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Der erste Weltkrieg - Kaiser Franz Joseph von Österreich [DOKU][HD]

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[0:19]Bad Ischl im Juni 1914. Auf den Promenaden tummeln sich die Urlaubsgäste. Im Mikrokosmos spiegelt sich die goldene Epoche der Monarchie. Adel und Bürgertum genießen Aufschwung und Wohlstand, die Früchte des Industriezeitalters. Ergebnis von fast 50 Jahren Frieden.

[0:46]Nirgends sonst ist man dem 84-jährigen Friedenskaiser so nahe. Jahr für Jahr urlaubt Franz Josef in der Ischler Kaiservilla. Seine 66 Regierungsjahre stehen für die Unveränderlichkeit der Welt, einer Welt der Sicherheit und Kontinuität.

[1:16]Sein mit Deutschland und Italien verbündetes Reich ist zwar nach Russland das zweitgrößte Europas, doch mit seinen zwölf Nationalitäten gleichzeitig das brüchigste. In den Kronländern und am Balkan hatte sich längst eine neue politische Religion in Bewegung gesetzt, um den Zerfall des Zentrums zu beschleunigen, der Nationalismus.

[1:51]Am 28. Juni 1914 werden Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau in Sarajevo ermordet. Das Attentat ist Höhepunkt eines Kampfes um Macht und Einfluss am Balkan. Neben Kroaten und Slowenen sind auch die Bosnier Untertanen Franz Josefs. Bosnien wird 1908 von Österreich-Ungarn annektiert. Die Annexion ist auch Warnung an das benachbarte Serbien, den kaiserlichen Herrschaftsanspruch am Balkan nicht in Frage zu stellen.

[2:27]Serben König Peter I. will alle Südslawen in einem Großserbischen Reich vereinen. Er verbündet sich mit dem slawischen Bruder Russland. Kaiser Franz Josef hingegen möchte serbisch-russische Expansion verhindern. Er versteht sich am Balkan als Schutzherr katholisch-abendländischer Kultur. Doch der Panslawismus gewinnt zunehmend an Kraft, auch durch das einigende religiöse Band der Orthodoxie. Die Bosnien Annexion radikalisiert die serbischen Nationalisten. Ihrer Gewaltbereitschaft fällt Thronfolger Franz Ferdinand zum Opfer. Wien vermutet Serbien hinter dem Attentat.

[3:27]Die Kaiservilla in Bad Ischl wird nach dem Mord zum Entscheidungszentrum über Krieg oder Frieden.

[3:37]In diesen Vorräumen zum kaiserlichen Arbeitszimmer warten Minister und Generäle auf Audienz. Mit Serbien soll nun abgerechnet werden. Der Kaiser will den Krieg. Die Ehre der Monarchie steht auf dem Spiel. Die Zustimmung des deutschen Bündnispartners hat man bereits eingeholt. Ein bedingungsloses Ultimatum wird formuliert. Alle serbischen Institutionen sind von Monarchiefeinden zu säubern, nationalistische Vereine aufzulösen, Mittäter sofort zu verhaften. Über die geforderte Beteiligung an der Mordaufklärung möchte Belgrad noch verhandeln, doch es gibt nichts zu verhandeln. Das Ultimatum, eine Farce, denn parallel dazu wird die Kriegserklärung formuliert.

[4:29]Außenminister Berchtold, ebenfalls Kriegsbefürworter berichtet von einem serbischen Angriff, der jedoch ist frei erfunden. Das festigt Franz Josef in seiner Absicht Krieg zu führen und die Kriegserklärung zu unterzeichnen. Dieser Wunsch nach Krieg ist eben so weit gegangen, so gesagt hat, egal zu welcher Hilfskonstruktion man zuflucht nehmen muss. Es soll und muss diesen Krieg geben. Es ist also ein ganz gezieltes Hinarbeiten auf einen Krieg gegen Serbien. Nun wird mobilisiert, zu den Waffen gerufen. Der Kaiser glaubt an den kleinen Krieg, an eine schnelle Strafaktion begrenzt auf Serbien. Doch das ist Selbstbetrug, denn Europas Außenpolitik baut auf Paktsystemen.

[5:28]Nach der Kriegserklärung setzt sich die Bündnismmechanik in Bewegung. Auf der einen Seite die Mittelmächte, Österreich-Ungarn und das Deutsche Kaiserreich mitsamt seinen Kolonien in Afrika. Togoland, Kamerun, Deutsch-Ost- und Südwestafrika. Im November 1914 kommt das Osmanische Reich dazu, dann Bulgarien. Italien bleibt vorerst neutral.

[5:57]Auch Serbien mobilisiert.

