst stehen lässt.
[3:11]Barbara Königs Verleger Michael Krüger sagte über die Autorin, sie wolle das Problem pur. Ihre Sprache ist klar und geradlinig. So etwas wie ein Anliegen beim Schreiben habe sie nie gehabt. Wenn aber der eine oder andere Leser entdecken sollte, dass meine Wahrheit auch die seine ist, wenn er dadurch eine Spur von zusätzlichem Verständnis für sich selber und somit auch für die anderen erlangt, dann wird mir das eine wirkliche Belohnung sein. 1997 erscheint Barbara Königs letztes Werk, ein Buch über Hans Werner Richter. Der Titel Notizen einer Freundschaft. Geboren wurde die Schriftstellerin und Gruppe 47 Autorin Barbara König im Nordbömischen Reichenberg, heute vor 100 Jahren. Auf der Suche nach dem Problem pur, die Schriftstellerin Barbara König wäre heute 100 Jahre alt geworden. Sephora Rubina hat an sie erinnert hier in unserem Tag.



