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Systemtheorie einfach erklärt: Einführung

Frederick Meseck

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[0:01]Die Systemtheorie ist ein spannender Ansatz für all diejenigen, die sich mit Organisation, Teams und Menschen beschäftigen. Sie bietet hilfreiche Perspektiven, um besser verstehen zu können, warum sich Menschen manchmal so verhalten, wie sie sich eben verhalten. Oder wie mit und in Teams gearbeitet werden kann, oder aber, was sich hinter dem Begriff der Selbstorganisation im systemischen Sinne versteckt. In diesem ersten Video zur Systemtheorie, stelle ich dir die Grundzüge der Systemtheorie nach Luman vor, die für mich wichtigste und zielführendste Theorie meiner täglichen Arbeit als agiler Berater. Du lernst dabei komplexe Systeme kennen, die drei Systematen nach Luman und relevante Einblicke zum Konstruktivismus.

[0:56]Hi, ich bin Frederik und in meinen Videos erfährst du spannende Einblicke rund um systemisch agiles Arbeiten. Lass uns direkt mit der Einführung zur Systemtheorie beginnen. Darf ich vorstellen, das ist Niklas Luman. Zumindest so, wie ich ihn gezeichnet habe. Niklas Luman, der im letzten Jahrtausend gelebt hatte, ist einer der bekanntesten Vertreter der Systemtheorie. Eine Theorie, die aus der Soziologie stammt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, Gesellschaft als Ganzes zu beschreiben. Und wenn wir von Gesellschaft sprechen, dann sprechen wir natürlich auch von Organisationen oder von Teams oder von Interaktionen. Hier einmal ein Beispiel von einer agilen Organisation, wie sie möglicherweise aufgebaut sein kann mit verschiedenen Teams, die stark interagieren, wo viel Kommunikation stattfindet. Bevor wir jetzt gleich in die Systemtheorie tiefer einsteigen, muss ich dir ganz kurz mal erklären, was Niklas Luman unter dem Begriff System überhaupt verstanden hat. Hier einmal dargestellt, rechts ein System, das Gehirn mit seinen vielen Nervenzellen und allen anderen Zellen, die im Gehirn noch so aktiv sind und daneben mal abgegrenzt einen Haufen von Steinen. So ein Steinhaufen besteht aus Steine als Elemente. Und rechts daneben das Gehirn, bestehend eben hier mal mit einer Lupe dargestellt aus vielen Nervenzellen. Angenommen, diese Nervenzellen, das sind die Elemente des Gehirns, dann weißt du sicherlich, sind die Nervenzellen von denen es etwa 100 Milliarden gibt, ziemlich stark miteinander vernetzt. Und aufgrund dieser Vernetzung der Aktivität des Gehirns gibt es eine Vielzahl an Wechselwirkungen. Und genau das ist die Besonderheit von dieser Art der Systeme. Und zwar aus diesen Vielzahl von Wechselwirkungen gibt es ganz neue Eigenschaften, die das Gehirn dadurch hervorruft. Dann spricht man von Emergenz, das plötzliche Auftreten von neuen Qualitäten, die man nicht zurückführen kann auf eine einzelne Nervenzelle. Also wenn man jetzt eine Nervenzelle anguckt, lässt sich daraus nicht gleichzeitig Bewusstsein schließen, erst die ganze Vielfalt die Interaktion der ganzen Nervenzellen bringt eben Bewusstsein hervor. Und deswegen ist für Luman vor allen Dingen Systeme interessant, die sich durch Komplexität auszeichnen, die sehr dynamisch sind, die unvorhersagbar sind. Und vor allen Dingen dort gibt es kaum lineare Ursache-Wirkungsbeziehungen, zumindest lassen sie sich von außen schwer interpretieren oder beobachten. Natürlich gibt es lineare Ursachen-Wirkungsbeziehung, aber eher vermutlich weniger, vielmehr gibt es Beziehungen, die exponentiell sind oder die Zeit verzögert sind oder die sprunghaft sind. Das zeichnet solche Systeme aus, die für Niklas Luman vor allen Dingen relevant sind. Dagegen kann man jetzt z.B. noch mal so einen Haufen voller Steine sich angucken. So