[6:02]Serbien ist mit Russland verbündet, Russland mit Frankreich und England, England mit Belgien. Später kommt Rumänien dazu. Mit England und Frankreich treten auch deren Kolonien in Afrika in den Krieg ein, darunter Ägypten, Sudan, Südafrika und Französisch-Westafrika.

[6:31]Ebenso Britisch-Indien und die Kronkolonien Australien und Kanada. Diese Länder bilden die Entente. Weltweit ziehen in den kommenden Jahren mehr als 60 Millionen Soldaten ins Feld.

[6:51]Die fröhliche Apokalypse. Die Kriegserklärung wird vorerst zum patriotischen Bindemittel und damit zur Atempause für bereits brüchige autoritäre Systeme. Nicht nur für die Monarchie, auch für das Deutsche Kaiserreich und das zaristische Russland. Für Gott, Kaiser Franz Josef und Vaterland werden 1914 über 2 Millionen Untertanen einberufen. Insgesamt sollten es 8einhalb Millionen werden.

[7:27]Die K&K Truppen sind nach fast 50 Friedensjahren nur wenig kriegstauglich, nach Italien der am schlechtesten ausgerüstete Militärverband Europas. Das kleine, taktisch kluge serbische Heer kann drei Offensiven abwehren. Die Serben kämpfen, bis ihnen die Munition ausgeht.

[7:53]Die Serben, die keine Munition mehr haben, bekommen eine französische Munitionslieferung, die sie wieder in die Lage versetzen, ihre Artillerie entsprechend feuern zu lassen. Und das und ein neuerliches serbisches Anrennen führt dazu, dass die K&K noch einmal zurückgeworfen werden, und zwar auf die Reichsgrenze. Die Situation im Dezember 1914 ist im Grund genommen die gleiche wie im August 1914. Nur mit einem Unterschied, auf österreichisch-ungarischer Seite sind 300.000 Menschen gefallen, verwundet oder Kriegsgefangene bzw. vermisst. Auf serbischer Seite sind es etwa ähnlich viel gewesen.

[8:42]Russische Truppen am Weg zur Ostgrenze der Monarchie nach Galizien. Das Kriegskonzept der Mittelmächte sollte vorerst scheitern.

[8:54]Man glaubt, die Zarenarmee werde langsam mobilisieren. Diese Zeit wollte das deutsche Heer zum Blitzsieg über Frankreich nutzen, um dann die K&K Truppen beim geplanten Vormarsch nach Russland zu unterstützen. Doch die Russen mobilisieren schneller als gedacht. Ihr Kriegsziel die Zerschlagung der Monarchie.

[10:09]Die West-Ukraine, früher Teil Galiziens, eine Landschaft als Schlachtfeld und Massengrab. Fast 500.000 Soldaten der Kaiserarmee fanden hier in den Kämpfen gegen die russischen Truppen den Tod.

[10:31]Von tödlichen Waffen die goldene Ebene, sterbende Krieger, das vergossene Blut. Alle Straßen münden in schwarzer Verwesung.

[10:46]Momente erlebten Schreckens verfasst von Georg Trakl, Grodek, sein letztes Gedicht, beschreibt die gleichnamige Schlacht zwischen Österreichern und Russen am 7. September 1914. 1200 Mann sind auf diesen Feldern für Zar und Kaiser gefallen.

[11:19]Etwa 70 km von Grodek entfernt stehen die Reste der größten K&K Festungsanlage im Osten, Przemysl, im heutigen Polen gelegen. Ende September 1914, zwei Wochen nach der Schlacht von Grodek, waren die Russen hier. Nach erfolglosen Angriffen wird Przemysl sechs Monate lang belagert und ausgehungert. Im März 1915 kapitulieren die Kaisertruppen.

[11:49]Andere Teile der Zarenarmee waren inzwischen bis Krakau vorgedrungen.

[11:57]Der Fall von Przemysl bedeutet Kriegsgefangenschaft für 110.000 K&K Soldaten. So lernt man Mentalität und ärmliche Lebensart der Russen kennen. Die Gefühle pendeln zwischen Mitleid und kultureller Überlegenheit. Teile der lebenden Kriegsbeute werden durch Moskau geführt. Die Arbeitskraft eingezogener Russen ist zu ersetzen. Sie müssen wieder aufbauen, was ihre Kameraden beim Rückzug verwüsteten. Um den weiteren russischen Vormarsch zu stoppen, wurden Brücken und Tausende Kilometer Schienen zerstört.

