[0:00]Hallo und herzlich willkommen. Schön, dass du wieder dabei bist. Heute haben wir ein Thema, das wirklich jeden Menschen betrifft. Jeder kennt dieses Gefühl, jeder hat es schon erlebt. Und trotzdem ist es so schwer immer wieder. Hallo zusammen, schön wieder hier zu sein. Ja, ich glaube, das heutige Thema ist eines der menschlichsten Themen überhaupt, weil es so viel Schmerz trägt und gleichzeitig so viel Freiheit verspricht. Genau, wir sprechen heute über das Loslassen. Das Wort kommt von los und lassen. Los bedeutet frei, nicht mehr festgehalten und lassen bedeutet man erlaubt etwas zu gehen, man hält es nicht mehr fest, man öffnet die Hand und lässt es gehen. Und das klingt so einfach. Man öffnet die Hand, man lässt go fertig. Aber wer das schon einmal wirklich versucht hat, der weiß, dass es alles andere als einfach ist. Ja, Loslassen ist vielleicht eine der schwersten Dinge, die ein Mensch tun kann, weil man an Dingen festhält, an Menschen, an Momenten, an Bildern, an Schmerzen, an Träumen, weil sie einem wichtig waren, oder weil man noch hofft, oder weil man Angst hat vor dem, was kommt, wenn man loslässt. Genau und genau das wollen wir heute besprechen. Was bedeutet loslassen wirklich? Warum ist es so schwer? Was kann man loslassen und wie spricht man auf Deutsch darüber mit einfachen, klaren Sätzen? Ich fange mal mit einem ganz persönlichen Moment an. Ich hatte vor einigen Jahren eine sehr enge Freundschaft. Diese Freundschaft war mir sehr wichtig. Wir haben viel Zeit zusammen verbracht, wir haben viel geredet, viel gelacht, viel erlebt. Und dann? Und dann hat sich etwas verändert, langsam, ohne dass ich es richtig merkte. Die Gespräche wurden seltener, die Treffen auch und irgendwann war da eine Distanz, eine große stille Distanz, als ob eine Tür zugegangen wäre, leise, ohne ein lautes Geräusch, aber zu. Das ist ein schönes und trauriges Bild, eine Tür, die leise zugeht. Ja, und ich habe lange nicht loslassen können. Ich habe immer wieder geschrieben. Ich habe immer wieder versucht, das alte Gefühl zurückzubringen. Ich habe gewartet, gehofft. Ich habe mir gesagt, es wird wieder so wie früher. Aber, aber es ist nicht wieder so geworden wie früher und irgendwann habe ich gemerkt, ich halte etwas fest, das schon nicht mehr da ist. Ich halte ein Bild fest, ein Bild von dem, wie es einmal war, und dieses Festhalten hat mir sehr wehgetan. Das ist so ehrlich und ich glaube, das kennen so viele Menschen. Man hält nicht das Wirkliche fest. Man hält das Bild davon fest, die Erinnerung, den Wunsch, dass es noch so ist. Ja, und das ist vielleicht das Schwerste am Loslassen. Man lässt nicht nur etwas los, sondern sondern man lässt auch das Bild los, den Wunsch, die Hoffnung, dass es anders werden könnte. Das ist manchmal schwerer als die Sache selbst. Ja, die Hoffnung loszulassen, das ist wirklich schwer, weil Hoffnung sich gut anfühlt. Sie gibt einem Energie, sie hält einen aufrecht, und aber manchmal hält uns die Hoffnung auch fest an Dingen, die nicht mehr gut für uns sind. Genau, es gibt eine Art von Hoffnung, die gut ist, die uns vorwärts bewegt und es gibt eine Art von Hoffnung, die uns festhält an der Vergangenheit, an dem was war, an dem was wir uns wünschen, aber das nicht mehr möglich ist und den Unterschied zu erkennen, das ist gar nicht leicht. Man fragt sich, ist das gute Hoffnung oder hält sie mich fest? Ja, und ich glaube, man fühlt den Unterschied. Wenn die Hoffnung einem Energie gibt, wenn sie einen nach vorne bewegt, dann ist sie gut. Wenn die Hoffnung einen erschöpft, wenn man immer wartet, immer hofft, immer enttäuscht wird, dann hält sie einen vielleicht fest. Das ist eine sehr ehrliche Unterscheidung. Gibt die Hoffnung mir Energie, oder kostet sie mir