ein Steinhaufen, der zeichnet sich durch vor allen Dingen kaum irgendwelche Wechselwirkung der Steine miteinander auf. Das heißt, da geht es vielmehr um die Elemente und weniger um die Wechselwirkungen. Da gibt es vermutlich einfacher oder vielleicht auch vernachlässige Ursache-Wirkungsbeziehung, dieser Haufen ist dadurch auch nicht komplex, weil es keine Beziehungen zwischen den Stein gibt, die relevant sind, es ist nicht dynamisch, es ist weitestgehend vorhersagbar. Das sind Systeme, die nicht für Luman interessant sind, weil sie mehr als Mengen oder als Haufen sind. Also all diejenigen, wo kaum Wechselwirkungen zwischen Elementen stattfinden. Luman selber hat jetzt für seine Theorie drei spezielle Systeme identifiziert, die für ihn relevant sind. Und gleich vorab, ein System schließt er völlig aus, das passt auch eher zu dem, wie wir es gerade eben schon gesehen haben, mit diesem Haufen von Steinen. Technische Systeme sind für Luman nicht in der Betrachtung relevant. Das heißt, diesen Steinhaufen oder eine Uhr, ein Auto, das sind alles Systeme, die in seiner Theorie keine Rolle spielen. Gucken wir uns jetzt mal die drei Systeme an, die er identifiziert hat, um seine Systemtheorie aufstellen zu können. Luman hat drei Systeme herausgefunden, und zwar einmal organische Systeme, dann psychische Systeme und das dritte sind die sozialen Systeme. Und gerade die sozialen Systeme bekommen bei ihm in seiner ganzen Forschung, die er getätigt hat, besondere Aufmerksamkeit. Wir werden in einem weiteren Teil uns auch hauptsächlich auf soziale Systeme fokussieren. Aus was bestehen jetzt diese einzelnen Systeme? Also das organische System, das besteht in den kleinsten Elementen aus Zellen. Hier z.B. einfach mal das zentrale Nervensystem und eine Hirnzelle dargestellt. Das psychische System, das besteht im kleinsten Element aus Gedanken. Also aus dem einen Gedanken folgt der nächste Gedanke und der nächste Gedanke, der nächste Gedanke und so weiter. Und das bildet das für sich geschlossene psychische System. So und jetzt gibt es noch das soziale System. Das soziale System besteht aus Kommunikation. Das heißt aus der einen Kommunikation folgt die nächste Kommunikation, die nächste Kommunikation, die nächste Kommunikation. Diese drei Systeme hat Luman identifiziert, um die Gesellschaft komplett beschreiben zu können. Jetzt fragst du dich vielleicht, ja Moment mal, wo kommt denn der Mensch vor? Der Mensch kommt nicht als einzelnes als eigenes System vor, sondern der Mensch ist eher ein Zusammenschluss, eine Wechselwirkung, eine strukturelle Kopplung dieser drei Systeme. Also der Mensch hat organische Systeme, der Mensch hat natürlich psychische Systeme, wo wir denken können, wo unser Bewusstsein stattfindet. Und der Mensch kommuniziert. Mit diesen drei Systemen ist es ihm möglich, die Gesellschaft als Ganzes zu beschreiben. Weil der Mensch als Ganzes so nicht greifbar ist. Wir wissen nicht, was denkt der Mensch, wir wissen nicht, was geht in dem Menschen für Zellvorgänge vor. Wie ist der Stoffwechsel aktuell? Das wissen wir nicht. Was wir natürlich eher beobachten können, ist Kommunikation verbal wie nonverbal. Und deswegen macht diese Aufschlüsselung in diese drei Systeme sehr viel Sinn. Ich versuche jetzt einfach mal diese drei Systeme mal die sozialen Systeme herauszugreifen und auf ein Beispiel der Organisation zu übertragen. Und mal einen ersten Ausblick zu geben, welche weitere Eigenschaften und Vorteile diese Sichtweise von Luman hat. Gucken wir uns noch mal Organisation an. Hier noch mal die Organisation dargestellt mit all den Personen und so wie wir es wahrscheinlich auch erleben, so wie wir vielleicht ein Organigramm zeichnen könnten, wenn wir diese Organisation uns