[12:39]Beim Rückzug gilt die Rache der Besiegten den Zivilisten, den angeblichen Verrätern und Spionen, die mit den russischen Feinden konspiriert haben sollen, sie mit Nahrung versorgten. Auch im Serbienkrieg wird eifrig gehängt. Im unmittelbaren Frontgebiet selber hat sich die Gewalt sehr viel direkter gezeigt. Äh, es hat äh eine Hinrichtungswelle gegeben, vor allem in Serbien und in Galizien. Äh, die Schätzungen bis heute ähm gehen von etwa 60.000 äh Hinrichtungen aus. Ein Großteil dieser Hinrichtungen sind äh ohne Feldgerichtliche Verfahren erfolgt, das heißt, der Kommandant hat beschlossen an den Galgen äh und äh dem es Folge geleistet worden. Äh, das sind äh Ereignisse, die bis heute äh unbearbeitet sind und die äh ein anderes Bild auch zeigen, als das der glorreichen K&K Monarchie, das ganz gerne äh kultiviert wird. Das heißt, äh die Kommandanten sind hier an der Ost- und Südostfront mit unglaublicher Härte äh ans Werk gegangen.

[15:09]Kriegsrecht als Mittel der Nationalitätenpolitik. Durch Umsiedelung sollten vor allem im Osten multinationale Konfliktzonen zu ethnisch homogenen Gebieten werden. Im deutschen Reich war vom Wall deutscher Menschen zu hören, die an der Ostgrenze gegen die slawische Flut angesiedelt werden müssen. Von Zuchtstätten für künftige germanische Ostkrieger. Der Begriff der ethnischen Säuberung taucht in dieser Form im ersten Weltkrieg zwar noch nicht auf, aber wenn wir uns die Praxis anschauen, dann muss man sagen, dass das tatsächlich den Charakter einer ethnischen Säuberung hat. Äh, dass es unter Zwang äh ganze Landstriche äh unter Anführungszeichen bereinigt worden sind. Äh, das ist Umsiedlungen gegeben hat, äh, die den Schatten äh sehr weit in die Geschichte vorauswerfen und schon anklingen lassen äh Praktiken, die uns dann im zweiten Weltkrieg in sehr viel verschärferter Form, in sehr viel systematischer Form äh begegnen.

[16:19]Bündnispartner Deutschland hatte Russland und Frankreich den Krieg erklärt. Ebenso wie in Österreich-Ungarn üben sich vor allem Bürgertum, Aristokratie und Intellektuelle in nationalistischer Vollberauschung.

[16:36]Kaiser Wilhelm II. meint, er kenne keine Parteien mehr, sondern nur mehr Deutsche. Man führe einen von Russen und Serben aufgezwungenen Verteidigungskrieg, trommelt die Propaganda.

[16:54]Für das Deutsche Reich bietet sich nun die Chance eigene Annexionspläne umzusetzen. Es möchte auf Kosten von Frankreich, Russland und Belgien expandieren. Die eiligen Marschgesetzte belgische Armee kann den deutschen Überfall nicht verhindern. Die Einnahme des neutralen Belgien bringt zwar die Kriegserklärung Englands, hält aber den deutschen Vormarsch nicht auf. 44 km trennen die Spitzen der deutschen Armee von Paris.

[17:29]Erst vereinter französischer und britischer Widerstand lässt die Offensive stocken. Eine 700 km lange Schützengrabenfront entsteht.

[17:42]Erfolgreich sind die Deutschen bei der Rückeroberung Ostpreußens, das ebenfalls von der Zarenarmee besetzt wurde. Fast 260.000 Russen werden gefangen genommen. Damit ist auch der befürchtete russische Marsch über die Karpaten nach Ungarn und Wien abgewendet. Deutsche Erfolge und österreichische Niederlagen prägen das Jahr 1914.

[18:12]Im Mai 1915 der nächste Rückschlag. Das bisher neutrale und verbündete Italien erklärt Österreich-Ungarn den Krieg. Um ihn zu verhindern, wollte Franz Josef Teile des Trentino an Italien abgeben. Doch die Entente verspricht die Rückgabe aller italienischen Gebiete der Monarchie: Trentino, Südtirol, Triest. Die Kampfansage der Italiener beseitigt aufkommende Kriegsmüdigkeit, besonders bei den Slawen, die gegen slawische Feinde wie Russen oder Serben weniger Kampfbereitschaft zeigen. Es ist anders als gegen Serbien oder gegen Russland. Es gibt gegenüber Italien auch kein Zögern der Polen, der Tschechen, besonders nicht der Südslawen, der Kroaten, der Slowenen. Italien ist ein emotionaler Feind und Italien ist eben kein slawischer Feind, was die Italiener insofern auch zu spüren bekommen und und was sie mit Schrecken erfüllt. Denn sie machen einigen geradeslawischen äh Regimentern zum Vorwurf, dass sie nicht mehr einfach kämpfen, bis der andere die Waffen streckt, sondern dass sie nur auf Töten aus sind. Vorerst herrscht Freude in Italien. Man hat die Monarchie in einen Dreifrontenkrieg gezwungen. Er bedingt permanente Einberufungen. Der Ungar Franz Künstler wird zwar erst 1917 eingezogen, doch die erlebte Musterungsmethode gibt es seit Kriegsbeginn. Das war ein Schwindel. Wo war mir der große Kerl und Tauglich. Ich klein aber tauglich.