Energie? Genau, das ist eine sehr gute Frage, die man sich stellen kann. Ich möchte jetzt über verschiedene Dinge sprechen, die Menschen loslassen müssen, weil Loslassen ist nicht nur eine Sache, es gibt so viele verschiedene Arten von Loslassen. Ja, es gibt das Loslassen von Menschen, das ist vielleicht das Bekannteste. Eine Beziehung endet, eine Freundschaft geht auseinander. Man verliert jemanden und man muss lernen, ohne diese Person weiterzuleben. Das ist sehr schwer, weil Menschen so wichtig für uns sind. Sie sind Teil unseres Alltags, unserer Gedanken, unserer Gewohnheiten, und wenn sie weg sind, dann ist da plötzlich eine Lücke, eine Leere, die man nicht sofort füllen kann. Das kenne ich sehr gut, diese kleinen Momente im Alltag, wo man an die Person denkt, wo die Abwesenheit besonders stark ist. Ja, und das ist ein Teil des Loslassens. Diese kleinen Momente aushalten, nicht weglaufen, nicht so tun, als ob alles gut ist, sondern ja, das tut weh. Ja, ich vermisse diese Person. Ja, das ist schwer. Man muss den Schmerz durchleben, nicht drumherum. Man muss durch den Schmerz hindurch, nicht daran vorbei. Das ist so wichtig, weil viele Menschen versuchen, den Schmerz zu umgehen. Man beschäftigt sich, man lenkt sich ab, man versucht nicht zu denken und das hilft kurzfristig, aber der Schmerz ist noch da, er wartet, er kommt wieder. Ja, Schmerz, den man nicht verarbeitet, kommt immer zurück, vielleicht in anderer Form, vielleicht an einem anderen Ort, aber er kommt. Und deshalb ist es besser, auch wenn es schwerer ist, den Schmerz anzusehen, ihn zu fühlen, ihn durchzuleben und dann langsam kann er kleiner werden. Dann gibt es das Loslassen von Situationen, zum Beispiel, man verliert einen Job. Man muss aus einem Ort wegziehen, den man liebte. Eine Phase des Lebens endet, die Schulzeit, die Studienzeit, eine bestimmte Lebensphase. Ja, und auch das braucht Loslassen, weil man sich an Situationen gewöhnt. Man hat seinen Platz, seine Routine, seine Sicherheit und wenn das weg ist, auch wenn man es selbst gewählt hat, dann ist da oft ein Verlust. Das Wort Verlust ist sehr wichtig hier. Verlust bedeutet, etwas ist weg, das da war, und Verlust tut weh, egal, ob es etwas großes war oder kleines war, egal, ob man es selbst gewählt hat oder nicht. Ja, manchmal verliert man etwas, dass man selbst losgelassen hat, und trotzdem trauert man darum. Man denkt, ich habe das selbst entschieden, warum bin ich traurig? Weil es normal ist. Man kann eine Entscheidung richtig finden und trotzdem traurig sein über das, was man dafür loslässt. Ja, das ist kein Widerspruch. Man kann gleichzeitig wissen, das war die richtige Entscheidung und trauern um das, was man dabei verloren hat. Das ist emotional sehr komplex und sehr menschlich. Dann gibt es noch das Loslassen von Bildern von sich selbst. Zum Beispiel, man hatte ein Bild, wie das eigene Leben aussehen sollte. Mit 30 verheiratet, mit 40 ein Haus, Kinder mit einem bestimmten Alter, einen bestimmten Job, und dann kommt das Leben und macht seinen eigenen Plan und das Bild stimmt nicht mehr und man muss dieses Bild loslassen. Das ist sehr schwer, weil dieses Bild nicht nur ein Wunsch war, sondern eine Identität. Man hat sich selbst über dieses Bild definiert. Ich bin jemand, der das hat. Ich bin jemand, der das erreicht und wenn das Bild nicht stimmt, wer bin ich dann? Das ist so tief. Das Loslassen eines Bildes von sich selbst ist manchmal schwerer als das Loslassen von einer Person oder einer Situation. Ja, weil es an die eigene Identität geht, an das Gefühl zu wissen, wer man ist. Und dann gibt es noch das Loslassen von Gefühlen. Zum Beispiel von Wut. Man ist auf jemanden wütend, vielleicht schon sehr lange, und man hält diese Wut fest. Ja, das