angucken. In der systemischen Darstellung könnte es beispielsweise so aussehen. Das heißt, wir haben jetzt hier erstmal alle Personen ausgegraut, weil die Person als solche, wie gesagt, nicht Teil von sozialen Systemen sind. Und dann sehen wir ganz außen rum die große diese große rot gestrichelte Linie für das eine große soziale System, wenn man z.B. die Systemgrenze so wählen möchte. Jetzt gibt es innerhalb dieses Systems Subsysteme, die einzelnen Teams, wenn man die Systemgrenze als solche so wählen möchte. Und überall kleine Sprechblasen. Das steht für die Kommunikation. Was jetzt aus diesen sozialen Systemen folgt, da werde ich wie gesagt, in einem weiteren Videoteil ein bisschen näher drauf eingehen, sind folgende Aspekte. Jedes soziale System, z.B. jedes einzelne Team, aber auch die ganze Organisation, jedes soziale System bringt seine eigene Logiken mit. Dort herrschen eigene Regeln, eigene Muster, eigene Prozesse, wie Kommunikation ermöglicht wird, welche Kommunikation erlaubt ist, welche weniger erlaubt ist. Das alles findet sich in diesen sozialen System und in der Logik und wie sie Niklas Luman beschrieben hat wieder. Auch der Begriff der Selbstorganisation, der auch häufig in der Agilität z.B. sehr viel verwendet wird, hat eine eigene Erklärung, die sehr sehr spannend ist und sehr aufschlussreiches für allen Dingen für die Agilität. Und jetzt möchte ich mal ein Beispiel rausgreifen, wo die Systemtheorie eine gute Erklärung liefern kann. Und zwar habe ich ja eben gerade erklärt, dass jedes soziale System seine eigene Regeln hat und damit diverse Verhaltensweisen der einzelnen Mitgliedern sehr stark beeinflussen kann. Wenn wir jetzt diese eine Person uns näher angucken, dann erscheint die im Kontext des Teams z.B. vielleicht als sehr bewusst, als sehr hilfsbereit, als integer. Dieselbe Person aber kann in verschiedenen Kontexten nicht komplett anders, aber doch andere Verhaltensweisen zeigen, wo jetzt vielleicht das Team gesagt hätte, boah, so hätte ich dich jetzt ja gar nie eingeschätzt. z.B. die gleiche Person im Kontext seiner Ehefrau verhält sich schon vielleicht relativ anders. Oder aber die Ehefrau würde sagen, also, wenn ich dich beobachte, wie du mit deinen Freunden, wenn du in der Kneipe bist und Fußball guckst, was du da für Wörter sagst, wie dich verhältst, so kenne ich dich ja gar nicht. Oder aber die gleiche Person im Kontext seiner Eltern verhält er sich vielleicht schon ganz anders oder aber wenn sein Chef dabei ist, dann ist er vielleicht gar nicht mehr so selbstbewusst, wie er sonst in den Teams auftritt. Und das lässt sich mit Hilfe der Systemtheorie recht gut erklären. Ich möchte mal noch ein weiteres Beispiel machen. Wenn du z.B. in einem Supermarkt unterwegs bist, so wie jetzt hier dargestellt, mal einen kleiner Ausschnitt. Du beobachtest hier eine Szene im Supermarkt, da befindet sich eine Kassiererin an der Kasse und drei Personen in der Schlange und eine Person, die sich neben der Einkaufsschlange bewegt. Wenn wir jetzt hier so diese diesen Supermarkt, wie wir ihn erleben, in eine systemische Weise übertragen wollen, dann könnte es beispielsweise so aussehen. Du siehst hier einmal wieder mit der rot gestrichelten Linie das soziale System mit seiner Kommunikation dargestellt. Und außen dran strukturell gekoppelt findest du einmal die organischen Systeme und die psychischen Systeme der jeweiligen Personen, die ausgegraut sind. Wie ich jetzt vorher gesagt habe, wir wissen nicht, was die jeweiligen psychischen Systeme, welche Gedankenvorgänge da gerade sind. Wir können auch nicht direkt darauf zugreifen. Wir können nicht sagen, jetzt musst du das denken, weil wir es nicht wissen, ob das funktioniert oder nicht. Wir können auch nicht auf