[20:03]Die reichen Leute gegangen zum Notar, jedes jedes Stadt oder Dorf gehört zum Notar. Das war vom Staat eingesetzte Beamte, der hat kontrolliert. Diese zu diesem äh Notar sind die reichen Leute gegangen, haben und der hat die Offiziere und die Ärzte geschmiert und mit den an die Reise kommen und untauglich. Der Reiche baut seinen Sohn, so stark wie du jetzt bist, wenn ich jetzt ein kleiner, aber fest war, der war un tauglich, tauglich. Der Marsch der Italiener nach Triest kommt bereits vorher zum Stehen, am Isonzo. Die Kaiserarmee entwickelt Kampfgeist. Sie gewinnt Schlachten, nicht aber den Krieg. In den Kämpfen rund um Isonzo und Piave sollten etwa 250.000 Österreicher und Italiener sterben.

[21:58]Teile der österreichisch-italienischen Front verlaufen im hochalpinen Bereich, auf Höhen bis zu 3900 m. Nicht nur schwere Geschütze, sondern alles zum Überleben notwendige muss mühsam ins Gebirge geschleppt werden.

[22:24]Wer die Berge erobert, dem gehören auch die Täler. Gemäß dieser Strategie liefern sich italienische und österreichische Gebirgsjäger einen Wettlauf um die Besetzung der Gipfel in den Dolomiten, in den Karnischen und in den Julischen Alpen.

[22:52]Das Gebirge wird zur Festung. Man baut Seilbahnen und Klettersteige, gräbt lange Stollen in dickes Eis.

[23:03]Ein Stellungskrieg um Bergspitzen, um wenige Meter Boden.

[23:13]Er war damals Feind, der Italiener Delfino Borroni. Im Alter von 110 Jahren erzählte er dem Gestalter dieses Films über sein erstes Gefecht mit den Kaiserjägern im Frühjahr 1917, in den Hängen des Monte Majon. Es ist also oben am Morgen.

[23:34]Wir haben zwei Tote, von links ist plötzlich ein Spährup aufgetaucht und hat sofort zu schießen begonnen. Wir haben uns auf dem Boden geworfen und zurückgefeuert, auch die drei Maschinengewehre.

[23:50]Der Kommandant hat gerufen, Achtung, wenn ich pfeife, Feuer, Deckung, Feuer, in Deckung, runter vom Berg. Das war ein Theater, die anderen sind ebenfalls in Deckung gegangen. Einige haben sich ergeben und ein Großteil ist dann geflohen. War es so und sie waren auf dem Boden in Deckung gegangen.

[24:16]Das ist nur zwei Monaten beim Stollbau dabei, die Feinde haben von ihrer Seite her gegraben.

[24:32]Und dann hat er gesagt, dann hat er die Kugel meine Ferse gestreift, dann bin ich gleich hingefallen. Sicherheitshalber habe ich mich tot gestellt. Als es dunkel wurde, bin ich vorsichtig zum nächsten Hügel gekrochen.

[24:59]Meine Truppe war natürlich schon weg, mit dem verletzten Fuß und dem Gewehr am Körper, bin ich dann zu unserer Stellung hinauf geklettert. Ich war die ganze Zeit in Deckung. Als die Österreicher angegriffen haben, haben sie Feuer verlangt von uns, dann haben wir ihn eingepeffert, dass sie Fest geflogen sind.

[25:39]Wieviel haben wir müssen mit Nasser decken, die Röhren äh kühlen, damit die nicht zerplatzen.

[25:52]Das ist Krieg.

[35:01]Franz Künstler erlebt einen Gasangriff der Briten. Seine Einheit wird zur Verstärkung der deutschen Truppen an die Westfront versetzt. Im großen Alarm war keine Gasmasken. Waren schon da, einige Tote und Blinde. Ungefähr 20 blinde Kameraden sind geworden. Und wir waren ganz hinten, wir haben etwas bekommen und das hat er jetzt sich und in der Nase.

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