ist auch ein Loslassen. Die Wut loslassen, den Groll loslassen, das Festhalten an dem, was jemand einem getan hat, und das ist so schwer, weil man manchmal das Gefühl hat, wenn ich das loslasse, dann sage ich, dass es okay war, dann sage ich, dass die Person recht hatte, dann vergebe ich und das will ich vielleicht nicht. Aber das stimmt nicht. Vergeben bedeutet nicht, dass es okay war. Vergeben bedeutet nicht, dass man das Falsche gut heißt. Vergeben bedeutet, ich lasse den Schmerz los für mich, nicht für die andere Person, für mich. Das ist ein sehr wichtiger Unterschied. Vergeben ist ein Geschenk an sich selbst, nicht an die andere Person. Ja, man trägt die Wut nicht mehr, weil man selbst davon erschöpft ist. Man lässt sie los, nicht weil die andere Person es verdient, sondern weil man selbst frei sein möchte. Das ist sehr befreiend als Gedanke. Ich vergebe nicht für dich, für mich. Ja, Wut und Groll sind wie ein schwerer Rucksack. Man trägt ihn überall mit, man schleppt ihn durch den Alltag. Und wenn man ihn loslässt, dann ist man leichter, nicht die andere Person, man selbst. Das Bild mit dem Rucksack ist so gut. Man trägt ihn und die andere Person merkt es vielleicht gar nicht. Der Rucksack liegt nur auf den eigenen Schultern. Genau. Die andere Person lebt vielleicht ihr Leben und weiß vielleicht nicht einmal, dass man noch wütend ist. Aber man selbst trägt dieses Gewicht und dann ist die Frage, möchte ich das weiter tragen oder möchte ich den Rucksack ablegen? Ja, das ist die Entscheidung. Nicht hat die andere Person es verdient, dass ich vergebe, sondern verdiene ich es, dieses Gewicht nicht mehr zu tragen. Das ist so kraftvoll. Ja, ich verdiene es leichter zu sein. Ich möchte jetzt über etwas sprechen, das viele Menschen verwechseln, und zwar den Unterschied zwischen loslassen und aufgeben. Oh, das ist sehr wichtig, weil viele Menschen sagen, loslassen, das ist doch aufgeben. Das ist schwach. Das bedeutet, ich kämpfe nicht mehr, ich gebe auf. Aber das ist nicht dasselbe. Aufgeben bedeutet, man gibt auf, weil man keine Kraft mehr hat. Man hört auf zu kämpfen, weil es zu schwer ist. Man gibt auf aus Erschöpfung oder aus Angst. Und loslassen? Loslassen ist etwas anderes. Loslassen ist eine bewusste Entscheidung. Man sieht klar und man entscheidet, das ist nicht mehr mein Weg, das tut mir nicht gut. Ich lasse das los, nicht, weil ich schwach bin, sondern, weil ich stark genug bin, um ehrlich zu sein. Ah, das ist schön. Loslassen als Stärke, nicht als Schwäche. Ja, es braucht oft mehr Mut, loszulassen, als festzuhalten. Festhalten ist das Bekannte. Festhalten ist bequem, auch wenn es weh tut. Loslassen bedeutet, in das Unbekannte gehen. Das braucht Mut. Ja, man weiß, was man hat, auch wenn es schmerzhaft ist. Aber man weiß nicht, was kommt, wenn man loslässt und das nicht wissen macht Angst. Genau. Und deshalb halten wir so lange fest, weil das Bekannte, auch das Schmerzhafte, sich sicherer anfühlt, als das Unbekannte. Aber manchmal ist das Unbekannte besser als das, woran man festhält. Man kann das nicht wissen, bevor man loslässt. Ja, man muss loslassen, bevor man sieht, was danach kommt. Das ist der Sprung und der Sprung braucht Vertrauen. Vertrauen in sich selbst, in das Leben, darin, dass man auch ohne das, woran man festhält, in Ordnung sein wird. Genau und dieses Vertrauen ist oft das Schwerste, weil man keine Garantien bekommt. Niemand kann einem sagen, wenn du loslässt, wird alles besser. Das weiß man nicht. Nein, man weiß es nicht, man hofft, man vertraut und dann lässt man los. Und manchmal ist es tatsächlich besser. Manchmal schafft das Loslassen Raum. Raum für Neues, für Wachstum, für Dinge, die man nicht kommen sah. Das ist ein sehr schöner Gedanke. Loslassen