die organischen Systeme zugreifen. Wir wissen nicht aktuell, wie ist die Zellteilung, wie ist der Stoffwechselvorgang, was passiert da aktuell? Das wissen wir nicht, können wir nicht. Das sind alles für sich geschlossene Systeme. Was wir beobachten können, ist wie gesagt, Kommunikation, die zwischen den einzelnen hier stattfindet. Und jetzt mal ein bisschen konkreteres Beispiel. Also die Systemtheorie bietet z.B. auch ein Erklärungsmodell für Rollen. Und zwar genau gesagt, wenn jetzt folgendes passiert, angenommen, du befindest dich an der Kasse und die Kassiererin sagt, es kostet 3,65€. Dann wird auch, wenn jetzt nicht die Kassiererin da wäre, sondern vielleicht der Kollege von der Kassiererin, das gleiche passieren. Die Rolle der Kassiererin oder des Kassierers bleibt gleich. Es kostet 3,65€, der Dialog ist ziemlich ähnlich, die Regeln und die Muster sind relativ gleich. Das heißt, es gibt verschiedene Rollen in sozialen Systemen, die diverse Verhaltensweisen ja, regelhaft machen. Dann ein weiteres Beispiel, wenn du jetzt an der Kasse bist und z.B. sagst, okay, du wirst jetzt aufgefordert, 3,65€ zu bezahlen, dann könntest du jetzt ja auch sagen, na ja, wieso eigentlich nicht 3,00€? Ich meine, wir können doch feilschen, auf dem Basar feilcht man ja auch. Also könnten wir doch heute mal sagen, wir machen wir machen heute mal nur 3,00€, wenn runder Betrag würde doch passen. wird die Kassiererin wahrscheinlich sagen, äh Entschuldigung, so funktioniert das nicht. Das heißt, auch hier gibt es diverse Regeln, die zu einem Kreislauf werden, dann spricht man von einem Regelkreislauf von von Mustern. Das heißt, es ist immer relativ klar, was so an so einer Kasse passiert und obwohl vermutlich die wenigsten Leute sich Regeln davor durchgelesen haben, was sie am Supermarkt machen müssen. Es ist natürlich auch gesellschaftlich bei uns durch unsere Kultur auch so verankert, dass man nicht gerade feilcht, vielleicht ist es in anderen Kulturen anders in dem Supermarkt, aber das mag ich bezweifeln. Und klar, durch Beobachtung hat man gelernt schon als Kind, aha, die Eltern verhalten sich so, andere verhalten sich so, also muss man das wohl so machen. Das sind die Regeln des sozialen Systems. Und die sind auch von Supermarkt zu Supermarkt überall relativ gleich. Das heißt, es gibt einfach Muster, die so passieren, die Kassiererin sagt, es macht auch 3,65€. Man holt Geld raus und bezahlt 3,65€. Das sind Muster und die finden sich überall in allen sozialen Systemen. Auch in deinem sozialen System, in deinem Team, in deiner Organisation, in der du unterwegs bist, wirst du ähnliche Muster und Verhaltensweisen finden, die immer wiederkehrend sind. z.B. das in deinem Team vielleicht schwierige Themen auf der Beziehungsebene ungern thematisiert werden, so könnte z.B. sagen ein Harmoniemuster, ist vielleicht so ein Muster, was wiederkehrend ist. Oder vielleicht auch um Muster von Personen, die sehr hohen Redeteil haben und immer wenn die reden andere z.B. sehr sehr still sind, all das lässt sich sehr gut mit der Systemtheorie erklären. Noch ein weiteres Beispiel, wenn jetzt an dieser dieser Schlange eine Person sich vordrängeln würde, dann werden sich wahrscheinlich die ein oder anderen in dieser Schlange beschweren. Und interessanterweise gibt es natürlich auch hier nicht ein offizielles Regelwerk, vermutlich, was man im Betreten des Supermarktes studiert und da steht, das Vordrängeln ist verboten. Das ist sowas wie eine implizite Regel in diesem System. Das so etwas, so ein Verhalten nicht erlaubt ist. Und jedes soziale System hat sehr viel dieser impliziten Regeln. Auch in deinem System wird es wahrscheinlich solche implizite Regeln geben. Man kann solche finden, wenn man z.B. in einem