schafft Raum. Wenn die Hände voll sind, man kann nichts Neues halten, erst wenn man loslässt, hat man Platz für das Neue. Ja, das ist ein sehr einfaches, aber sehr starkes Bild. Volle Hände können nichts Neues halten, man muss erst abgeben, damit Platz entsteht. Ich möchte jetzt über etwas sehr praktisches sprechen. Was hilft beim Loslassen? Was kann man tun, wenn man weiß, dass man loslassen sollte, aber es einfach nicht geht? Das ist eine sehr ehrliche Frage, weil viele Menschen sagen, ich weiß, dass ich loslassen muss. Ich weiß, dass das nicht gut für mich ist, aber ich kann es nicht. Was mache ich? Ich glaube, der erste Schritt ist, sich selbst erlauben zu trauern. Man muss nicht sofort stark sein. Man muss nicht sofort okay sein. Man darf traurig sein, man darf weinen, man darf die Abwesenheit von dem fühlen, was man loslässt. Ja, Loslassen ist ein Prozess, kein Moment. Man lässt nicht einmal los und dann ist es vorbei. Man lässt ein bisschen los und dann hält man wieder fest und dann lässt man wieder ein bisschen los. Das ist normal. Ja, es ist kein gerader Weg, es ist eher wie Wellen. Manchmal fühlt man sich besser und dann kommt wieder ein Moment, wo der Schmerz groß ist und das ist kein Rückschritt, das ist der Prozess. Das ist so wichtig zu wissen, wenn man einen schlechten Tag hat, einen Tag, wo man wieder sehr an dem festhält, was man loslassen möchte, dann ist das kein Versagen, das ist menschlich. Ja, man gibt sich selbst Zeit, man ist geduldig mit sich. Loslassen braucht Zeit, manchmal sehr viel Zeit. Ein anderer Schritt, der hilft, ist reden. Mit jemandem sprechen, dem man vertraut. Die Gedanken aussprechen, die Gefühle in Worte fassen. Ja, wenn man allein mit seinen Gedanken ist, dann können sie sehr groß werden, sehr laut, sie füllen den ganzen Kopf, aber wenn man sie ausspricht, dann werden sie greifbarer, kleiner manchmal und man merkt manchmal, ich weiß eigentlich schon, was ich tun muss. Man hört sich selbst reden und dann denkt man, ah, da ist die Antwort. Sie war die ganze Zeit da, ich musste sie nur aussprechen, das ist so wahr. Das ist so wahr. Das sprechen als verarbeiten. Man denkt durch das sprechen. Dann hilft auch, sich erlauben, sich zu erinnern, ohne sich zu verlieren. Man denkt an das, was man loslässt. Man erinnert sich an die schönen Momente. Man ist dankbar dafür, was es war. Ja, und Loslassen bedeutet nicht zu vergessen. Man kann sich erinnern und trotzdem loslassen. Man kann etwas in seinem Herzen behalten und es trotzdem gehen lassen. Das ist ein schöner Gedanke. Man lässt die Sache los, aber man behält die Erinnerung. Man behält das, was man gelernt hat. Man behält das, was einem diese Person oder diese Situation gegeben hat. Ja, und so bleibt etwas, auch wenn man loslässt. Nicht alles geht verloren. Das Gute bleibt in einem als Teil der eigenen Geschichte. Und dann gibt es noch etwas, dass ich sehr hilfreich finde, und zwar den Fokus verschieben. Nicht von dem Wegsehen, was man loslässt, sondern hinschauen auf das, was vorne liegt. Ja, man kann sich fragen, was ist möglich, wenn ich loslasse? Was könnte kommen? Was gibt es in meinem Leben, dass ich mehr sehen möchte? Das ist keine Ablenkung. Das ist eine Einladung nach vorne. Man sieht nicht weg, sondern schaut hin. Hin auf das, was möglich ist. Und manchmal, wenn man den Blick nach vorne richtet, dann sieht man Dinge, die man vorher nicht gesehen hat, weil man so sehr nach hinten geschaut hat. Ja, wenn man immer zurückschaut, dann sieht man nicht, was vorne ist. Man kann nicht gleichzeitig nach vorne und nach hinten schauen. Das ist ein sehr einfaches, aber sehr wahres Bild. Man kann nicht gleichzeitig nach vorne und nach hinten schauen. Man muss sich entscheiden, wohin schaut man.
[16:08]Lass uns jetzt über die Sprache sprechen. Wie sagt man auf Deutsch über das Loslassen? Welche Sätze kann man benutzen und zwar ganz einfach? A1 bis A2. Ja, gerne. Also, der einfachste Satz ist, ich lasse das los. Das ist sehr direkt, sehr klar. Man sagt, ich halte das nicht mehr fest, ich gebe es frei. Dann gibt es, das ist nicht mehr gut für mich. Sehr einfach, sehr ehrlich. Man sagt, das schadet mir, es ist Zeit, es gehen zu lassen. Oder, ich muss loslassen. Das ist auch sehr klar. Man weiß, was man tun muss, man spricht es aus. Dann gibt es, ich halte noch fest. Das sagt man, wenn man weiß, dass man loslassen sollte, aber noch nicht kann. Das ist sehr ehrlich. Man gibt zu, ich bin noch nicht soweit und das ist okay. Das ist keine Schwäche, es ist Ehrlichkeit. Ich halte noch fest, aber ich weiß es und das ist der erste Schritt. Dann gibt es, es fällt mir schwer loszulassen. Das ist auch sehr einfach und sehr menschlich. Man sagt, das ist schwer für mich, es geht nicht so leicht. Oder, ich vermisse das sehr. Das ist ein sehr ehrlicher Satz. Man sagt nicht, es ist okay. Man sagt, es fehlt mir, ich vermisse es, das ist real. Dann gibt es, ich versuche damit abzuschließen. Das bedeutet, man möchte einen Abschluss machen. Man möchte dieses Kapitel beenden. Man versucht, einen Schlusspunkt zu setzen. Das Wort abschließen ist schön. Es ist wie ein Buch zuschlagen.
[17:49]Man liest dieses Kapitel nicht mehr, aber das Buch gewährt noch zu einem, die Geschichte war da, sie ist Teil von einem, aber dieses Kapitel ist beendet. Ja, und ich akzeptiere, dass das vorbei ist. Das ist ein sehr reifer Satz. Man sagt, ich kämpfe nicht mehr dagegen. Ich nehme an, was ist. Das ist vorbei und das ist okay. Das Wort akzeptieren ist hier sehr wichtig. Akzeptieren bedeutet nicht, ich finde es gut. Akzeptieren bedeutet, ich nehme es an, ich erkenne, dass es so ist. Ja, man kann traurig sein und trotzdem akzeptieren. Man kann es schmerzhaft finden und trotzdem akzeptieren.
[18:50]Akzeptieren ist kein Lächeln, es ist eine innere Haltung. Dann gibt es, ich gebe mir Zeit. Das ist ein sehr freundlicher Satz an sich selbst. Man sagt, ich muss nicht sofort fertig sein, ich gebe mir Raum. Ich habe Geduld mit mir und ich bin dankbar für das, was es war. Das ist ein sehr schöner Abschluss. Man schaut zurück, nicht mit Schmerz, sondern mit Dankbarkeit. Man sagt, das war schön, oder das hat mich etwas gelehrt, ich bin dankbar dafür. Ja, Dankbarkeit kann sehr helfen beim Loslassen. Wenn man dankbar ist, dann hält man das Gute in sich. Man trauert nicht um den Verlust allein. Man erinnert sich auch an das Schöne. Und es ist okay, dass das vorbei ist. Das ist vielleicht der schwerste Satz, aber aber auch einer der befreienste. Man sagt sich selbst, es ist in Ordnung. Das hat sein Ende und das Ende ist okay. Ja, alles hat ein Ende. Das ist kein Versagen, das ist das Leben. Nicht alles, was endet, war falsch. Manches endet, weil es seinen Platz in einer bestimmten Zeit hatte. Und diese Zeit ist vorbei. Das ist so ein schöner Gedanke. Manche Dinge, Menschen, Phasen, sie hatten ihren Platz in einer bestimmten Zeit. Sie waren richtig in dieser Zeit und dann war die Zeit vorbei. Ja, das macht das Ende nicht falsch. Es macht es auch nicht weniger wertvoll. Es war was es war und es war gut, während es war. Ich möchte noch über einen Aspekt sprechen, der mir sehr wichtig erscheint, und zwar, was kommt nach dem Loslassen? Oh, das ist eine wichtige Frage, weil viele Menschen Angst haben vor dem, was danach kommt. Man