Team die Frage stellt, was müsste ich machen, um mich möglichst schnell zu disqualifizieren in diesem Team, so dass ich z.B. aus dem Team rausgeworfen werde? Dann zeigen sich darin in den Antworten schon sehr viele interessante implizite Regeln. Ja, Niklas Luman hat nicht nur in der Systemtheorie viele spannende Ansätze verfolgt, sondern er hat auch noch weitere Theorien in seine Theorie integriert. Die Chaosforschung z.B., was ich gerade am Anfang so ein bisschen angedeutet habe, über Komplexität von Systemen. Er hat sich auch der Neurobiologie bedient, der Physik sich bedient und auch noch einer weiteren Theorie der Erkenntnistheorie, die auch schon sehr sehr alt ist, genauer gesprochen dem Konstruktivismus. Der Konstruktivismus sagt aus, dass die Realität von jedem Menschen individuell konstruiert wird. So, das klingt jetzt ein bisschen kompliziert, was heißt das genau? Das heißt letztendlich, dass jedes Erleben, jede Wahrnehmung immer eine Interpretation eines einzelnen ist, eines Beobachters. Das heißt, es liegt im Auge des Betrachters. Ich mache mal ein Beispiel, wie jetzt erleben aus Lumans Sicht verstanden werden kann. Also folgende Szene: Du siehst hier eine Frau in einem grünen Oberteil und einer grünbläulichen Hose. Und eine Person, ein Mann mit einem braunen Hemd und grünen Krawatte und einer blauen Hose. Angenommen, es gibt jetzt nur diese Szene, diese zwei Personen beobachten sich oder sehen sich. Und jetzt schauen wir uns mal vor allen Dingen bei dem Mann an, was da passiert. Also, der Mann sieht diese Frau. Er würde sagen, das ist die Realität, das ist das, was er gerade erlebt. Von dieser Frau gehen eine Menge Impulse in Form von Reizen aus. Und jetzt kommen aber nicht all diese Reize bei dem Mann an, denn es werden ein Großteil dieser Reize schon unmittelbar weggefiltert. Aufgrund dessen, dass all seine Sinnesorgane gar nicht die Möglichkeit haben, alle Reize zu verarbeiten. Nummer als Beispiel, das Auge als Sinnesorgan, das kann viele Reize gar nicht wahrnehmen. Also ultraviolett sehen wir nicht, wir sehen auch nicht Infrarot, deswegen sehen wir auch nachts z.B. gar nicht gut. Wir haben ein kleines Spektrum dessen, was wir aus der Umwelt, aus unserer physikalischen Welt, aus der Realität wirklich wahrnehmen können. Und das gilt auch für das Gehör und für viele weitere Sinne. Und deswegen ist hier so eine blaue transparente Platte dargestellt, die ein Teil dieser Reize direkt wegfiltert. Was jetzt passiert ist, dass diese Reize dann auf den Körper treffen auf die Sinnesorgane, dort werden sie dann weiter transportiert über den Körper zum Gehirn. Das heißt, Körper und Gehirn sind beide extrem wichtig für das Erleben. Was dann passiert ist, dass im Gehirn dort einige Nervenzellen, sogenannte Netzwerke aktiv sind. Jetzt könnte man aber denken, dass das alles ist, was stattfindet. Also es gibt diese physikalische Welt und die sorgt unmittelbar dafür, dass ein Erleben im Gehirn stattfindet und zwar genau das, was draußen passiert. Aber ganz so einfach ist es nicht, das weiß man mittlerweile und es hat auch schon die Erkenntnistheorie vor vielen vielen Jahrhunderten miteinander diskutiert, die ganzen Philosophen, die da damals aktiv waren, die noch nicht die Möglichkeiten hatten mit der Hirnforschung so viel zu kombinieren. Aber was man heute weiß ist, dass ein Impuls, ein Reiz von außen oder ein Reiz für das Gehirn nur ein Aspekt von Erleben ausmacht. Also, das erste ist, man braucht auf jeden Fall einen Reiz. Und das zweite ist, was eine große Rolle spielt beim Erleben, das ist die Eigendynamik dieses Gehirns mit dem Körper zusammen. So nur noch mal zur Erinnerung, eine 100 Milliarden Nervenzellen, A 10.000 Verknüpfung im Schnitt, das macht eine