denkt, wenn ich loslasse, was bleibt dann? Was bin ich dann? Was habe ich dann? Und die ehrliche Antwort ist, man weiß es nicht. Man kann es nicht wissen, bevor man loslässt. Das ist der Sprung ins Unbekannte. Aber es gibt etwas, dass man sagen kann. Wenn man loslässt, dann kommt zuerst vielleicht leere, eine Stille, ein Raum, der leer ist. Ja, und diese Leere, die ist nicht angenehm. Man ist so gewohnt, etwas dort zu haben. Diese Person, diese Situation, dieses Gefühl und und dann ist da nichts. Eine Stille. Und diese Stille kann man aushalten. Man muss sie nicht sofort füllen. Man muss nicht sofort eine neue Beziehung haben, einen neuen Job, einen neuen Plan. Man darf in der Stille bleiben für eine Weile. Ja, die Stille ist nicht leer. Sie ist voller Möglichkeiten, aber Möglichkeiten, die man noch nicht sieht. Die noch kommen, die noch entstehen. Das ist ein sehr schöner Gedanke. Die Stille ist voller Möglichkeiten. Man sieht sie noch nicht, aber sie sind da. Und dann langsam füllt sich der Raum wieder mit neuem, mit Unerwartetem, mit Dingen, die man nicht geplant hat. Und manchmal sind diese Dinge sehr schön. Manchmal überrascht das Leben einen auf die beste Art, weil man Platz gemacht hat. Ja, weil man die Hände frei hatte, weil man nicht mehr festgehalten hat, und dann konnte etwas Neues kommen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Als ich einmal etwas sehr Wichtiges losgelassen habe, eine Arbeit, die mir nicht mehr gut getan hat, da war zuerst Angst, dann Leere und dann nach einer Weile kam etwas, dass ich nie erwartet habe. Was kam? Eine neue Richtung, ein neues Interesse, eine neue Energie. Ich hatte diese Energie nicht gehabt, solange ich an dem alten festgehalten habe, weil das Festhalten so viel Kraft gekostet hat. Ja, Festhalten kostet Kraft. Viel Kraft, manchmal merkt man das gar nicht, weil man so gewohnt ist, es zu tragen. Aber wenn man loslässt, dann spürt man plötzlich, wie schwer es war. Wie wenn man einen schweren Koffer sehr lange trägt. Man gewöhnt sich daran, man denkt, es ist normal. Und dann stellt man ihn ab und denkt, oh, wie leicht ich jetzt bin. Das ist so ein gutes Bild. Der schwere Koffer, man trägt ihn und irgendwann ist er normal. Und dann stellt man ihn ab und merkt erst dann, wie schwer er war. Ja, und wie viel Energie man für andere Dinge hat, wenn man ihn nicht mehr trägt. Ich möchte noch über etwas sprechen, dass ich sehr tief finde, und zwar das Loslassen von Versionen von sich selbst. Oh, das ist interessant. Was meinst du damit? Ich meine, manchmal muss man eine alte Version von sich selbst loslassen, ein altes Bild von sich, eine alte Rolle, einen alten Teil von sich, der nicht mehr passt. Zum Beispiel, zum Beispiel, man war immer derjenige, der für alle da ist, der immer hilft, der immer stark ist. Und irgendwann merkt man, diese Rolle tut mir nicht gut, sie erschöpft mich. Ich muss die Erwartung loslassen, die eigene und die von anderen, dass ich immer dieser Mensch bin. Ah, man lässt eine Rolle los, eine Identität. Ja, und das ist sehr schwer, weil diese Rollen oft sehr tief in uns verankert sind. Man definiert sich selbst über sie. Ich bin der Starke, ich bin der Zuverlässige. Ich bin derjenige, der nicht weint. Ich bin derjenige, der immer funktioniert. Und wenn man diese Rolle loslässt, dann fragt man sich, wer bin ich dann? Genau, das ist eine sehr tiefe Frage und die Antwort kommt nicht sofort. Man muss in der Frage bleiben. Man muss sich selbst neu kennenlernen ohne diese Rolle. Das klingt fast wie eine Reise, eine innere Reise. Ja, es ist eine Reise, eine sehr persönliche, sehr stille Reise. Man schaut in sich hinein und fragt, was bin ich ohne diese Rolle? Was mag ich wirklich? Was brauche ich wirklich? Und die Antworten können sehr überraschend sein. Ja, man entdeckt manchmal Teile von sich, die man lange nicht gesehen hat, weil die Rolle so viel Platz eingenommen hat. Das ist Wachstum. Durch das Loslassen einer alten Version von sich entsteht eine neue, eine echtere vielleicht. Ja, nicht besser im Sinne von mehr erreicht, sondern echter, näher an dem, wer man wirklich ist. Das ist schön, das Loslassen als Weg zu sich selbst. Genau, man lässt das los, was man angesammelt hat. Die Rollen, die Erwartungen, die Bilder, und darunter ist man selbst, der echte, unvollkommene menschliche Mensch und dieser Mensch ist genug. Er muss keine Rolle spielen, er muss nicht perfekt sein. Er ist einfach er selbst und das ist genug. Das ist vielleicht der schönste Gedanke des heutigen Gesprächs. Der echte Mensch, der darunter ist, er ist genug. Ja, man muss nichts festhalten, um genug zu sein. Man ist genug, auch ohne, auch ohne die Person, auch ohne den Job, auch ohne das Bild. Man ist genug. Lass uns jetzt zusammenfassen, was wir heute gelernt haben. Gerne. Also, Loslassen bedeutet nicht vergessen. Es bedeutet nicht aufgeben. Es bedeutet, man hält etwas nicht mehr fest, bewusst mit gut und mit Vertrauen. Man kann viele Dinge loslassen, Menschen, Situationen, Gefühle, wie Wut und Groll, Bilder von sich selbst und vom Leben, Rollen, die man gespielt hat. Loslassen ist ein Prozess, kein Moment. Es geht nicht sofort, es kommt in Wellen. Man braucht Zeit und Geduld mit sich selbst. Der Schmerz beim Loslassen ist real, und man muss ihn durchleben, nicht drumherum gehen, durch ihn hindurch. Festhalten kostet Kraft. Wenn man loslässt, wird man leichter und man hat Platz für Neues. Vergeben ist ein Teil des Loslassens, nicht für die andere Person, für sich selbst. Man legt den schweren Rucksack ab für sich. Auf Deutsch kann man über das Loslassen sprechen
[26:31]mit Sätzen wie ich lasse das los oder das ist nicht mehr gut für mich,
[26:39]oder es fällt mir schwer loszulassen, oder ich vermisse das sehr, oder ich versuche damit abzuschließen, oder ich akzeptiere, dass das vorbei ist, oder ich gebe mir Zeit, oder ich bin dankbar für das, was es war. Und vielleicht der wichtigste Satz, es ist okay, dass das vorbei ist, weil alles hat sein Ende und das Ende ist kein Versagen. Es ist ein Teil des Lebens. Ja, das Leben ist voller Kapitel, manche sind lang, manche kurz, manche sind schön, manche schwer. Und irgendwann, wenn ein Kapitel endet, muss man die Seite umblättern. Und auf der nächsten Seite, da ist wieder etwas, immer auch wenn man es noch nicht sieht.
[27:32]Ja, man blättert die Seite um und wartet, was kommt. Mit Geduld, mit Vertrauen, mit offenen Händen. Offene Hände, das ist das Bild, mit dem wir begonnen haben. Und es ist das Bild, mit dem wir enden. Man öffnet die Hände, man lässt los und man ist bereit für das, was kommt. Vielen Dank, dass ihr heute dabei wart. Ich hoffe, ihr habt heute nicht nur neue Wörter auf Deutsch gelernt, sondern auch ein bisschen Mut bekommen, Mut die Dinge loszulassen, die euch schwer machen. Ja, und denkt daran, ihr müsst nicht sofort loslassen. Ihr müsst nur anfangen. Einen kleiner Schritt. Ein bisschen lockerer halten und dann noch ein bisschen. Das reicht. Bis zum nächsten Mal. Tschüss und alles Gute. Tschüss und haltet eure Hände ein bisschen offener heute.