Millionen Milliarden Vernetzung im Gehirn, also das ist das ist eine Menge los. Das heißt, da ist eine riesen Dynamik und auch die Aufmerksamkeit und wie sich dieser Fokus der Aufmerksamkeit richtet, auch das spielt eine wesentliche Rolle für das Erleben. Und ein dritter Aspekt, der für das Erleben eine ganz wichtige Rolle spielt, sind die Erfahrung, die jeder Mensch bereits in seiner Vergangenheit gemacht hat und wie er diese Erfahrungen bewertet. Weil jeder Reiz wird immer im Kontext aus vergangenen Erfahrungen gesetzt und dann schießen weitere Netzwerke im Gehirn, die werden mit aktiviert und somit vermischen sich diverse Elemente aus dem Jetzt mit dem aus der Vergangenheit. Und wie die Vergangenheit auf das jetzt quasi einwirkt, mit dem was gerade passiert, das alles macht Erleben aus. Und so gesehen ist das, was er jetzt gerade erlebt in seinem Gehirn, was er wahrnimmt, eventuell eine Frau. Ja, mit Sicherheit eine Frau, das sieht man hier auch auf dem Bild, aber sie hat vielleicht nicht etwas grünes an, sondern hier ist ein bisschen überspitzt etwas rotes dargestellt. Du kennst sicherlich auch die die grün-rot Farbschwäche, auch sowas ist ja interessant. Und hier ist mal jetzt eine Frau dargestellt, die im rotes Oberteil hatte, die wahrscheinlich optisch ein bisschen anders aussieht, aber so konstruiert er sich seine Realität. Das meiste passiert überhaupt nicht bewusst, das ist ein unbewusster Prozess. Und was jetzt natürlich interessant ist, dieser Mensch, der jetzt z.B. über sein Erleben redet, der denkt, dass er zwar über eine objektive physikalische Welt redet, aber in Wirklichkeit redet er über das, was er sich darunter vorstellt über seine Interpretation. Das heißt, im Umkehrschluss, es gibt sowas wie Objektivität überhaupt nicht. Jedes Erleben ist immer abhängig von dem Erlebenden, die die Beobachtung ist immer abhängig von dem Beobachten. So, jetzt habe ich dir viele spannende Einblicke gegeben in die ganze Thematik von Niklas Luman, der sich mit diesen sozialen Systemen auseinandergesetzt hat und jetzt hier auch noch mal diese Erkenntnistheorie, diesen Konstruktivismus mit reingebracht, dass alles im Betrachter, im Auge des Betrachters liegt. Kurz noch mal zusammengefasst, um was hat sich jetzt Niklas Luman eigentlich gekümmert? Also die Systemtheorie nach Luman ist eine Theorie, um Gesellschaft zu beschreiben. Dabei nutzt er den Begriff der Systeme, die vor allen Dingen unvorhersehbar sind, die dynamisch sind, die kaum lineare Ursache-Wirkungsbeziehungen haben, die komplex sind und emergente Eigenschaften mitbringen. Also ganz neue Qualitäten, die überraschend sind, weil sie nicht auf die einzelnen Elementen so einfach zurückzuführen sind. Luman nutzt dabei drei Systeme, einmal organisch, psychisch und soziale Systeme, die in sich geschlossene Systeme darstellen, die miteinander strukturell gekoppelt sind, die also aufeinander auch angewiesen sind. Die besonderen Elementen der jeweiligen Systeme sind einmal im organischen die Zelle, im psychischen die Gedanken und im sozialen die Kommunikation. Wichtige Merkmale, nicht die einzigen, aber vor allen Dingen wichtige Merkmale sind die Selbstorganisation, die Autonomie der jeweiligen Systeme. Und ganz besonders spannend sind die sozialen Systeme, wo es dann Muster und Regeln und Prozesse gibt. Und ein weiterer Aspekt, der Luman ganz besonders auch wichtig war, ist, dass das, was wir als Realität bezeichnen, nur eine Konstruktion ist, Objektivität gibt es nicht. Das war der erste Teil zur Systemtheorie. Zwei weitere Videos zum Thema soziale Systeme und systemische Haltungen werden folgen. Wenn du nichts verpassen willst, dann abonniere gerne meinen Kanal.

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